Hyperpersonalisierung Ganz persönliche Autos

Von Johannes Büttner 4 min Lesedauer

Mercedes-Benz blickt in die weitere Zukunft: Im Jahr 2040 werde die Mobilität „hyperpersonalisiert“ sein – und die Marke mit dem Stern soll dabei weiter eine wichtige Rolle spielen.

Mixed Reality spielt nach Ansicht von Mercedes in den Autos der Zukunft eine entscheidende Rolle.(Bild:  Mercedes-Benz)
Mixed Reality spielt nach Ansicht von Mercedes in den Autos der Zukunft eine entscheidende Rolle.
(Bild: Mercedes-Benz)

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf die Veränderungen einer Welt im Wandel zu reagieren. Man kann sie ablehnen, bekämpfen, ignorieren – oder versuchen, sie aktiv mitzugestalten. Weil die letztgenannte Variante die größten Aussichten verspricht, am Ende zu den Gewinnern zu zählen, haben sich die meisten großen Unternehmen dieses Verfahren zumindest offiziell auf die Fahnen geschrieben.

Zum Beispiel Mercedes-Benz: „Als Erfinder des Automobils und technologischer Vorreiter hat das Unternehmen mit unzähligen Innovationen kontinuierlich den Weg für die Weiterentwicklung der individuellen Mobilität geebnet“, teilt der Autobauer in einer Presseaussendung mit. Auch jetzt forsche man „kontinuierlich an neuartigen Technologien, um die Mobilität von morgen zu gestalten.“

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Dabei geht es auch, aber bei weitem nicht nur, um alternative Antriebstechniken. Schließlich sind Autos wie alle Produkte Teil einer Gesellschaft, in der sie sich bewähren müssen. Um gesellschaftliche Entwicklungen und die Bedürfnisse der Menschen frühzeitig zu erkennen, hat Mercedes ein globales Wissensnetzwerk mit Experten aus unterschiedlichen Bereichen etabliert – von Soziologen und Philosophen über Naturwissenschaftler, Künstler, Futuristen und Architekten bis hin zu Start-ups und Hightech-Unternehmen.

Weil weltweit immer mehr Menschen in Städten leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen, hat das Unternehmen Zukunftsbilder von Metropolen wie London, Los Angeles und Shenzhen für die Zeit nach 2040 entwickeln lassen. Sie zeigen exemplarisch, wie sich urbane Metropolen in Europa, den USA und China durch die Digitalisierung und den Klimawandel verändern könnten. Und das wiederum soll die Basis dafür sein, um die Mercedes-Fahrzeuge optimal in die Stadt integrieren zu können.

Perfekt integriert

Perfekt integrieren sollen sich die Autos der Zukunft aber auch in das individuelle Leben jedes einzelnen Besitzers oder Nutzers. Der Stuttgarter Hersteller möchte seinen Kundinnen und Kunden ein ganzheitliches und nahtloses digitales Erlebnis im Kontakt mit der Marke bieten, um ihr Leben einfacher und komfortabler zu machen – auch über das Fahrzeug hinaus. Das künftige Mercedes-Benz-Modell lernt seine Fahrerin und seinen Fahrer mit allen Gewohnheiten noch besser kennen. Es soll Gemütszustände sowie Bedürfnisse erkennen und als unterstützender Begleiter durch den Tag fungieren.

Und so könnte ein solches „hyperpersonalisiertes“ Kundenerlebnis der Zukunft aussehen: Eine Kundin trinkt morgens nach dem Aufstehen einen Kaffee und bereitet sich mit einem Mixed-Reality-Headset auf ihren Arbeitstag vor. Dazu gehört unter anderem ein Blick auf die Termine im Kalender. Zum richtigen Zeitpunkt fährt das Auto autonom aus der Garage. Der Innenraum ist bereits exakt ihren aktuellen Bedürfnissen wie Temperatur, Radiosender oder Lautstärke entsprechend konfiguriert.

