Citroën-Studie Autonomous Mobility Vision Autonome Bewegungsräume

Von Von Edgar Schmidt

Wenn die viel geforderte Verkehrswende gelingen soll, brauchen wir künftig neue Mobilitätskonzepte. Citroën zeigt mit ungewöhnlichen Partnern, wie ein solches Konzept aussehen könnte.

Citroën plant mit seiner „Autonomous Mobility Vision“ ein komplett neues Mobilitätskonzept, zum Beispiel mit mobilen Fitnessräumen.
Citroën plant mit seiner „Autonomous Mobility Vision“ ein komplett neues Mobilitätskonzept, zum Beispiel mit mobilen Fitnessräumen.
(Bild: Citroën)

Wenn man den Prognosen der Weltbank glaubt, wird es künftig in den großen Städten dieser Welt noch voller als bisher schon. Die Institution geht davon aus, dass bis 2050 zwei Drittel der Bevölkerung in Städten leben werden. Da alle diese Menschen auch mobil sein wollen, führt das zwangsläufig zu Chaos, wenn sich an den bisherigen Verkehrskonzepten nichts ändert.

Diese Prognose hat schon viele Entwickler dazu veranlasst, neue Fahrzeugkonzepte vorzuschlagen, die den Verkehrskollaps in den großen Mega-Metropolen verhindern sollen. Immer wieder schlagen sie autonom fahrende, modular aufgebaute Fahrzeuge dafür vor. So auch Citroën. Die Franzosen haben sich für ihr Projekt mit zwei Partnern zusammengeschlossen, die man bei der Fahrzeugentwicklung eher nicht erwartet: mit dem Hotel-Konzern Accor und dem Spezialisten für Außenwerbung JCDecaux, der zudem ein Spezialist für öffentliche Fahrradverleihsysteme ist. Sie sollten unter anderem dabei helfen, mittel- und langfristige Trends bei den Bedürfnissen der Verbraucher aufzuspüren.

Das Ergebnis ihrer Überlegungen ist ein Fahrzeugkonzept, das auf autonom fahrende, elektrisch an­getriebene Basisfahrzeuge setzt: sogenannte Skates. Diese können mit verschiedensten Aufbauten, den sogenannten Pods, kombiniert werden.

Das Besondere an der „Citroën Autonomous Mobility Vision“ ist, dass diese Pods nicht einfach nur aus Fahrgastzellen oder Stauräumen bestehen. Die ersten drei Exemplare beinhalten einen luxuriösen Warteraum, ein mobiles Fitnessstudio und eine behagliche Gartenlaube.

In den Warteraum ist eine Bar integriert, die sich wie eine Blume öffnet, um Getränke und Snacks anzubieten. Ein Soundsystem, Induktionsladegeräte und eine konfigurierbare Stimmungsbeleuchtung sollen für weitere Annehmlichkeiten sorgen. Hier sollen bis zu drei Gäste gleichzeitig Platz nehmen können.

Das mobile Fitnessstudio ist mit einem Rudergerät und einem Fahrrad-Ergometer ausgestattet; hiermit sollen Nutzer allein fahren und sich gleichzeitig dabei fit halten. Während des Trainings kann man dann Energie erzeugen, die in den Akkus des Skates gespeichert wird.

Bis zu fünf Personen sollen in der fahrbaren Gartenlaube Unterschlupf finden und sich vom Skate durch die Stadt chauffieren lassen. Diese Kombination sehen die Entwickler als Ergänzung zu öffentlichem und privatem Verkehr.

 Autonomes Skateboard 

Transportieren soll diese Pods eine Fahrzeugplattform, die an ein Skateboard erinnert. Autonom, elektrisch und über Induktion aufladbar soll das Skate fast ununterbrochen unterwegs sein können und sich bei Bedarf automatisch an speziellen Ladestationen aufladen.

Die Plattform ist mit der gesamten Technik ausgestattet, die zum Bewegen von Transport- und Logistik-Pods notwendig ist. Dadurch könnte man bei den Pods auf viel Technik verzichten. Das soll das autonome Fahren insgesamt rentabel gestalten. Seine Umwelt erfasst das Gefährt über Radar- und Lidarsensoren. Anfangs sieht Citroën die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge aus Sicherheitsgründen bei 25 km/h.

Ungewöhnlich sind auch die Räder des Skates. Sie stammen von Goodyear und bestehen aus kugelförmigen Reifen. Jeder davon ist mit kleinen Elektromotoren ausgestattet. Das Konzept soll eine vollständige 360°-Bewegungsfreiheit ermöglichen, sodass das Citroën- Skate in jede Richtung fahren, sich auf der Stelle drehen und in die kleinsten Zwischenräume und Lücken rollen kann.

Citroën schwebt für die Skate- Pod-Kombinationen ein Open- Source-Ansatz vor. Das heißt, auch andere Unternehmen könnten Pods entwickeln, die mit den Skates kompatibel sind. Dadurch wären sehr vielfältige Dienstleitungen für den individuellen und kollektiven Verkehr möglich. Nach Ansicht der Entwickler könnten beispielsweise Städte, Behörden und Unternehmen die Technik des Citroën-Skates nutzen, und eigene Pods für den Personentransport, für Dienstleistungen oder Konsumgüter in öffentlichen oder privaten Räumen wie Flughäfen, Fabriken oder Kongresszentren entwickeln.

Die Fahrzeuge könnten Apotheken beliefern, Essen ausfahren, als mobiler Food-Truck fungieren und Überwachungsaufgaben übernehmen. Laut Citroën könnten die Kommunen darüber hinaus die Spitzen während der Hauptverkehrszeiten mit einer Skate-Flotte besser abfedern und in den Nebenverkehrszeiten ein bedarfsgerechtes Verkehrsangebot sowie nachts sichere und lärmfreie Transportmöglichkeiten anbieten.

Es wird sich zeigen, ob das französische Konzept wieder nur eine fantastische Idee ist oder sich wirklich umsetzen lässt. Andere Hersteller und Entwickler wie zum Beispiel Rinnspeed, Ree und Canoo hatten ebenfalls schon Ideen, die in diese Richtung gingen. Vielleicht sollten sie sich alle zusammentun. Dann könnte ein realistisches Konzept herauskommen.

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