Freisprechungen in den Kfz-Innungen Junge Autofachkräfte unter besonderem Stern

Aktualisiert am 04.04.2024 Von Doris S. Pfaff 5 min Lesedauer

Bundesweit feiern die Kfz-Innungen die Freisprechung von insgesamt rund 18.000 Gesellen. Diese gelten als ein ganz besonderer Jahrgang, nicht nur weil er unter Corona-Bedingungen startete.

33 Junggesellen und eine Junggesellin der Kfz-Innung Odenwaldkreis freuten sich über ihre Gesellenbriefe, die ihnen Obermeister Johannes Spieß überreichte. Die feierliche Lossprechung fand in Bürg statt. Innungsbester war Sven Grljusic, der im Autohaus Schütz in Groß-Umstadt gelernt hat. Besonderer Dank galt auch dem Prüfungsausschussvorsitzenden Horst Püschel und seinem Team, den Berufsschullehrern und den Ausbildungsbetrieben. (Bild:  Kreishandwerkerschaft Odenwaldkreis)
33 Junggesellen und eine Junggesellin der Kfz-Innung Odenwaldkreis freuten sich über ihre Gesellenbriefe, die ihnen Obermeister Johannes Spieß überreichte. Die feierliche Lossprechung fand in Bürg statt. Innungsbester war Sven Grljusic, der im Autohaus Schütz in Groß-Umstadt gelernt hat. Besonderer Dank galt auch dem Prüfungsausschussvorsitzenden Horst Püschel und seinem Team, den Berufsschullehrern und den Ausbildungsbetrieben.
(Bild: Kreishandwerkerschaft Odenwaldkreis)

Seit Jahresanfang wird gefeiert: Knapp 18.000 Auszubildende aus den technischen und kaufmännischen Autoberufen haben mit der Winterprüfung ihre Gesellenprüfung abgelegt und stehen nun als Fachkräfte der Kfz-Branche zur Verfügung.

Insgesamt 235 Kfz-Innungen zählt das Kraftfahrzeuggewerbe bundesweit, die jeweils unterschiedlich die Lossprechung ihrer Auszubildenden begehen. Die nun frisch gebackenen Gesellen sind in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Jahrgang.

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Sie alle starteten ihre Ausbildung unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie. Abstand, digitaler Berufsschulunterricht und Mundschutz prägten ihr erstes Ausbildungsjahr. Eine Herausforderung nicht nur für die jungen Leute, sondern auch für ihre Betriebe. Nicht immer herrschte Klarheit, ob und wie die Ausbildung bei zum Teil geschlossenen Verkaufsräumen weitergehen sollte.

Umso größer ist die Freude über die Absolventen. „Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen haben die jungen Frauen und Männer ihre Ausbildung erfolgreich durchgezogen“, sagt Birgit Behrens, Geschäftsführerin der Abteilung Berufsbildung im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Das hat Mut gemacht und auch die folgenden Ausbildungsjahrgänge motiviert. „In der Summe hat es wegen Corona für unsere Ausbildungsberufe Kfz-Mechatroniker/in und Automobilkaufmann/frau keinen nachhaltigen Einbruch gegeben“, so Behrens.

Rekordabschlüsse bei den Ausbildungsverträgen

Teilweise konnten in diesem Jahr neue Rekorde bei den Abschlüssen erreicht werden, so in Hessen sowie in Baden-Württemberg. Insgesamt zählt das Kfz-Gewerbe bundesweit mehr als 91.900 Auszubildende, knapp zwei Prozent mehr als 2022.

Bei den nun freigesprochenen Gesellen haben rund 80 Prozent den Schwerpunkt Pkw gewählt, 15 Prozent Nutzfahrzeuge und knapp 4 Prozent System- und Hochvolt. Etwa ein Prozent wählte die Schwerpunkte Karosserie und Motorrad.

Eine weitere Besonderheit verbindet die jungen Gesellen: Rund 65 der Prüfungen fanden erstmals in digitaler Form statt. Während noch vor der Pandemie nur vereinzelt und testweise digitale Prüfungen durchgeführt wurden, haben sie sich im Laufe der vergangenen drei Jahre weitgehend in den Kfz-Innungen etabliert.

Besonders sind die Absolventen auch deshalb, weil sie als Fachkräfte so begehrt sind wie kaum ein Jahrgang vor ihnen. Die Bedeutung des eigenen Nachwuchses ist in der Branche angekommen. Sie in den Betrieben zu halten oder zu gewinnen, ist inzwischen oft Chefsache.

Und weil sich die jungen Fachkräfte ihre Arbeitgeber heute aussuchen können, braucht es mehr als nur einen Arbeitsvertrag. Das sieht auch Behrens so und verweist auf Studien des Zentralverbands unter den Betrieben und Auszubildenden. Immer mehr Arbeitgeber bieten gleich unbefristete Arbeitsverträge. Vor Jahren war das für Berufseinsteiger noch sehr ungewöhnlich.

Die Freisprechung ihrer Gesellen von den Pflichten ihrer Ausbildung feiern viele Kfz-Innungen noch sehr traditionell und feierlich. Auch wenn im Lauf der Jahrhunderte viele mit den Freisprechungen verbundenen Bräuche verloren gegangen sind, ist die Freude am erfolgreichen Abschluss der Ausbildung geblieben. Schließlich bedeutet das nach dreieinhalb Jahren Ausbildung auch mehr finanzielle Möglichkeiten und private Freiheiten. Tausende Gesellen erleben seit Jahresbeginn die Gänsehaut-Momente, wenn sie im Beisein der Familie und Freunde feierlich ihre Urkunden überreicht bekommen.

