Neuzulassungen Gewerbe- übertrifft Privatmarkt

Von Johannes Büttner 5 min Lesedauer

Der Jahresabschluss war zwar wenig erfreulich, doch insgesamt legte der deutsche Neuwagenmarkt im vergangenen Jahr zu. Nicht alle Marken und Segmente profitierten gleichermaßen von dieser Entwicklung.

Der Tesla Model Y war mit 45.818 Neuzulassungen das erfolgreichste reine Elektroauto sowie zugleich das meistverkaufte Modell eines nichteuropäischen Herstellers.(Bild:  Tesla)
Der Tesla Model Y war mit 45.818 Neuzulassungen das erfolgreichste reine Elektroauto sowie zugleich das meistverkaufte Modell eines nichteuropäischen Herstellers.
(Bild: Tesla)

Meist ist es das letzte Bild, das im Kopf hängen bleibt. Davon ausgehend dürfte das Jahr 2023 den deutschen Neuwagenverkäufern nicht in guter Erinnerung bleiben. Denn im Dezember brachen die Pkw-Verkäufe gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent regelrecht ein.

Der Blick auf das große Ganze fällt demgegenüber deutlich positiver aus: In der Jahresbilanz verzeichnete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) insgesamt 2,84 Millionen Neuwagen; das bedeutete einen Zuwachs von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr – trotz des schwachen Jahresausklangs.

Das Dezember-Ergebnis lässt sich zumindest teilweise auf Sondereffekte im Zuge der staatlichen Förderung von Elektroautos zurückführen. Ende 2022 sorgte nämlich die Ankündigung, diese Prämie zu kürzen, für sogenannte Vorzieheffekte. Der Dezember 2022 war somit ein außergewöhnlich starker Automonat, das Ausgangsniveau entsprechend hoch. 2023 sorgte das abrupte Ende der Fördergelder dagegen für zusätzliche Verunsicherung.

(Bild:  autoKAUFMANN – Quelle: KBA)
(Bild: autoKAUFMANN – Quelle: KBA)

Die Elektrifizierung des deutschen Fahrzeugbestands kam dann auch nur schleppend voran: Nach wie vor wird rund die Hälfte der in Deutschland neu zugelassenen Pkw ausschließlich konventionell angetrieben. Der Anteil benzinbetriebener Pkw lag mit 34,4 Prozent über dem Vorjahresniveau (32,6 %); der Marktanteil von Dieselfahrzeugen ging nur leicht von 17,8 auf 17,1 Prozent zurück.

Leicht nach oben ging es für Hy­bridantriebe. Sie erreichten einen Anteil von 29,5 Prozent. Darin enthalten sind die Plug-in-Hybride, für die es mit dem Ende der Förderung stark nach unten ging. 175.724 neue Plug-in-Hybride zählte das KBA, was einem Minus von 51,5 Prozent und einem Marktanteil von nur noch 6,2 Prozent entspricht.

Da fallen die batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) mit einer Stückzahl von 524.219, einer Steigerung von 11,4 Prozent und einem Marktanteil von 18,4 Prozent schon eher ins Gewicht. Ganz im Gegensatz zu den Gasautos, die nur noch 0,5 Prozent der Neuzulassungen ausmachten. Für Wasserstoff und Brennstoffzelle waren die Zahlen noch geringer. Da passt es ins Bild, dass die CO2-Emission der Pkw im vergangenen Jahr laut KBA um 4,9 Prozent auf durchschnittlich 114,9 g/km anstiegen.

Segment im Allzeithoch

Wichtigste Neuwagenkäufer waren im vergangenen Jahr die Firmen- und Flottenkunden. Wie aus einer Auswertung der Zulassungszahlen durch die Marktforschung Dataforce hervorgeht, haben diese im Jahresverlauf 2023 gut 40.000 Fahrzeuge mehr neu zugelassen als die privaten Konsumenten. Ein Jahr zuvor hatte der private Kanal noch um gut 80.000 Einheiten vorne gelegen.

Hauptursache für die Wachablösung war die weiterhin starke Nachfrage im gewerblichen Sektor. Die Neuzulassungen der Firmenkunden lagen im zurückliegenden Jahr um knapp 110.000 Einheiten über dem Ergebnis des Jahres 2022. Der relevante Flottenmarkt legte damit im Jahresvergleich um 12 Prozent zu. In diesem Kundensegment sei noch ein hoher Auftragsbestand abzuarbeiten gewesen, interpretiert Dataforce das Ergebnis. Zudem müsse der Bestand regelmäßig erneuert werden.

Mit 976.696 gewerblichen Erstzulassungen hat der Flottenmarkt laut Dataforce zudem den höchsten Stand aller Zeiten erreicht. Den bisherigen Bestwert verzeichnete die Marktforschung bislang für das Ausnahmejahr 2019 mit 938.000 Firmenzulassungen. Damals hatte der Privatmarkt im Gesamtjahr allerdings noch um 300.000 Einheiten stärker abgeschlossen.

