Ausbildungsreport der DGB-Jugend Azubis sind (ziemlich) zufrieden

Johannes Büttner 3 min Lesedauer

Die duale Berufsausbildung in Deutschland bleibt ein Erfolgsmodell: 71,6 Prozent der Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Doch es gibt auch Defizite. Und zwischen den verschiedenen Berufen tun sich erhebliche Unterschiede auf. Das und mehr besagt der Ausbildungsreport 2025 der DGB-Jugend.

Elke Hannack: Wir brauchen wieder mehr Betriebe, die ausbilden. (Bild:  DGB – Simone M. Neumann)
Elke Hannack: Wir brauchen wieder mehr Betriebe, die ausbilden.
(Bild: DGB – Simone M. Neumann)

Die Mehrzahl der Azubis in Deutschland ist mit ihrer Ausbildung zufrieden. 71,6 Prozent gaben in der Befragung für den Ausbildungsreport 2025 der Jugendorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an, insgesamt zufrieden oder sogar sehr zufrieden zu sein. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Allerdings bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Berufsbildern. Am zufriedensten sind angehende Industriemechaniker, am kritischsten äußerten sich die Auszubildenden im Friseur-Handwerk. Die wichtigsten Berufe des Kfz-Gewerbes – Kfz-Mechatroniker und Automobilkaufmann – landeten nur im hinteren Mittelfeld. Generell vergaben Azubis aus größeren Unternehmen bessere Noten als die aus kleinen Betrieben. Für die Untersuchung wurden Azubis der 25 am weitesten verbreiteten Ausbildungsberufe befragt.

Weniger Überstunden

Die Qualität der Ausbildung hat sich laut Studie in wichtigen Bereichen verbessert. So ist der Anteil der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden leisten müssen, zurückgegangen – liegt aber mit 32,3 Prozent noch immer auf einem nach Ansicht der Autoren bedenklich hohen Niveau.

Auch bei den ausbildungsfremden Tätigkeiten gebe es trotz minimaler Fortschritte weiterhin Probleme: 14,7 Prozent der Befragten müssen immer oder häufig Aufgaben übernehmen, die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben – wie Kaffee kochen oder Putzen. „Für die Azubis heißt das ganz einfach, dass ihnen Zeit für die eigentlichen Ausbildungsinhalte fehlt. Dies gefährdet ihren erfolgreichen Ausbildungsabschluss“, mahnt DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker.

Erfolgsmodell duale Ausbildung

Doch auch wenn die Arbeitgeber in einigen Branchen noch mehr für gute Ausbildungsbedingungen tun könnten und müssten, sei und bleibe die duale Ausbildung ein Erfolgsmodell, so Becker weiter: „Die Entscheidung für eine Ausbildung ist ein guter Schritt ins Erwerbsleben.“

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack verwies auf den dringenden Handlungsbedarf beim Thema Ausbildungslosigkeit: „Während die Wirtschaft zunehmend über fehlende Fachkräfte klagt, haben gleichzeitig knapp 3 Millionen junge Menschen in unserem Land keinen Berufsabschluss. Wir brauchen wieder mehr Arbeitgeber, die ausbilden und allen jungen Menschen eine Chance auf einen Ausbildungsplatz geben.“ Ohne Berufsabschluss drohe deutlich häufiger ein Leben in Armut, mit längeren Phasen von Arbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung.

Mängel bei der Berufsorientierung

Einen Schwerpunkt legte der Ausbildungsreport in diesem Jahr auf die Berufsorientierung. Das Ergebnis: Familie und Freunde sind die wichtigsten Helfer bei der Ausbildungsplatzsuche. Die Angebote der Arbeitsagenturen und die schulische Berufsorientierung werden deutlich seltener als hilfreich wahrgenommen. Hier muss nicht nur nach Ansicht der Gewerkschaften, sondern auch der Arbeitgeber nachgebessert werden.

Beunruhigt äußert sich die DGB-Jugend über die gestiegene Unsicherheit der Auszubildenden hinsichtlich ihrer eigenen beruflichen Perspektive: 41,5 Prozent der Azubis im letzten Lehrjahr wissen nicht, ob sie übernommen werden.

Was Jugendlichen wichtig ist

Bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs sind den Jugendlichen die folgenden Punkte besonders wichtig:

  • Eine gute Erreichbarkeit des Betriebs
  • Ein positives Arbeitsklima
  • Faire Arbeitszeiten
  • Eine angemessene Ausbildungsvergütung

In diesem Zusammenhang merkt der Report kritisch an, dass über 60 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben Probleme haben, von ihrer Vergütung selbstständig zu leben. Mehr als 30 Prozent sind auf die Unterstützung der Eltern angewiesen, zwölf Prozent müssen neben der Ausbildung noch jobben.

„Wenn Ausbildung zu etwas wird, was sich junge Menschen erst leisten können müssen, ist das nicht nur Ausdruck mangelnder Wertschätzung – es steht auch unseren Bemühungen entgegen, den Fachkräftemangel zu bekämpfen“, kritisiert Bundesjugendsekretär Kristof Becker. Die DGB-Jugend fordere deshalb eine außerplanmäßige Erhöhung der gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung.

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