Zu den Lossprechungen gehören auch Reden, in denen der Obermeister nicht nur den Auszubildenden für ihre Leistung dankt, sondern auch den Betrieben, den Familien und den Berufsschulen für ihre Unterstützung.

Auch der Ausblick auf die Branche und die aktuelle Lage in den Betrieben fehlt nicht: Es ist die Zeit des Wandels, der Krisen und Unsicherheit, aber auch der Gewissheit, auf dem Arbeitsmarkt gebraucht zu werden. Die Autowerkstätten sind voller denn je, auch der Fahrzeugbestand wächst weiterhin. Besondere Leistungen und Noten werden bei den Feiern extra gewürdigt. Manche Innungen überreichen neben den Urkunden auch Geschenke, Gutscheine, Geld und gefüllte Werkzeugkoffer.

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Das Kfz-Gewerbe Saarland beispielsweise hatte seinen 155 Absolventen nebst Glückwünschen, Urkunden, einem Schraubenschlüssel und einer Glückwunschtüte auch noch Weiterbildungsangebote wie den Meisterbrief gereicht.

Stimmen bei den Freisprechungen

„Eure Gesellenbriefe sind mehr als eine Urkunde: Sie sind ein Symbol für eure fachliche Qualifikation und für euer Engagement! Mit eurem Wissen, eurem Geschick, eurer Begeisterung und eurem Teamgeist werdet Ihr alle Herausforderungen meistern, die die Kfz-Branche an euch stellen wird – eine Kfz-Branche, die sich bekanntermaßen im Umbruch befindet“, sagte Obermeister Michael Krammer von der Kfz-Innung Niederbayern.

„Der Beginn Ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung war wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht einfach. Aber am heutigen Tag der Freisprechungsfeier wandelten sich Ihre Anstrengungen und Ausdauer in Ihren persönlichen Erfolg um“, gratulierte Obermeister Paulo Rodrigues von der Kfz-Innung Bodensee-Hochrhein-Schwarzwald.

„Mit Lehrbeginn im Corona-Jahr 2020 habt Ihr euch für den schönsten Beruf der Welt entschieden und bewiesen, dass Ihr nicht die ‚letzte‘, sondern die richtige Generation seid“, sagte Michael Neuburger, Vorsitzender des Prüfungsausschusses der Kfz-Innung zu Gifhorn.

„In den Abschlussprüfungen haben alle mit guten Leistungen überzeugt. Dieses unterstreicht deutlich, dass der Weg der dualen Ausbildung richtig ist“, betonte Obermeister Günther Brodersen von der Kfz-Innung Flensburg.

„Wir halten das Land am Laufen, egal welche Krisen uns ereilen. „Es wird weiter Individualverkehr geben. Solange nichts anderes erfunden wird, wird dieser mit Kraftfahrzeugen stattfinden“, sagte Obermeister Ulrich Tietjen von der Kfz-Innung des Kreises Stade. Und: Ganz gleich, welche Antriebsart es geben wird: „Wir werden gebraucht“, so Tietjen.

„Ihr habt Eure Ausbildung nun erfolgreich abgeschlossen. Die Zukunft liegt somit vor euch. Sorgt dafür, dass Ihr euren Motor stets am Laufen haltet, immer in Bewegung bleibt und nicht rostet. Denn nur so sichert Ihr euch die Long-Life-Garantie für euer weiteres Berufsleben“, sagte Obermeister Lothar Freese von der Kfz-Innung Ostfriesland.

„Die heutige Lossprechung ist nicht nur ein Abschluss, sondern auch ein Neuanfang. Ihr habt euch den Titel der Fachkraft im Kfz-Gewerbe redlich verdient. Nun liegt es an euch, das Erlernte in der Praxis umzusetzen und die Herausforderungen der modernen Fahrzeugtechnik erfolgreich zu meistern“, würdigte Obermeister Wilfried Reichle von der Kfz-Innung Bodensee-Oberschwaben.

„Man lernt nicht alles in der Schule, man lernt auch nicht alles in der Lehre. Man lernt vor allem, während man lebt, Fehler macht und daraus Erfahrungen sammelt. Und doch hat Ihnen die Ausbildung im dualen System, in dem partnerschaftlichen Miteinander von Betrieb und Berufsschule, ein Rüstzeug mitgegeben, über das junge Menschen in anderen Staaten nicht verfügen, weil es dieses System nicht gibt“, sagte Ann-Kristin Erdmann, Bereichsleiterin Innungen der Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf.

„Stellen Sie sich diesen Aufgaben der Transformation und verbessern Sie mit Ihrer Arbeit die Umweltbilanz der Fahrzeuge. Durch Ihre Diagnosen und Arbeiten an den Fahrzeugen sorgen Sie dafür, dass die Emissionen in Grenzen bleiben, dass die Haltedauer von Fahrzeugen erhöht und dass somit die Umwelt entlastet wird“, sagte Obermeister Josef Götte von der Kfz-Innung Hochsauerlandkreis.

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