Mercedes G-Klasse restaurieren G wie Gesellenstück

Von Von Edgar Schmidt

Einen Oldtimer zu restaurieren, ist ein großes Projekt, bei dem viel Fachwissen notwendig ist. Als Azubi kann man viel in einem solchen Projekt lernen. Grund genug für Maximilian Reischl, sich eine alte G-Klasse vorzunehmen.

Kfz-Azubi Maximilian Reischl will seine 42 Jahre alte G-Klasse wieder auf Vordermann bringen.
Kfz-Azubi Maximilian Reischl will seine 42 Jahre alte G-Klasse wieder auf Vordermann bringen.
(Bild: Schmidt/autoFACHMANN)

Die G-Klasse von Mercedes ist inzwischen seit über 40 Jahren auf dem Markt und zu einem absoluten Klassiker geworden. Kein Wunder, dass sich eine große Fangemeinde um dieses Modell gebildet hat. Einer dieser Fans ist Maximilian Reischl, Auszubildender zum Kfz-Mechatroniker mit dem Schwerpunkt Nutzfahrzeugtechnik und derzeit im zweiten Ausbildungsjahr. Zugleich ist der angehende Nutzfahrzeug-Fachmann in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv.

Durch dieses Engagement wurde er auf eine Mercedes G-Klasse aufmerksam, die die Freiwillige Feuerwehr in Bad Peterstal im Schwarzwald verkaufen wollte. Ein Modell aus dem ersten Produktionsjahr 1980, mit einem für Feuerwehr G-Klassen ungewöhnlichen Sechszylindermotor. Schnell war bei Reischl der Gedanke gereift, dass es ein lehrreiches Projekt für seine Ausbildung ist, diese G-Klasse zu restaurieren. Sein Pech war, dass die Feuerwehr das Fahrzeug aus Gewährleistungsgründen nur an einen gewerblichen Käufer abgeben wollte. Doch nach ein paar Wochen entdeckte er den Wagen dann auf Mobile.de. Dort wurde er schnell mit dem Verkäufer han­delseinig, sodass der Wagen nun in seiner Garage auf die Erneuerung wartet.

Es ist ein sehr großes Projekt, das sich Maximilian Reischl hier vorgenommen hat. „Mein Plan ist es, den Wagen bis zum Ende meiner Ausbildung Stück für Stück fertig zu restaurieren – quasi als Gesellenstück“, erläutert er seinen Zeitplan. Danach möchte er mit dem Wagen auf Messen Werbung für den Beruf des Kfz-Mechatronikers machen und an Berufsschulen andere Kfz-Azubis für die Oldtimer-Technik begeistern. „Denn wenn sich niemand mehr findet, der sich für diese Technik begeistern kann und sich entsprechend einarbeitet, dann geht dieses Wissen nach und nach verloren“, ist sich Reischl sicher.

Deutliche Gebrauchsspuren

Doch, bevor es so weit ist, wartet eine Menge Arbeit auf ihn. Zuerst will er sich das Getriebe, die Achsen und die Differenzialsperre vornehmen. Letztere ist derzeit ohne Funktion, und vom Getriebe weiß er bereits, dass er den Synchronring vom zweiten Gang austauschen muss. Ansonsten machten die Aggregate und die Achsen nach seiner ersten Analyse trotz ihres hohen Alters noch einen guten Eindruck. Er hofft, dass sich dieser Eindruck im Laufe der Arbeiten bestätigt.

Nicht ganz so gut geht es der Karosserie. Dem Heck des Wagens und den Aufnahmepunkten für die Stoßdämpfer sieht man deutlich an, dass der Zahn der Zeit heftig an ihnen genagt hat. Das seien die bekannten neuralgischen Punkte bei alten G-Klassen, hat Reischl recherchiert.

An der Karosserie sieht man zudem, dass Feuerwehren bei der Instandhaltung ihrer Fahrzeuge nicht unbedingt viel Wert auf originalgetreue Reparaturen legen. An einigen Stellen waren es eher pragmatische Reparaturen, die die Funktionsfähigkeit sichern sollten. Der Zustand der Karosserie zeigt aber auch, dass es nicht nur leere Versprechungen in Werbung und Pressemitteilungen waren, wenn Mercedes ihr eine extreme Langlebigkeit nachgesagt hat. Die Konstruktion überstand selbst härteste Feuerwehreinsätze ohne größere Schäden.

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