Nachwuchsförderung Procar setzt auf Azubi-WG

Von Sybille Weinschenk 4 min Lesedauer

Bei Procar Automobile wohnen die kaufmännischen Azubis während des Blockunterrichts in einer WG zusammen. Das Ergebnis: Top-Noten, ein verschworenes Team und Nachwuchs, der dem Unternehmen treu bleibt.

In diesem Haus wohnen die Azubis der Autohausgruppe Procar während des Blockunterrichts.(Bild:  Procar)
In diesem Haus wohnen die Azubis der Autohausgruppe Procar während des Blockunterrichts.
(Bild: Procar)

Zwölf Azubis, die in einem Haus mit Garten zusammenwohnen: Was nach luxuriösem WG-Leben klingt, ist bei Procar ein durchdachtes Ausbildungskonzept. Die Auto­hausgruppe hat 24 Standorte in ganz Nordrhein-Westfalen und beschäftigt 1.400 Mitarbeitende sowie 280 Azubis. Die kaufmännischen Azubis wohnen während des drei- bis dreieinhalbmonatigen Block­unterrichts in einer WG zusammen.

Doch das war nicht immer so. Wir haben Katja De Pirro befragt, wie das Erfolgsprojekt Azubi-WG entstanden ist. Die Ausbildungsleiterin der kaufmännischen Azubis bei Procar erzählt uns, dass das mehr aus einem Zufall heraus entstanden sei. Innerhalb der Autohausgruppe seien immer wieder die Azubis herausgestochen, die am Joseph-DuMont-Berufskolleg (JDBK) in Köln unterrichtet wurden. Sie hätten sehr gute Ergebnisse erzielt, teilweise sogar Spitzenplätze bei IHK-Ehrungen belegt.

Das steckt hinter dem Erfolg

Das konnte kein Zufall sein, und deshalb sah sich Procar das Unterrichtskonzept des JDBK genauer an: Die Schule setzt auf selbstorganisiertes Lernen – das bedeutet, die Azubis übernehmen mehr Verantwortung für ihr eigenes Lernen, statt nur zuzuhören und mitzuschreiben. Statt Frontalunterricht gibt es viele Gruppenprojekte, bei denen sie sich gegenseitig unterstützen können.

Weil Procar keine vergleichbar gute Schule fand, entschied das Unternehmen, dass alle kaufmännischen Azubis am JDBK unterrichtet werden sollten. Somit entstand aus den anfangs vier oder fünf Auszubildenden am Berufskolleg eine eigene Procar-Klasse.

Aufgrund der vielen Standorte, die teilweise weit vom Berufskolleg entfernt sind, ließ sich das nur über Block­unterricht realisieren. Für diese Zeit benötigten die Azubis eine Unterkunft in Köln. Deshalb mietete Procar ein eigenes Haus für sie an.

12 Azubis unter einem Dach

Das Gebäude ist 400 Quadratmeter groß, dreistöckig und im Industriestil eingerichtet. Die Lage im Kölner Stadtteil Braunsfeld ist ideal: Von dort sind es nur zehn Minuten zum Berufskolleg. Es ist bereits die vierte oder fünfte Unterkunft seit dem Start des Projekts im Jahr 2012. Je größer die Autohausgruppe wurde, desto mehr Azubis kamen dazu.

Derzeit wohnen zwölf junge Erwachsene dort; meist in Zweier-, seltener in Dreierzimmern. Platz ist für maximal 15 Personen. Die WG ist für Azubis bestimmt, die nicht aus Köln und der näheren Umgebung stammen. Doch nicht alle nutzen das Angebot: Manche pendeln lieber, etwa weil sie in einer Beziehung sind oder zum Sport gehen möchten. Gesetzt ist aber der Blockunterricht: „Wir würden nicht für andere Auszubildende auf das klassische Teilzeitmodell umschwenken“, erklärt Katja De Pirro.

Beim Einzug ins Dreibettzimmer der WG herrscht Partystimmung.(Bild:  Procar)
Beim Einzug ins Dreibettzimmer der WG herrscht Partystimmung.
(Bild: Procar)

Die Azubis organisieren ihr WG-Leben weitgehend selbstständig und stellen auch die Regeln fürs Zusammenleben gemeinsam auf: Jeder isst nur das, was ihm gehört, und räumt gemeinsam genutzte Wohnbereiche wie Küche, Wohnzimmer und Garten hinter sich auf. Die Zimmer sind Privatsache. Für die Verpflegung kommen die Azubis selbst auf, die Miete übernimmt Procar.

