Studie Recruiting-Trends Mehr Auswahl auf dem Bewerbermarkt

Von Johannes Büttner 3 min Lesedauer

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Der Ausbildungsmarkt entwickelt sich laut der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2025“ zugunsten der Betriebe. Die damit verbundenen Chancen sollten Ausbilder nutzen – denn vom Tisch ist das Thema Fachkräftemangel beileibe nicht.

Einige Ausbildungsbetriebe geben im Bewerbungsprozess kein gutes Bild ab.(Bild:  u-form Testsysteme)
Einige Ausbildungsbetriebe geben im Bewerbungsprozess kein gutes Bild ab.
(Bild: u-form Testsysteme)

Der Ausbildungsmarkt war in den vergangenen Jahren ein Kandidatenmarkt: Qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber konnten meist unter gleich mehreren Angeboten auswählen. Das hat sich gewandelt: Nur noch 41,7 Prozent der Bewerbenden erhalten mehrere Ausbildungsangebote – so wenig wie zuletzt im Jahr 2014. Das ist das Ergebnis der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2025“ von u-form Testsysteme.

An der Online-Umfrage zur Studie haben in diesem Jahr 5.482 Schüler, Azubis und dual Studierende sowie 1.621 Ausbildungsverantwortliche teilgenommen. Seit 2014 hat u-form Testsysteme Bewerbende immer wieder danach gefragt, wie viele Ausbildungsangebote sie erhalten haben. Bei der ersten Messung lag der Anteil der Bewerbenden mit mindestens zwei Angeboten bei 41,7 Prozent, also auf dem gleichen Wert wie in diesem Jahr. In der Zwischenzeit konnte immer mehr als die Hälfte der Ausbildungsinteressenten unter mindestens zwei Angeboten wählen; der Höchststand wurde 2019 mit 73,1 Prozent erreicht.

Die neue Situation spielt prinzipiell den Ausbildungsbetrieben in die Karten. Doch um sie voll ausnutzen zu können, dürfen sich die Unternehmen nicht selbst im Weg stehen. Trotz langer Jahre eines engen Kandidatenmarkts haben einige Betriebe nämlich ihr Azubi-Recruiting noch immer nicht durchgehend kandidatenfreundlich gestaltet. In der aktuellen Studie schlägt sich das unter anderem darin nieder, dass 36 Prozent der Bewerbenden nach eigenen Angaben negative Erfahrungen gemacht haben. Sogar 60 Prozent haben schon mal keine Antwort auf ihre Bewerbung erhalten.

Unnötige Hürden

Noch immer legen Betriebe ihren potenziellen Azubis im Bewerbungsverfahren Steine in den Weg: Nur gut die Hälfte der Ausbildungsverantwortlichen bezeichnet beispielsweise den eigenen Prozess als registrierungsfrei. Auf das von vielen Schülerinnen und Schülern als abschreckend empfundene obligatorische Anschreiben verzichtet nur ein Drittel. Bei mehr als einem Drittel der teilnehmenden Betriebe funktioniert der Bewerbungsprozess nicht mit dem Smartphone.

Großen Wert legen die Ausbildungsverantwortlichen bei der Bewerberauswahl darauf, dass sich ein Kandidat mit dem gewünschten Ausbildungsberuf und dem Betrieb auseinandergesetzt hat. Fehlendes Wissen zu diesen Punkten ist der häufigste Ablehnungsgrund. Das ist einerseits verständlich, doch andererseits passt es dann nicht ins Bild, dass nur die Hälfte der Betriebe über schriftlich definierte Anforderungsprofile an ihre Nachwuchskräfte verfügt. Und wenn es sie gibt, stehen darin oft Soft Skills wie etwa Teamfähigkeit. Die sind tatsächlich wichtig, lassen sich aber kaum in einem Vorauswahlverfahren aufgrund einer schriftlichen Bewerbung überprüfen.

„Erstmals seit vielen Jahren scheint der Trend zum Kandidatenmarkt im Azubi-Recruiting gebrochen. Diese aktuelle Situation ist grundsätzlich für Ausbildungsbetriebe ideal, um geeignete Azubis für sich zu gewinnen. Dazu müssen sie allerdings ihre Auswahlverfahren modernisieren“, sagt Felicia Ullrich von u-form Testsysteme. Die Initiatorin der Studie und zertifizierte Eignungsdiagnostikerin ergänzt: „Wer heute auf das eigene Bauchgefühl setzt, riskiert morgen den Fachkräftemangel im eigenen Haus.”

Positiv gestaltet sich in den meisten Fällen die Zusammenarbeit, wenn Bewerber und Betrieb erst einmal zusammengefunden haben. 90 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen attestieren ihren Bewerberinnen und Bewerbern, zuverlässig, lernbereit und teamfähig zu sein. Umgekehrt fühlen sich ebenso viele Azubis in ihrem Betrieb von Anfang an gut aufgenommen.

Besseres Image des Kfz-Mechatronikers

Im Hinblick auf das Image einzelner Ausbildungsberufe gibt es einige Gewinner und Verlierer. Das zeigt ein Vergleich zur Studie aus dem Jahr 2018. So genießt der Beruf des Kfz-Mechatronikers bei fast der Hälfte der Jugendlichen ein hohes oder sehr hohes Ansehen, vor sieben Jahren hatten nur 35 Prozent ein positives Bild. Besonders stark zulegen konnte die Alten- und Krankenpflege, während es für die Ausbildungsgänge für Kaufleute für Büromanagement sowie für Mediengestalter Imageverluste setzte. Ganz oben im Ranking stehen unverändert und unangefochten die Fachinformatiker.

Eine große Hürde stellt für viele Jugendliche die Berufsorientierung dar. Die Hälfte der Befragten erhofft und erwartet in diesem Punkt für die Zukunft Verbesserungen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Bei der Entscheidung für eine Stelle vertrauen aber 80 Prozent der Befragten eher dem Rat ihrer Eltern und nur 20 Prozent möglichen Empfehlungen einer KI.

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Die befragten Ausbildungsverantwortlichen sehen beim Thema Berufsorientierung weniger sich selbst als viel mehr Schulen, Eltern und die Jugendlichen in der Pflicht. Allerdings sollten sie beachten: 70 Prozent der Bewerber bezeichnen einen Schnuppertag im Betrieb als besonders hilfreich bei der Entscheidungsfindung für einen Ausbildungsberuf. Videos oder andere Onlineangebote können da nicht mithalten.

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