Autonomes Fahren Moderne Selbstfahrer

Von Edgar Schmidt

Künftig sollen immer mehr Autos unter bestimmten Bedingungen automatisiert fahren können. Einer der Vorreiter bei dieser Entwicklung ist Volvo. Noch in diesem Jahr sollen erste selbstfahrende Autos in Kalifornien unterwegs sein.

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Je ein Lidarsensor, fünf Radare, acht Kameras und 16 Ultraschallsensoren beobachten das Umfeld der autonom fahrenden Volvos.
Je ein Lidarsensor, fünf Radare, acht Kameras und 16 Ultraschallsensoren beobachten das Umfeld der autonom fahrenden Volvos.
(Bild: Volvo)

Viele Autohersteller verfolgen das Ziel, autonom fahrende Autos auf die Straße zu bringen. Doch das scheint deutlich schwieriger zu sein, als viele Entwickler noch vor wenigen Jahren gedacht haben. Allerdings will auch niemand aufgeben. Und immer wieder berichten Autohersteller von Fortschritten – zumindest, wenn es um das hochautomatisierte Fahren geht.

Das ist das Level 3 von 5, in das die Autohersteller weltweit die Schritte hin zum autonomen Fahren eingeteilt haben. In diesem Level kann das Auto unter bestimmten, vom Hersteller festgelegten Bedingungen selbstständig steuern, bremsen und beschleunigen. In dieser Zeit darf der Fahrer zwar zum Beispiel die Zeitung lesen und nicht mehr auf den Verkehr achten. Er muss aber unverzüglich eingreifen können, sobald sich das System meldet.

Auch Volvo ist dabei, ein solches System für seine Fahrzeuge zu entwickeln. Die Schweden wollen das „Drive Pilot“ genannte Assistenz­system im elektrischen Nachfolger des XC 90 nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr zuerst in Kalifornien in Serienfahrzeugen einsetzen. Klima, Verkehrsbedingungen und rechtliche Rahmenbedingungen würden dort ein günstiges Umfeld für die Einführung des autonomen Fahrens bieten.

 Jede Menge Kameras und Sensoren 

Der Aufwand dafür ist enorm. Die Autos werden mit einem Lidar-Sensor sowie fünf weiteren Radar-Sensoren, acht Kameras und 16 Ultraschall-Sensoren ausgestattet sein, um ihr Umfeld beobachten zu können. Bei der Software arbeiten die Volvo-Entwickler mit Spezialisten des auf autonomes Fahren spezialisierten Unternehmens Zenseact und des Lidar-Herstellers Luminar zusammen. Over-the-Air-Updates sollen das System immer aktuell halten und ständige Weiterentwicklungen ermöglichen.

Während die Software-Sensor-Kombination laut Herstellerangaben vom ersten Tag an serienmäßig im vollelektrischen XC 90-Nachfolger zum Einsatz kommt, durchläuft der Ride Pilot derzeit allerdings noch ein umfangreiches Prüf- und Testprotokoll. Die Technik werde auf Autobahnen unter unterschiedlichsten Bedingungen getestet. Erst wenn diese erfolgreich abgeschlossen seien, werde das System als Zusatzabonnement für das im weiteren Jahresverlauf vorgestellte SUV-Flaggschiff angeboten.

Im Rahmen dieses Verifizierungsprozesses testen die Entwickler das autonome Fahren zum Beispiel bereits auf schwedischen Straßen. Darüber hinaus sammeln sie Daten in ganz Europa und in den USA. Vorbehaltlich der Genehmigung sollen bis Mitte dieses Jahres auch Tests auf kalifornischen Straßen beginnen. Sobald das System als sicher eingestuft wird und alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen, wollen die Schweden Ride Pilot dann zunächst in Kalifornien einführen. Anschließend folge eine schrittweise Ausweitung auf andere Märkte und Regionen rund um den Globus.

 Hoher Komfort 

Der Name „Ride Pilot“ deutet an, was den Fahrer erwartet: Das Auto fährt, wie in Level 3 vorgesehen, selbstständig. Volvo übernimmt die Verantwortung für das Fahren. Zur Zielgruppe zählen unter anderem Geschäftsleute, die auf der morgendlichen Fahrt durch den Stop-and-go-Verkehr bereits Arbeit erledigen wollen. Diese sollen den Drive Pilot dann künftig gegen Gebühr zeitweise oder dauerhaft freischalten können. Zu den genauen Modalitäten und Kosten macht der Hersteller derzeit noch keine Angaben.

Mit der Einführung des hochautomatisierten Fahrens zählt Volvo zu den Vorreitern der Technik. In Deutschland will Mercedes in Kürze ebenfalls Level-3-Autonomie anbieten. Audi hat die nötige Technik beim A8 bereits seit 2017 an Bord, darf sie bislang unter anderem aus rechtlichen Gründen nicht freischalten.

Weitere Hersteller dürften in den kommenden Monaten ebenfalls Fortschritte bei der Level-3-Technik verkünden. Parallel arbeitet die Branche am vollautomatisierten Fahren auf Autonomie-Level 4. Bei diesem kann man sich dann wirklich zurücklehnen, denn das Fahrzeug muss in diesem Level – beispielsweise auf der Autobahn – alle Aufgaben vollkommen selbstständig bewältigen.

Bei Level-4-Fahrzeugen soll es dann sogar erlaubt sein, während der Fahrt zu schlafen. Die dafür notwendige, noch einmal deutlich aufwendigere Technik ist allerdings weniger für den Privatkundenmarkt als für den Einsatz in Robotaxis von Mobilitätsdienstleistern gedacht. Auch Volvo entwickelt daran, unter anderem innerhalb einer Kooperation mit der Google-Schwester Waymo.

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