Die duale Ausbildung ist bei Jugendlichen der beliebteste Bildungsweg. Trotzdem bleiben fast 70.000 Stellen unbesetzt, während fast so viele junge Menschen einen Ausbildungsplatz suchen.
Leere Werkstatt: Viele Kfz-Betriebe können ihre Ausbildungsplätze nicht mehr besetzen.
Der deutsche Ausbildungsmarkt steckt in einem Paradox: 69.400 Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, 70.400 Jugendliche gehen leer aus. Rein rechnerisch gibt es genug freie Stellen und trotzdem finden Jugendliche und Betriebe nicht zueinander. Wie kann das sein? Die Studie der Bertelsmann-Stiftung „Ausbildungsperspektiven 2025“ identifiziert verschiedene Ursachen:
1. Die Ausbildungsplätze gibt es nicht dort, wo Jugendliche sie suchen.
2. Die angebotenen Stellen entsprechen nicht den beruflichen Interessen der jungen Menschen.
3. Betriebe bemängeln häufig, dass die Bewerbenden unzureichend qualifiziert seien.
Viele suchen gar nicht erst
Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Viele Jugendliche suchen gar nicht erst nach einem Ausbildungsplatz. Jeder fünfte Schüler in Deutschland möchte nach der Schule erst einmal arbeiten, statt eine Berufsausbildung zu machen. Bei Schülern mit niedrigem Schulabschluss ist es sogar jeder Vierte. Insgesamt sehen 26 Prozent aller befragten jungen Menschen den Wunsch, direkt zu arbeiten, als wichtigen Grund gegen eine Ausbildung.
Der Trend zum Arbeiten ohne Berufsausbildung verschärft den Fachkräftemangel weiter.
(Bild: Bertelsmann Stiftung)
Die Gründe sind vielfältig: Helferjobs bieten kurzfristig besseres Geld als die Ausbildungsvergütung. 21 Prozent der Befragten fühlen sich sogar von anderen zum Arbeiten ohne Ausbildung gedrängt. Das Problem: Langfristig bedeutet das 580.000 Euro weniger Lebenseinkommen. Fast jeder fünfte junge Mensch zwischen 20 und 34 Jahren hat keinen Berufsabschluss – das sind 2,86 Millionen Menschen.
„Sich beruflich zu qualifizieren, muss für junge Menschen attraktiver sein, als ungelernt zu arbeiten“, sagt Helen Renk, Expertin der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung. „Ohne reguläre Ausbildung steigt das Risiko, arbeitslos zu werden oder im Niedriglohnsektor zu verharren. Das ist zum einen sehr schwierig für die Betroffenen, zum anderen geht dadurch viel Potenzial für den Arbeitsmarkt verloren. Das können wir uns aufgrund des Fachkräftemangels und demografischen Wandels nicht erlauben.“
Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft fehlen schon jetzt 570.000 qualifizierte Fachkräfte bundesweit. Unternehmen müssen deshalb Aufträge ablehnen oder verschieben. Das kostet Deutschland aktuell etwa 49 Milliarden Euro pro Jahr. Bis 2027 könnte der Schaden sogar auf 74 Milliarden Euro steigen.
Die wichtigsten Zielgruppen geben auf
Während die einen direkt arbeiten wollen, geben andere auf, bevor sie es überhaupt versuchen. Die Zuversicht, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, hängt stark vom Schulabschluss ab. Bei Hauptschülern glauben nur 53 Prozent daran, zeitnah einen Platz zu finden. Bei Realschülern sind es 65 Prozent, bei Gymnasiasten 66 Prozent.
Je niedriger der Schulabschluss, desto größer die Zweifel.
(Bild: Bertelsmann Stiftung)
„Ausgerechnet diejenigen jungen Menschen, für die eine Ausbildung die naheliegendste Wahl nach der Schule ist, zweifeln am häufigsten an ihren Chancen“, warnt Clemens Wieland, Experte der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung. Mehr als ein Drittel der Hauptschüler (35 Prozent) glaubt nicht daran oder ist sich nicht sicher, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Noch schwieriger ist es für die 52.300 jungen Menschen, die 2022 laut Nationalem Bildungsbericht die Schule ohne Abschluss verlassen haben. Betriebe stellen sie selten ein – doch bei 69.400 unbesetzten Plätzen sind sie eine weitere Zielgruppe für den Ausbildungsmarkt dar.
Was Jugendlichen schwerfällt
Auch bei der Ausbildungssuche selbst zeigen sich Probleme: Die Befragten kämpfen mit völlig unterschiedlichen Problemen. Diejenigen mit hoher Schulbildung tun sich schwer mit der Orientierung. Es gibt so viele Berufsmöglichkeiten, dass sie den Überblick verlieren. Zudem kritisieren sie, dass die verfügbaren Ausbildungsplätze wenig attraktiv seien. Auch die Ausbildungsvergütung und das Angebot entspreche zu wenig ihren Interessen.
Mangelnde Orientierung ist die häufigste Schwierigkeit.
(Bild: Bertelsmann Stiftung)
Diejenigen mit niedriger Schulbildung haben Schwierigkeiten mit dem Bewerbungsprozess an sich: Ihnen fällt es schwer, die geforderten Qualifikationen vorzuweisen oder eine Bewerbung zu schreiben. Außerdem haben sie Probleme beim Vorstellungsgespräch. Etwa ein Viertel sagt selbstkritisch, zu wenig gemacht zu haben.
„Um junge Menschen beim nachschulischen Übergang optimal zu unterstützen, müssen die entsprechenden Angebote auf die individuellen Schwierigkeiten und Probleme der jungen Menschen zugeschnitten sein“, sagt Helen Renk.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Das können Betriebe und Schulen tun
70 Prozent der Jugendlichen sehen Praktika als wichtigste Form der beruflichen Orientierung. 49 Prozent Betriebsbesichtigungen und Tage der offenen Tür. Beide Formate haben eines gemeinsam: Junge Menschen können verschiedene Arbeitsabläufe kennenlernen und einen ersten Eindruck vom Unternehmen gewinnen, ohne sich gleich festlegen zu müssen.
37 Prozent derjenigen, die bereits Bewerbungserfahrung haben, wünschen sich mehr Unterstützung. Am wichtigsten: mehr Berufsorientierung innerhalb der Schule (49 %) durch Lehrer oder Schulsozialarbeiter. Auf Platz zwei stehen persönliche Ansprechpartner außerhalb der Schule (45 %). Das können Übergangsbegleiter oder Berater der Arbeitsagentur sein. Besonders Gymnasiasten haben einen hohen Bedarf; 46 Prozent von ihnen wünschen sich mehr Beratung.
Bisher unterstützen vorwiegend die Eltern: In 77 Prozent der Fälle helfen sie bei der Ausbildungssuche. Für Hauptschüler spielen Lehrkräfte eine besonders wichtige Rolle. Mehr als die Hälfte fühlt sich gut von ihnen unterstützt. Bei den Gymnasiasten ist es weniger als ein Drittel.
Die komplette Studie „Ausbildungsperspektiven 2025“ finden Sie zum kostenlosen Download auf der Homepage der Bertelsmann-Stiftung.