Studie der KKH Corona stresst Auszubildende stark

Redakteur: Johannes Büttner

Drei Viertel der Auszubildenden und Studierenden sorgen sich vor erneuten Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie, zwei Drittel fühlen sich demotiviert. Das hat eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse KKH ergeben.

Junge Menschen fühlten sich während der Corona-Pandemie häufig unmotiviert.
Junge Menschen fühlten sich während der Corona-Pandemie häufig unmotiviert.
(Bild: KKH)

Die Corona-Pandemie hat Studierende und Auszubildende besonders hart getroffen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse fühlen sich 40 Prozent von ihnen durch die Krise stark gestresst. Und auch im neuen Semester beziehungsweise Ausbildungsjahr ebbt diese Belastung nicht ab: Die große Mehrheit (74 Prozent) treibt mit Blick auf die kommenden Monate vor allem die Sorge vor erneuten Kontaktbeschränkungen um.

30 Prozent belastet dieses Szenario sogar schwer, denn davon hängen nicht nur Lernstrukturen in Ausbildung und Studium ab, sondern auch der Austausch mit Kommilitonen und Dozenten, das Knüpfen von Kontakten für den Berufseinstieg oder das Kennenlernen potenzieller Lebenspartner.

Mit der Sorge vor erneuten Kontaktverboten geht deshalb auch die Furcht vor Einsamkeit einher: Das geben 44 Prozent der rund 1.000 Befragten an. 43 Prozent der Hochschüler und Lehrlinge haben zudem Bedenken, dass die Impfung gegen Covid-19 nicht ausreichend schützt, was im Falle einer Erkrankung zu einer Quarantäne und somit auch wieder zum Alleinsein führen würde.

Viele der 16- bis 25-Jährigen belastet darüber hinaus die Unsicherheit bezüglich ihres Fortschritts in Ausbildung und Studium. Ein neues Studienfach oder ein Ausbildungswechsel, Praktika oder Projektarbeiten in Unternehmen, Vorstellungsgespräche bei späteren Arbeitgebern: Alles hängt wegen Corona in der Luft. Fast die Hälfte macht sich Sorgen, Lernstoff nachholen zu müssen, sodass es zu einer Verzögerung von Ausbildung oder Studium kommt.

Depressive Symptome

Der letzte Lockdown hat laut Umfrage 42 Prozent der Studierenden und 36 Prozent der Auszubildenden psychisch stark belastet. So berichten knapp zwei Drittel der Berufsanfänger, dass sie während der Viruskrise bislang häufiger demotiviert waren. Rund jeder Zweite war darüber hinaus tagsüber häufiger müde oder erschöpft.

Je fast 40 Prozent der Befragten wiesen zudem depressive Symptome auf oder waren schneller gereizt als üblich. Rund ein Viertel der Hochschüler und Lehrlinge berichtet außerdem von körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Verspannungen sowie von Ein- oder Durchschlafproblemen.

„Wenn jemand psychisch gesund ist, herrscht ein Gleichgewicht zwischen Belastung und Ressourcen“, erläutert Aileen Könitz, Ärztin und Expertin für psychiatrische Fragen bei der KKH. Die Pandemie habe dieses Gleichgewicht bei vielen jungen Menschen ins Wanken gebracht. Einerseits sei die Belastung wegen unsicherer Zukunftsaussichten, bröckelnder Tagestrukturen, fehlenden Austauschs und somit auch fehlender sozialer Unterstützung sowie mangelnden Ausgleichs gestiegen.

Andererseits seien die Bewältigungsressourcen geschrumpft. Die nach wie vor anhaltende Schwebesituation setzt vor allem denjenigen zu, die bereits vor der Krise unter psychischen Problemen gelitten haben.

Umso erstaunlicher ist, dass fast die Hälfte der Auszubildenden und Studierenden auf eigene Strategien setzt, um solch hohe Belastungen zu bewältigen. Fast ein Drittel von ihnen sucht hingegen in einem solchen Fall Rat bei Freunden oder der Familie.

Sowohl von einer Selbstbehandlung als auch vom Aussitzen stressbedingter Beschwerden (das würden 18 Prozent der Befragten tun), rät die KKH-Ärztin ab – vor allem wenn Symptome wie Niedergeschlagenheit und Erschöpfung länger anhalten oder stärker werden. Bei anhaltenden psychischen Problemen rät Aileen Könitz zu professioneller Hilfe: „Mit einer neutralen Person zu sprechen, die nicht zum familiären Umfeld oder zum Freundeskreis gehört, sich aber mit der Lebenssituation von Auszubildenden und Studierenden auskennt, kann sehr hilfreich sein.“

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