Wie man in die WG kommt

Wer bei Procar eine kaufmännische Ausbildung machen will, durchläuft ein mehrstufiges Auswahlverfahren: schriftliche Bewerbung, Video­interview mit drei Fragen, persönliches Vorstellungsgespräch und ein Praktikum im Betrieb. Dabei achtet das Unternehmen darauf, dass die Azubis zusammenpassen – schließlich sollen sie später in der WG harmonieren.

Trotzdem treffen verschiedene Charaktere aufeinander: Manche Azubis leben bereits allein und haben Erfahrung mit Eigenverantwortung. Andere wohnen noch zu Hause und mussten dort nie mithelfen. „Das sind verschiedene Gruppen, die sich aufeinander einstellen müssen“, sagt De Pirro.

Wer bisher keine Haushaltsaufgaben hatte, lernt das in der WG. Wer schon allein gewohnt hat, lernt, dass andere Menschen andere Vorstellungen vom Zusammenleben haben. „Aber das passt super“, betont die Ausbildungsverantwortliche. „Wir haben bisher immer gut erreichen können, dass die Azubis eine unglaubliche Vernetzung untereinander haben.“

Lernen in der Gemeinschaft

Der Einzug ins Haus erfolgt nicht sofort. Sechs Monate nach Ausbildungsbeginn startet der erste Unterrichtsblock. Vorher findet ein eintägiger Kennenlern-Workshop statt, damit sich alle beschnuppern können. Die Ausbildungsleiterin begleitet auch die Zimmeraufteilung – damit es keinen Streit um das beste Zimmer gibt.

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Das Besondere an der Procar-WG: Die Azubis wohnen nicht nur zusammen, sie lernen auch gemeinsam. „Die Azubis unterstützen sich gegenseitig“, erklärt De Pirro. „Dadurch, dass sie so eng verbunden sind, kommt es immer wieder vor, dass jemand sagt: Ich hab’ das nicht verstanden, wer kann mir das erklären? Und dann sind immer ganz viele da und machen das auch“, beschreibt sie weiter. Das führt dazu, dass die Schwächeren durch die Gemeinschaft automatisch stärker werden. Die WG-Bewohnerinnen und -bewohner haben laut der Ausbildungsverantwortlichen einen Notendurchschnitt zwischen 1 und 2.

Unterstützt wird das Ganze durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg. Seit 2012 haben die Procar-Azubis dieselbe Klassenlehrerin. Sie kommt auch zum Kennenlern-Workshop und tauscht sich regelmäßig mit der Ausbildungsleiterin aus. Fast alle Azubis in der Klasse kommen von Procar, nur zwei bis drei von einem anderen Händler. Das macht sie zu einem echten Team.

Die WG schweißt zusammen

Was dabei entsteht, geht weit über die Zeit des Blockunterrichts hinaus. Die Azubi-WG bedeutet zwar mehr Aufwand für Procar, lohnt sich aber: Die persönlichen Bindungen sind unbezahlbar. „Das Zusammenleben schweißt zusammen“, sagt De Pirro. Zurück an den verschiedenen Standorten kennt jeder und jede irgendwo jemanden. Das erleichtert die Zusammenarbeit und stärkt das Wir- Gefühl im ganzen Unternehmen.

Für De Pirro ist das Konzept erfolgreich, weil es um mehr geht als nur um Fachkenntnisse. Ihre Bilanz: „Die Azubis lernen fürs Leben und für den Beruf – und zwar mit viel Herzlichkeit.“

Die Azubi-WG von Procar Automobile ist eines der prämierten Projekte der #BEST-Kampagne. Sie macht besonders erfolgreiche Ausbildungsbetriebe in der Kfz-Branche sichtbar und ist Teil der Initiative „AutoBerufe“, einer bundesweiten Gemeinschaftsinitiative der Automobilwirtschaft und des Kfz-Gewerbes zur Nachwuchsgewinnung und -sicherung der Autohäuser und Kfz-Werkstätten.

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