Der Konzentrationsprozess im deutschen Automobilhandel setzt sich unverändert fort. Das belegt der Händergruppen-Monitor des Instituts für Automobilwirtschaft. Und er nennt auch Gründe für die Entwicklung.
Große Autohäuser und Handelsgruppen erzielen immer größere Marktanteile.
(Bild: Best-Auto-Familie)
Im Jahr 2022 sollte die deutsche Automobilwirtschaft wieder Schwung aufnehmen. Nach Pandemie und Lieferschwierigkeiten müsse es doch nun wieder aufwärtsgehen, lautete die einhellige Hoffnung.
So ganz erfüllt wurde sie nicht. Um gerade einmal ein Prozent ging der Neuwagenabsatz 2022 nach oben (Zahlen für 2023 lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor). Zweifellos hatten externe Faktoren einen großen Einfluss auf diese Entwicklung. Die alten Krisen waren doch noch nicht ganz überstanden, darüber hinaus kamen neue wie der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hinzu.
Schwerlich mit äußeren Einflüssen lässt sich allerdings erklären, warum sich das Geschäft verschiedener Autohäuser so unterschiedlich entwickelt hat. Der Händlergruppen-Monitor 2023 zeigt, dass die 100 größten Händler in Deutschland im Geschäftsjahr 2022 ihren Neuwagenabsatz um stolze 6,3 Prozent ausweiten konnten. Konkret besagt die jährlich vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) in Nürtingen und der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) erstellte Analyse, dass die Top-100-Händler 771.506 Fahrzeuge im Jahr absetzen konnten. Damit erzielen sie am deutschen Neuwagenmarkt inzwischen einen Anteil von 29 Prozent.
Im Gebrauchtwagenhandel ist die Marktmacht der großen Gruppen noch nicht ganz so ausgeprägt. Gut 12 Prozent aller Gebrauchtfahrzeuge in Deutschland werden von den Top-100-Händlern vertrieben – ebenfalls ein höherer Anteil als in den Vorjahren. Vollständig vom Gesamtmarkt abkoppeln konnten sich die großen Player jedoch nicht. Ihre Absatzzahlen gingen zurück, und zwar um 8,7 Prozent.
An schlechter Arbeit lag das sicherlich nicht, wie DAT-Sprecher Martin Endlein betonte: „Der Markt hatte diese Autos einfach nicht“, begründet er die sinkenden Zahlen. Und insgesamt schrumpfte der Gebrauchtwagenmarkt um 15 Prozent. Da schnitten die Handelsgruppen noch vergleichsweise gut ab.
Ergänzendes zum Thema
Der Trend zu immer größeren Autohausgruppen hält in Deutschland zwar weiter an, trotzdem ist der Handel hierzulande noch relativ kleinteilig aufgestellt. Im europäischen Ranking belegen die größten deutschen Handelsgruppen nur Mittelfeldplätze. Laut einer Studie des Forschungsinstituts ICDP kommen AVAG, Feser-Graf und Gottfried Schultz in Europa nur auf die Ränge 20, 22 und 23.
Die größte europäische Autohausgruppe ist mit deutlichem Vorsprung die Schweizer Emil-Frey-Gruppe mit einem Jahresumsatz von 14,8 Milliarden Euro. Auf Platz zwei liegt der europäische Arm des US-Autohändlers Penske (9,3 Mrd. Euro) vor dem größten britischen Autohändler Arnold Clark (5,8 Mrd. Euro). Die 50 größten europäischen Gruppen setzen alle über eine Milliarde Euro um. Gemeinsam vereinen sie 15 Prozent des europäischen Automobilhandels auf sich.
Mehr Umsatz und Rendite
Sehr deutlich wird die Verschiebung des Pkw-Marktes hin zu den großen Gruppen beim Blick auf die Umsatzentwicklung. Laut dem Händlergruppen-Monitor legte der Umsatz der Top-100-Unternehmen von 2021 auf 2022 um 14,7 Prozent zu. Der prozentuale Anstieg fällt damit fast fünfmal so groß aus wie in der Gesamtbranche. Dort betrug er laut Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe 3 Prozent.
