BFC-Fernstudium Möglichst viel Praxis

Von Johannes Büttner 4 min Lesedauer

Seit zehn Jahren bietet die Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kfz-Gewerbe (BFC) ein Fernstudium an. Im Interview nennt BFC-Geschäftsführerin Sylvia Gerl Vorteile und Zielgruppen des Studienprogramms.

Sylvia Gerl 
leitet als Geschäftsführerin 
die BFC.(Bild:  BFC)
Sylvia Gerl 
leitet als Geschäftsführerin 
die BFC.
(Bild: BFC)

Herzlichen Glückwunsch zum zehnten Geburtstag des BFC-Fernstudiums. Wie ist es denn damals zu diesem Programm gekommen?

Sylvia Gerl: In der Vergangenheit waren wir immer wieder von Menschen angesprochen worden, denen es es nicht möglich war, ihren Arbeitsplatz über einen Zeitraum von elf Monaten zu verlassen. Sie wollten am BFC-Wissen partizipieren, aber halt nicht in Präsenz. Ein nachvollziehbares Argument war stets, dass sich für die vorgegebene BFC-Zeit niemand finden ließ, der die eigene Arbeit in der gleichen Form und Qualität übernimmt. Das war quasi der Startschuss für die konzeptionelle Arbeit und die Geburtsstunde des Fernstudiums.

Sind die Studierenden hier also ganz anders als die im Präsenzstudium?

Auffällig ist, das die Teilnehmer des Fernstudiums in der Regel älter sind als diejenigen, die das Präsenzstudium nachfragen. Was alle vereint, ist ihre Vita. Alle haben automobile Wurzeln, da sie einen „Auto-Beruf“ erlernt haben. Aber die Fernstudenten verfügen über deutlich mehr Branchenerfahrungen.

Gibt es eine bestimmte Zielgruppe, die vorwiegend auf das Fernstudium fokussiert ist?

Vermehrt treffen wir derzeit auf Automobilverkäufer. Viele von ihnen möchten gerüstet sein, wenn sich das Vertriebssystem in Richtung Agentur- und Direktvertrieb verändert. Sie nutzen das Fernstudium, um sich breiter aufzustellen. Das ist sicherlich ein kluger Schachzug. Auch wir glauben, dass sich der Verkäuferberuf verändern wird, auch wegen der Digitalisierung und Konnektivität der Produkte. Auffällig ist auch, dass sich viele mehr Markenunabhängigkeit bei der eigenen Qualifizierung wünschen und deshalb gern die BFC ansteuern. Das gilt übrigens auch für unsere Vollzeitstudierenden.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich außerdem die Zielgruppe „junge Mütter“. Wir lernen im Fernstudium viele junge Frauen kennen, die sich bewusst in ihrer Baby-Pause für das Fernstudium entscheiden.

Warum?

Diese jungen Frauen möchten die Auszeit aktiv nutzen, um nicht nur Mutter zu sein, sondern nebenbei auch etwas für ihren Kopf tun. Weiterhin möchten sie den Anschluss nicht verlieren und einen besseren Wiedereinstieg haben, wenn sie in ihre Betriebe zurückkehren; selbst wenn dieser Wiedereinstieg erst mal stundenweise erfolgt.

Kann das Fernstudium für Betriebe somit ein Modell zur Loyalisierung dieser Mitarbeiterinnen darstellen?

Auf jeden Fall. Die Betriebe können über das Fernstudienprogramm weiterhin eine Verbindung zu jungen Frauen halten, deren Prioritäten sich erst einmal in Richtung Familie verschoben haben – beziehungsweise diesen jungen Frauen aufzeigen, dass die Familienplanung sich gut mit der eigenen beruflichen Entwicklung verbinden lässt.

Aber auch den Ausbildenden würde ich mit dem Einstieg ins Unternehmen aufzeigen, dass es berufsbezogene Entwicklungsmöglichkeiten gibt, die sich mit der beruflichen Tätigkeit in Einklang bringen lassen. Für mich sind beide BFC-Produkte – das Fern- als auch das Präsenzstudium – Möglichkeiten, um Eigengewächse markenunabhängig weiterzuentwickeln.

Gibt es dann Betriebe, die die Studiengebühren übernehmen?

Im Fernstudium sind im Durchschnitt 80 Prozent der Teilnehmer arbeitgeberfinanziert. Tendenz steigend.

Ist das im Präsenzstudium ähnlich?

Nein, dort haben wir eine Dreiteilung. Das heißt: Ein Drittel behält eine arbeitsvertragliche Bindung und somit eine Arbeitgeberfinanzierung, ein Drittel verfügt über ein Familienunternehmen und kehrt nach der BFC-Zeit dorthin zurück. Das letzte Drittel sind Teilnehmer, die ihre Arbeitsverträge auflösen und die BFC als Sprungbrett nutzen, um beruflich einen neuen Weg einzuschlagen.

Warum sollte sich jemand für das BFC-Fernstudium entscheiden und nicht für ein klassisches Fernstudium an einer Fern-Uni?

Die BFC ist dafür bekannt, nur so viel Theorie wie nötig und soviel Praxis wie möglich zu vermitteln. Das ist bei einer wissenschaftlichen Ausbildung – auch an einer Fern-Uni – anders. Unser Fokus ist darauf gerichtet, die Entwicklung im Rahmen einer operativen Tätigkeit auszubauen und vieles zu vermitteln, was eine hohe Wertschöpfung im Unternehmen ermöglicht. Wir erhalten oft das Feedback, dass BFC-Absolventen schnell innerhalb der ersten 100 Tage punkten und die betriebliche Entwicklung vorantreiben.

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Wie kommt man einen Fernstudien-Platz und wann muss man sich darum kümmern?

Schon bei der Konzeption des Fernstudiums war uns klar, die A-Aufgabe eines Fernstudenten ist die berufliche Tätigkeit. Aus diesem Grunde haben wir – anders als im Präsenzstudium – vier Einstiegsmöglichkeiten im Angebot, um betrieblichen Erfordernissen oder saisonalen Spitzen gerecht zu werden. Für alle Starttermine im Februar, Mai, August und November ist die Nachfrage groß. Der Anmeldevorlauf liegt derzeit bei gut einem halben Jahr.

Die Branche ist in einem stetigen Wandel. Wie sieht es da bei den Inhalten im Fernstudium aus? Wie werden Sie den Branchenveränderungen gerecht?

Wir nutzen den Vorteil unserer eigenen Manuskript-Manufaktur. Das bedeutet, wir sind jederzeit in der Lage, auf die Veränderungen der Branche zu reagieren, da wir stets unsere Unterlagen anpassen. Damit garantieren wir aktuelles Wissen. Die aktuellen Unterlagen haben nur noch eine kleine Schnittmenge mit denen der ersten Fernstudenten-Gruppe von vor zehn Jahren.

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