Erfolgsgeschichten Eisdiele, Lehre, Hollywood

Von Sybille Weinschenk 6 min Lesedauer

Er hat die Berufsfachschule geschmissen, mehrere Jahre in einer Eisdiele gejobbt und schließlich eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht. Heute tunt Jimmy Pelka Supersportwagen – einige fuhren sogar in Fast & Furious mit. Wie hat er das geschafft?

Jimmy Pelka 
inspiziert den vorderen Teil eines Tuningfahrzeugs von unten.(Bild:  Philipp Reinhard – PP-Performance)
Jimmy Pelka 
inspiziert den vorderen Teil eines Tuningfahrzeugs von unten.
(Bild: Philipp Reinhard – PP-Performance)

Jimmy, nach der Hauptschule hast du die Berufsfachschule Elektrotechnik besucht und ein halbes Jahr vor dem Abschluss abgebrochen. Dann drei Sommer lang in der Eisdiele gearbeitet. Hast du dir damals Sorgen gemacht, wie es beruflich weitergeht?

Nee, habe ich nicht. Ich war glücklich in der Eisdiele. Das Geld, das ich im Sommer verdient habe, hat mir gereicht – auch für den Winter. Im Sommer hatte ich nämlich gar keine Zeit, es auszugeben. Ich habe morgens um 7 Uhr die Stühle aufgestellt und bis abends um 23 Uhr gearbeitet.

Wie bist du zu deiner Ausbildungsstelle gekommen?

Ich habe in der Eisdiele einen Kunden gehabt, der in der Tuning-Firma Evotech gearbeitet hat. Die Firma ist im Dezember 1999 von Esslingen nach Ludwigsburg gezogen und er hat mich gefragt, ob ich beim Umzug helfen will – die Eisdiele war ja geschlossen.

Ich habe also vier Wochen beim Umzug geholfen, und anschließend hat mich der Chef von Evotech gefragt, ob ich eine Ausbildung bei ihm machen will – entweder im Büro oder als Kfz-Mechaniker. Ich habe mir gedacht: Büro ist nichts für mich. Ich werde Kfz-Mechaniker.

Hattest du eine Vorstellung davon, wie die Ausbildung aussieht?

Nee, ich wusste gar nichts, ich wusste nur, okay, du wirst schmutzig, du wirst arbeiten. Aber ich bin nie schmutzig geworden, weil ich eigentlich immer an neuen Luxusautos geschraubt habe. Und ich durfte ab dem ersten Tag an Neuwagen herumschrauben. Da ist noch nichts verrostet oder dreckig, das hat mir Spaß gemacht.

Welche Arbeiten hast du konkret gemacht?

Ich durfte an neuen Autos Originalteile aus- und modifizierte Teile einbauen. Die Abgasanlage beispielsweise oder das Fahrwerk. Teile, die das Auto lauter gemacht oder mehr Leistung gebracht haben. In den ersten beiden Lehrjahren habe ich die Messungen angesteckt und den Prüfstand für meinen Chef vorbereitet. Ab dem dritten Lehrjahr durfte ich dann selbst an den Steuergeräten arbeiten und Programmieren lernen.

Warum hast du gekündigt, obwohl dir die Arbeit Spaß gemacht hat?

Nach der Ausbildung habe ich 1.100 Euro netto verdient. Vier Jahre später waren es 1.200 Euro. Das war so knapp, dass ich mir nicht mal den Sprit leisten konnte, um täglich nach Hause zu fahren. Deshalb habe ich manchmal sogar in der Firma geschlafen.

2008 habe ich nach einer Gehaltserhöhung gefragt. Als mein Chef nein gesagt hat, habe ich gekündigt. Hätte er mir 200 oder 300 Euro mehr gegeben, wäre ich wahrscheinlich heute noch dort.

Wie ging es danach weiter?

Im August 2008 habe ich dann PP-Performance gegründet. Parallel dazu bin ich nach Abu Dhabi gereist und habe mit meinem Freund und mittlerweile auch Geschäftspartner Salah Alamoudi Autos getunt. Ich kannte ihn aus meiner Zeit bei Evotech. Damals war Salah noch HR-Manager für einen großen Scheich. Ende 2009 haben wir beschlossen, zusammen eine Werkstatt in Abu Dhabi zu eröffnen. Jeder hat 15.000 Euro investiert.

Jimmy Pelka und sein Geschäftspartner Salah Alamoudi.(Bild:  Philipp Reinhard/PP Performance)
Jimmy Pelka und sein Geschäftspartner Salah Alamoudi.
(Bild: Philipp Reinhard/PP Performance)

Wie habt ihr die Arbeit unter­einander aufgeteilt?

Ich war für die Software und alle technischen Angelegenheiten zuständig. Salah hat das Ganze gemanagt. Er hatte die Kontakte und kannte die Ansprüche und Erwartungen der arabischen Kundschaft, während ich mich erst daran gewöhnen musste: Die Kunden kommen einfach vorbei, auch spätabends, wenn du eigentlich Feierabend machen willst. Kümmerst du dich nicht sofort um ihre Autos, gehen sie und kommen nicht wieder.

Was hast du in Abu Dhabi fürs Geschäft gelernt?