Inzwischen sind die Käufer im Privatkundenmarkt eher zurückhaltend. Die Zahl der privaten Erstzulassungen sank im Jahresverlauf 2023 sogar um 2 Prozent oder 18.000 Einheiten. Damit war der echte Privatmarkt der einzige Absatzkanal mit rückläufigen Werten. Dafür haben die Eigenzulassungen der Hersteller und Händler, die ja letztlich im Privatmarkt landen, über die vergangenen zwölf Monate wieder zugelegt: Über Tages-, Kurz-, und Vorführzulassungen kamen im Gesamtjahr 635.000 Einheiten auf die Straßen – das waren 11,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Der am stärksten wachsende Kundenkreis aber waren im Jahr 2023 die Autovermieter. Sie steigerten ihre Neuzulassungen um 14 Prozent. Möglicherweise besteht bei ihnen immer noch ein gewisser Ersatz- und Nachholbedarf, da an die Vermieter-Flotten in Zeiten knapper Ware wenig Fahrzeuge geliefert worden waren.

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Erfolgreichste Modelle

Beliebtestes Automodell der Deutschen war und ist der VW Golf. 81.117 Neuzulassungen registrierte das KBA im vergangenen Jahr für den Kompaktklassiker. Allerdings weist der Weg klar nach unten; im Jahr 2020 wurden noch über 100.000, ein Jahr zuvor sogar noch über 200.000 Golf neu registriert.

Wenn dem Klassiker nun Konkurrenz auf den Leib rückt, kommt sie an erster Stelle aus dem eigenen Haus. Auf dem zweiten Rang der Liste verdrängte der VW T-Roc (68.678 Einheiten) seinen größeren Markenbruder Tiguan, der mit 63.958 Neuzulassungen Rang drei belegte.

2022 hatte es erstmals ein dediziertes Elektroauto in die deutschen Pkw-Top-Ten geschafft. Das Tesla Model Y wiederholte diesen Erfolg im vergangenen Jahr und verbesserte sich vom zehnten auf den achten Platz. Für den US-Amerikaner verbuchte das KBA 45.818 Einheiten.

Zugleich ist das Model Y das mit Abstand erfolgreichste Modell eines nichteuropäischen Herstellers. Blickt man im Ranking nach unten, taucht erst auf Platz 23 mit dem Toyota Yaris ein asiatisches Fahrzeug auf. Ansonsten sind die Top 30 fest in europäischer und großteils deutscher Hand.

Entwicklung der Marken

Angesichts der Dominanz deutscher Fahrzeuge überrascht es kaum, dass sich die deutschen Marken im Jahr 2023 mehrheitlich über gestiegene Neuzulassungszahlen freuen konnten. Das stärkste Plus verzeichnete Smart mit 42,9 Prozent, wobei die Marke mit einem Anteil von 0,6 Prozent natürlich trotzdem in der Nische blieb.

Ebenfalls zweistellige Zugewinne verzeichneten die drei Premium-­Platzhirsche Audi, Mercedes und BMW sowie Porsche und Mini. Nicht ganz so steil, aber immerhin nach oben wies der Pfeil bei Marktführer VW und bei Opel. Als einzige deutsche Pkw-Marke musste Ford einen Rückgang verzeichnen.

(Bild:  autoKAUFMANN – Quelle: KBA)
(Bild: autoKAUFMANN – Quelle: KBA)

Die Ergebnisse der Importeure fielen unterschiedlich aus. Die größten Ausschläge in beide Richtungen verzeichnete das KBA für Marken mit kleinen Stückzahlen. Prozentual legten GWM, Lotus und Nio am stärksten zu. Die heftigsten Verluste setzte es für LEVC, Lada und Lynk & Co. Aber bei diesen Marken machen sich ein paar Autos mehr oder weniger in der Bilanz natürlich auch gleich gewaltig bemerkbar.

Zweistellig zulegen konnten die beiden größten Importeure. Den Spitzenplatz verteidigte Skoda mit einem Marktanteil von 5,9 Prozent, gefolgt von der neuen Nummer zwei Seat mit 4,7 Prozent. Am Wachstum der spanischen Marke hatten die Modelle der jungen Tochter Cupra entscheidenden Anteil, die vom KBA noch Seat zugerechnet werden.

Mit einem Neuzulassungsanteil von 30,1 Prozent bildeten die SUVs das stärkste Segment in der Jahresbilanz. Sie legten ebenso wie die zweitplatzierte Kompaktklasse (16,3 %) um 10 Prozent zu. Es folgten die Kleinwagen, die Geländewagen und die Mittelklasse. Die stärksten Zuwachsraten, allerdings auf niedrigem Niveau, meldete das KBA für die Oberklasse sowie die Sportwagen. Rückläufig waren die Segmente Minivans und Minis.

Die Nutzfahrzeuge schlossen das Jahr 2023 ausschließlich mit positiven Vorzeichen ab. Die Neuzulassungsstatistik wies für die Zugmaschinen ein Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus. Die Lastkraftwagen stiegen um 14,5 Prozent, die Kraftomnibusse um 12,5 Prozent und die Sonstigen Kraftfahrzeuge um 0,3 Prozent.

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