Sie steigt ein und fährt los. Der virtuelle Assistent schlägt ihr gleich das passende Navigationsziel vor. Die Route führt direkt ins Büro und nicht zum an anderen Tagen beliebten Drive-Through-Coffeeshop, da sie bereits zu Hause einen Kaffee getrunken hat. Durch eine Augmented Reality (AR)-Brille sieht die Fahrerin die Navigation als virtuelle Anzeige in der Außenwelt – genau an den Stellen, wo sich wichtige Weg- und Abbiegepunkte befinden.

Möchte sie sich lieber anderen Aktivitäten widmen, schaltet sie einfach in den autonomen Fahrmodus. Das Fahrzeug macht dann Vorschläge für erweiterte Aufgaben und Erlebnisse entsprechend der bekannten, individuellen Präferenzen. Dazu gehören zum Beispiel das Einnehmen einer entspannten Sitzhaltung oder die Fortführung von Aufgaben, die zu Hause begonnen und noch nicht fertiggestellt wurden. Die Interaktion der Kundin mit dem Fahrzeug kann auf Wunsch jederzeit per Sprache oder mittels Bedienkomponenten erfolgen. Letztere sind auch für entspannte Sitzhaltungen während der autonomen Fahrt leicht zu erreichen.

Augmented Reality

Ein wichtiges Element für diese Autofahrt der Zukunft sind AR-Brillen. Mercedes verfolgt hier den Ansatz „Bring Your Own Device“: Kundinnen und Kunden sollen künftig ihre eigene AR-Brille, die individuell auf ihre Sehstärke und ihr persönliches Umfeld angepasst ist, mit ins Fahrzeug nehmen können. Dort ließe sich das persönliche Ökosystem des Kunden parallel zu den Mercedes-spezifischen Inhalten integrieren.

In weiteren Entwicklungsschritten ließe sich der Fahrer über eine AR-Brille noch besser unterstützen. So ließe sich etwa die Navigation durch präzise und intuitive Wegführung erheblich erleichtern. Fortgeschrittene Fahrassistenzsysteme könnten zusätzlich unterstützen und für ein noch höheres Maß an Sicherheit sorgen. Im Fokus steht dabei, die Ablenkung der Fahrenden so gering wie möglich zu halten und echte Unterstützung zu bieten.

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Generell misst Mercedes-Benz der erweiterten Realität (AR), der virtuellen Realität (VR) und allen Zwischenstufen der Mixed Reality (MR) für künftige Entwicklungen große Bedeutung zu. Diese revolutionäre Technologie biete vielseitige Einsatzmöglichkeiten – von der Forschung über die Entwicklung bis hin zum Kundenerlebnis – sind die Zukunftsforscher des Konzerns überzeugt.

Grenzenloses Teamwork

Ein Beispiel dafür ist der selbst entwickelte MR-Konfigurator. Künftig könnten in den Design- und Entwicklungsprozessen spezielle Brillen zum Einsatz kommen. Diese bieten neue Möglichkeiten für effiziente Arten der Zusammenarbeit: Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit MR-Brillen über Ländergrenzen und Zeitzonen hinweg simultan an den gleichen virtuellen Fahrzeugen.

So ließen sich in Zukunft mit Blick durch die MR‑Brille verschiedene Fahrzeugtypen mit realen Fahrzeugabmessungen schnell und kostengünstig miteinander vergleichen. Auch neue Ideen könnten schneller erlebbar dargestellt und virtuell erprobt werden.

Der Einsatz von MR-Brillen im Entwicklungsprozess hat zudem das Potenzial, den Verbrauch von Rohstoffen und Materialien erheblich zu reduzieren. Da weniger physische Prototypen benötigt würden, könnten wertvolle Ressourcen eingespart werden.

Ein weiteres Anwendungsgebiet sieht Mercedes-Benz in neuen, virtuellen Markenerlebnissen für die Kundinnen und Kunden der Marke. Durch die Integration von MR-Brillen könnten sie in Echtzeit virtuelle Fahrzeugmodelle interaktiv erleben und individuell anpassen. Dies würde eine personalisierte und kundennahe „virtuelle Markenerfahrung“ ermöglichen.

Ob damit die „reale Markenerfahrung“ im Showroom und auf einer Probefahrt über kurz oder lang überflüssig wird, kann man bezweifeln. Auf jeden Fall aber ließe sich das Kundenerlebnis erweitern, individualisieren und verbessern.

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