Das Allerwichtigste: After Sales und Kundenzufriedenheit. Hier in Deutschland wollen viele nur ein schnelles Geschäft machen. In meiner Branche kenne ich einige, die bei Schwierigkeiten sagen: „Das liegt am Auto und nicht an meiner Software. Wende dich an den Hersteller.“

Aber das ist nicht korrekt. Der Kunde vertraut dir sein Auto an, weil er mehr Leistung will. Du hast die Software gemacht, dann liegt es auch an dir. Wenn du die Verantwortung dafür nicht übernimmst, fällt dir das irgendwann auf die Füße.

Warum bist du nach Deutschland zurückgekommen?

Meine Frau und ich wollten, dass unsere Kinder hier aufwachsen. Kurz vor der Geburt unseres ersten Sohns Paul haben wir uns deshalb entschieden, wieder nach Deutschland zu ziehen. Ich hatte meine eigene Jugend auf dem Land vor Augen, und das wollten wir auch für unsere Kinder.

Du warst 2019 Botschafter für das deutsche Handwerk und hast dich an der Aktion „Das geilste Praktikum der Welt“ beteiligt. Wie kam es dazu?

Der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich Botschafter werden möchte. Ich war dann bundesweit auf Plakaten der Imagekampagne „Ist das noch Handwerk?“ zu sehen, um zu demonstrieren, wie modern und vielfältig das Handwerk heute ist.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Und bei der Aktion „Das geilste Praktikum der Welt“ verloste der ZDH ein einwöchiges Praktikum in meiner Werkstatt in Abu Dhabi. Der damals 16-jährige Melih Cömlek gewann die Verlosung und durfte mir eine Woche lang bei meiner Arbeit über die Schulter schauen und auch selbst mitarbeiten.

Warum hast du bei dieser Kampagne mitgemacht?

Ich wollte jungen Menschen zeigen, dass es wichtig ist, nicht nur aufs Geld zu schauen. Als Kfz-Mechatroniker verdient man am Anfang nicht so viel. Aber entscheidender als das Gehalt ist es, Spaß an der Arbeit zu haben. Wenn man mit Leidenschaft dabei ist, wird man sich auch weiterentwickeln.

Bildest du heute selbst aus?

Nein. Ich habe zwar einen Meister in der Firma, und meine Frau hat auch die Berechtigung zum Ausbilden. Aber wenn bei uns jemand eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker machen würde, reicht das, was er lernt, wahrscheinlich nicht aus. Wir kaufen Hardware ein – Abgasanlagen, Turbolader – und montieren die. Aber das Hauptgeschäft ist reine Software. Und die mache nur ich.

Jimmy Pelka macht jedes Auto schneller – per Software am Laptop.(Bild:  Philipp Reinhard – PP-Performance)
Jimmy Pelka macht jedes Auto schneller – per Software am Laptop.
(Bild: Philipp Reinhard – PP-Performance)

Beschäftigst du Praktikanten?

Ja, vereinzelt machen wir das; wir haben jetzt erst wieder einen gehabt. Das Problem ist, dass wir insgesamt nur vier Beschäftigte sind: ein Werkstattmeister, meine Frau, ein Mitarbeiter im Bereich Marketing und ich.

Da ist es schwierig, einen Praktikanten richtig an die Hand zu nehmen und ihm alles zu zeigen. Wenn uns ein Kunde sein Auto bringt, muss sich mein Meister darum kümmern und hat keine Zeit mehr zum Erklären. Wenn wir aber mal eine ruhige Woche haben, nehmen wir auch Praktikanten.

Worauf achtest du, wenn du neue Mitarbeitende einstellst?

Für mich ist es wichtig, dass sie selbstständig arbeiten und auch wissen, wie man einen Kunden in Empfang nimmt. Etwa, dass man ihm einen Kaffee anbietet. In einem kleinen Betrieb wie unserem müssen alle überall anpacken: Mein Meister arbeitet nicht nur an Fahrzeugen, er weiß auch, wie man Rechnungen schreibt und wie man telefoniert. Und ich nehme auch den Staubsauger in die Hand, wenn ich sehe, dass der Teppich dreckig ist und alle anderen beschäftigt sind.

Und die Schulnoten?

Auf die lege ich keinen Wert, die sind mir total egal. Ich würde auch eine Person einstellen, die gar keinen Abschluss hat. Wenn sie Bock auf die Arbeit hat und praktische Erfahrung mitbringt, kann sie besser sein als jemand mit Abitur.

Hat dich der Erfolg verändert?

Ich denke nicht. Ich weiß, wo ich herkomme, und das sollte man auch nie vergessen. In Abu Dhabi habe ich viele hochnäsige Leute kennengelernt, die dort gearbeitet haben und die Nase ganz weit oben trugen. Die haben sich aufgepäppelt mit Krawatte und allem, während ich in Flip-Flops, T-Shirts und kurzen Hosen herumlief. Mir war nie wichtig, wie ich wirke, sondern was ich leiste.

Vom Azubi zum Tuning-Star

Jimmy Pelka heißt eigentlich Przemyslaw Pelka. Er wurde 1981 in Polen geboren und kam 1990 nach Deutschland. In der Tuning­firma Evotech machte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und reiste für seinen Arbeitgeber mehrfach nach Abu Dhabi, um dort Supersportwagen reicher Emiratis zu tunen.

Weil sein Gehalt nicht zum Leben reichte, kündigte er und gründete 2008 das Einzelunternehmen PP-Performance. 2009 eröffnete er mit seinem Freund Salah Alamoudi eine weitere Firma in Abu Dhabi. Pelka gilt heute als einer der besten Tuner weltweit.

(ID:50572091)