Nicht immer sind die Umsatzsprünge in der Vergangenheit so groß ausgefallen. Doch langfristig betrachtet wird der Branchenwandel augenfällig: Verglichen mit dem Jahr 2010 können die Top-100-Händler ihren Gesamtumsatz um über 116 Prozent steigern. In Summe erzielen die Top-100-Händlergruppen im Jahr 2022 über alle in die Studie einbezogenen Geschäftsbereiche einen Gesamtumsatz von rund 50,6 Milliarden Euro (2010: 23,4 Mrd. Euro). Und noch ein Detail zeigt den Trend zur Größe, auf den IfA-Direktor Prof. Stefan Reindl hinweist: „2010 gab es drei Umsatz-Milliardäre, jetzt sind es zehn.“
Nun kann ein großes Unternehmen Umsatzzuwächse relativ einfach einkaufen, indem es kleinere Betriebe übernimmt. Das geschieht auch in schöner Regelmäßigkeit, sagt zunächst aber nichts über den Erfolg einer Strategie oder eines Unternehmens aus. Schließlich nützt ein hoher Umsatz am Ende nichts, wenn das Endergebnis nicht stimmt. Auf die Rendite kommt es an.
Hier äußert sich die IfA-Studie nicht zu den Werten einzelner Unternehmen, wohl aber zur durchschnittlichen Umsatzrendite der Top 100 – soweit sie von den Unternehmen gemeldet wurde. 59 der 100 gelisteten Autohausgruppen haben sich dazu geäußert. Diese Betriebe erwirtschafteten eine Umsatzrendite von 3,1 Prozent für das Jahr 2022. Der Branchendurchschnitt für 2022 lag demgegenüber nur bei 1,9 Prozent. 2021 war die Schere zwischen Groß und Klein noch nicht so weit auseinandergegangen: Die Durchschnittsrendite der Top 100 lag damals bei 2,3 Prozent, in der gesamten Branche bei 1,6 Prozent.
In Sachen Rendite tritt Reindl trotz der erfreulichen Entwicklung auf die Euphoriebremse. „Die großen Autohausgruppen meistern zwar die Krisensituation aktuell sehr gut, aber die vielfältigen Herausforderungen hinsichtlich der Transformation sowie bezüglich der Etablierung neuer Vertriebsmodelle und Markenportfolios in einer gesamtwirtschaftlich schwierigen Situation stimmen nachdenklich.“ Will sagen: Auch große Handelsgruppen sollten für die nächsten Jahre besser wieder nachlassende Renditen einkalkulieren.
Dennoch signalisieren das Überspringen der 3-Prozent-Marke sowie die immer größere Differenz zum Branchendurchschnitt eine grundsätzliche Kehrtwende: Die großen Gruppen können inzwischen ihre Vorteile ausspielen. Viele Jahre war das nicht oder kaum der Fall gewesen, hatte sich die Größe eben gerade nicht in einer besseren Rendite niedergeschlagen. Wie aus den Zahlen des IfA hervorgeht, ist die Umsatzrendite der Top 100 erst seit dem Jahr 2020 konstant besser als der Branchenschnitt. Zuvor hatten die Großen in den Jahren seit 2014 entweder schlechter oder bestenfalls gleich gut/schlecht abgeschnitten.
