Ausbildung Erfolgreiche Dreistufen-ÜLU-Strategie in Frankfurt

Autor: Edgar Schmidt

Die Landesfachschule des Kfz-Gewerbes Hessen (LFS) in Frankfurt bietet Azubis ein bisher einmaliges Dreiphasen-Ausbildungsmodell für die „Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung“ (ÜLU) und nutzt dabei E-Lektionen von »autoFACHMANN«. Durch den Erfolg dieses Projekts ziehen inzwischen weitere Bildungszentren nach.

Die Frankfurter Landesfachschule des Kfz-Gewerbes führt die ÜLU-Kurse erfolgreich in einem Dreiphasen-Modell durch.
Die Frankfurter Landesfachschule des Kfz-Gewerbes führt die ÜLU-Kurse erfolgreich in einem Dreiphasen-Modell durch.
(Bild: LFS)

Zusätzlich zur Arbeit im Betrieb und zur Berufsschule ist bekanntlich die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, kurz ÜLU, ein wichtiger Pfeiler in der Berufsausbildung zum/zur „Kfz-Mechatroniker/in“. Während der 3,5-jährigen Ausbildung sind die Azubis zehn Mal jeweils eine Woche zu Kursen der ÜLU in einem handwerklichen Bildungszentrum. In der Landesfachschule des Kfz-Gewerbes Hessen (LFS) beschränkt sich die ÜLU seit drei Jahren jedoch nicht nur auf diese zehn Wochen Praxis-Unterricht. Die Frankfurter haben sie zusätzlich jeweils in drei Teile gegliedert:

  • Phase I (Pre-Phase),
  • Phase II (Präsenz-Phase)
  • Phase III (Follow-up).

Bisher ist das Frankfurter Modell in Deutschland noch einzigartig. Jetzt wollen nach Angaben der Schule jedoch weitere Bildungsstätten dem Beispiel folgen.

So sieht das Modell im Einzelnen aus:

Phase 1: Das Pre-Training

Bereits seit 2018 digitalisiert die Landesfachschule in Frankfurt die ÜLU-Kurse Schritt für Schritt und nutzt dabei auch sehr erfolgreich E-Lektionen von »autoFACHMANN«. Ziel ist, die Teilnehmenden bestmöglich auf die Präsenzkurse der überbetrieblichen Ausbildung vorzubereiten.

Das geschieht, indem die Azubis die ansprechenden und verständlichen E-Learning-Module online bearbeiten – quasi als Vorbereitungsprogramm für die eigentliche ÜLU-Maßnahme bzw. den Präsenz-Unterricht. Alle Teilnehmenden haben danach in etwa den gleichen Einstiegslevel für den Kurs. An genau dieser Stelle holen die Trainer der LFS die Auszubildenden dann ab und gestalten die Lehrgangswoche, aufbauend auf dem im E-Learning Erlernten.

Mittlerweile hat die Schule für jeden der zehn ÜLU-Kurse entsprechende E-Learning-Module (max. 3 Module pro ÜLU-Lehrgang) vorgeschaltet.

Die Teilnehmenden an den Kursen bzw. an den E-Learning-Modulen haben dieses Modell bisher als sehr positiv empfunden. In ihrer Bewertung betonen sie:

  • Die Module vermitteln einen guten Einstieg auf den Lehrgangsinhalt, um den Kurs erfolgreich abzuschließen.
  • Die Module ermöglichen es, seine Zeit frei einzuteilen.
  • Die Module lassen sich beliebig oft neu öffnen und starten.
  • Es macht einfach Spaß!
  • Gute Vorbereitung für die ganze Gruppe.

Bei der bisher freiwilligen Teilnahme lag die Quote der Nutzerinnen und Nutzer bei über 70 Prozent.

Der Erfolg und das positive Feedback der Teilnehmenden haben die Schule nach eigener Aussage darin bestärkt, dieses Konzept weiterhin konsequent zu verfolgen.

Phase 2: Die Präsenzveranstaltung

In der klassischen ÜLU-Präsenzveranstaltung an der Landesfachschule setzen die Trainer neben den traditionellen Lehr- und Präsentationsmethoden ebenfalls wieder die bewährten E-Learning-Module ein, um auch hier interaktive Grafiken und Animationen nutzen zu können.

Phase 3: Das Follow-up

Etwa drei Wochen nach der Präsenzveranstaltung bietet die LFS den Auszubildenden einen „Nachtisch“ an, die sogenannten „Learning Snacks“. Diese führt die Schule seit Februar 2021 stufenweise erfolgreich ein. Bis Ende 2021 soll es für jeden ÜLU-Kurs einen Learning Snack geben. Diese „Snacks“ sind kleine interaktive, textbasierte Dialogsysteme, die die Azubis beispielsweise aus Messenger-Diensten wie Whatsapp kennen. Dabei gestalten die Trainer kurze Lerneinheiten interaktiv und motivierend für Schüler, die dadurch quasi häppchenweise lernen.

So stellen sie beispielsweise jeweils Wissensfragen zu den verschiedenen Unterrichtsinhalten und definieren Antwortmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler. Als besonders positiv haben die Azubis dabei empfunden, dass sie direkt eine Rückmeldung erhalten. Für die richtige Antwort halten die Trainer auch motivierende Sätze wie „Du bist ein echter Automotive Expert“ bereit.

Außerdem dienen kurze Informationsdialoge dazu, das vergangene ÜLU-Thema zu vertiefen oder den Azubis bei der Beantwortung der Fragen zu helfen. Darüber hinaus helfen Youtube-Videos, Animationen oder technische Bilder und Zeichnungen beim Verständnis der Inhalte.

Nach Ansicht der Frankfurter eignet sich das Frage-Antwort-Spiel hervorragend dazu, das Wissen aus den Präsenztrainings zu wiederholen und bei den Azubis zu festigen. Denn jede/r könne dadurch selbst kontrollieren, was vom aktuellen Thema hängen geblieben ist. Die Learning Snacks sind auf mobilen Endgeräten wie zum Beispiel Smartphones oder Tablets durch einen Link abrufbar. Des Weiteren werden QR-Codes auch direkt auf vorhandene Arbeitsblätter gedruckt.

Lernen mit Spaß

Natürlich darf der Spaß nicht fehlen. Die Kombination aus Spiel, Spaß, lokalem „Stallgeruch“ (z. B. eingestreute Fragen zu Eintracht Frankfurt, Grüner Soße, Apfelwein, Handkäs mit Musik etc.) und natürlich der Wissenstransfer haben sich als sehr wirksam herausgestellt. Die Azubis nehmen das Angebot sehr positiv auf.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Learning Snacks werden regelmäßig interviewt. Einige aktuelle Stimmen:

  • „Das ist ja aufgebaut wie Whatsapp. Echt lustig!“
  • „Da hatte mal jemand eine gute Idee und war nicht so komisch altmodisch.“
  • „Sehr gut, dass man nicht weiterkommt, wenn man eine falsche Antwort gibt.“
  • „Man sieht also, was man verkehrt macht.“
  • „Das mit den Videos ist optimal. Macht Spaß und hilft!“
  • „Die Memes sind sehr, sehr gut gemacht – vielen Dank!“

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Über den Autor

 Edgar Schmidt

Edgar Schmidt

stellv. Leiter Ausbildungsmedien