Stand: 08.12.2025
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Beim tieferen Blick in die Kennzahlen zeigt sich zudem, dass die Top-100-Betriebe im Schnitt in allen wesentlichen Bereichen Renditen erzielen, die die Ergebnisse der Gesamtbranche toppen. Das ist also im Neu- und Gebrauchtwagenverkauf ebenso zu sehen wie im Werkstattgeschäft und in den Ersatzteil- und Zubehörbereichen. Auffällig ist allerdings eine Verschiebung in der Herkunft der Renditen. Trugen bisher Service und Teile rund 60 Prozent zum Ergebnis bei, lag ihr Anteil 2022 nur bei rund 40 Prozent. „Das liegt aber nicht an einer schlechten Auslastung der Werkstätten, sondern schlicht am fehlenden Personal“, so Reindl.
Mehr Beschäftigte
Stichwort Personal: Den Wachstumskurs unterstreichen die großen Autohändler mit einem Beschäftigungswachstum – oder zumindest dem Wunsch danach. Quasi jede Autohausgruppe berichtet, dass sie qualifizierte Mitarbeiter sucht. Inzwischen arbeiten über 93.000 Menschen für diese Gruppen. Das sind rund 21 Prozent aller im Kfz-Gewerbe (Handel und Werkstätten) beschäftigten Personen. Insgesamt stieg der Personalbestand der großen Gruppen um 6,4 Prozent oder 5.300 Mitarbeiter.
Die Personalentwicklung unterscheidet sich jedoch stark: So hatten beispielsweise Auto Bierschneider (Mühlhausen/+31,3 %) und Alphartis (Horb am Neckar/+30,6 %) im Jahr 2022 deutlich mehr Mitarbeiter als ein Jahr zuvor. Dagegen kamen Hotz & Heitmann (Wolfsburg/ -5,4 %) oder Graf Hardenberg (Ettlingen/-0,9 %) vorübergehend mit weniger Personal aus. Die langfristige Entwicklung zeigt in vielen Unternehmen aber weiterhin klar nach oben.
Die Größten der Großen
Die größte Gruppe im IfA-Ranking ist und bleibt die AVAG Holding SE mit 52.078 Neuwagen sowie 53.453 Gebrauchtwagen. Allerdings hat die Emil-Frey-Gruppe aller Wahrscheinlichkeit nach einen noch größeren Marktanteil als die AVAG – doch das Schweizer Unternehmen kommuniziert keine Zahlen auf nationaler Ebene. Insofern ist bei allen Aussagen immer zu bedenken, dass weitere rund 120.000 Neu- und Gebrauchtwagen über die mutmaßlich größte Gruppe im Markt vertrieben wurden.
Im offiziellen Ranking der IfA-Liste folgt auf die AVAG inzwischen die Feser-Graf-Gruppe, die – getrieben durch Übernahmen und die Ausweitung des Markenportfolios um Hyundai und Kia – auf 40.147 Neuwagen kommt. Feser-Graf hat sich damit vor den Vorjahreszweiten, die Gottfried-Schultz-Gruppe aus Düsseldorf, geschoben (32.325 Neuwagen). Im Neuwagenranking wurde der Volkswagen-Konzern-Partner außerdem noch von Autohaus Gotthard König aus Berlin überholt (34.000 Neuwagen). Die Vielmarkengruppe, die auch im Zweiradgeschäft aktiv ist, konnte in den vergangenen Jahren durch verschiedene Übernahmen die Geschäftstätigkeit ebenfalls deutlich ausweiten. Platz fünf geht an die Alphartis SE aus Horb am Neckar (20.050 Neuwagen).
Interessant ist ein Blick auf den achten Rang im Gesamtabsatz-Ranking. Dort hat sich die Avemo S.r.l. & Co. KG mit Sitz in Königstein im Taunus als Neugründung direkt unter den Top-10-Betrieben platziert. Allerdings ist diese Entwicklung auch beabsichtigt gewesen, ist Avemo doch ein Zusammenschluss der Autohäuser Göthling & Kaufmann, Best Auto-Familie, Autohaus Marnet sowie Gelder & Sorg, die alle im fränkisch-hessischen Raum aktiv sind und zuvor schon für sich genommen bedeutende Autohändler in ihrer Region waren.