Fahrerassistenzsysteme Viper für die Nacht

Von Edgar Schmidt

Die Ferninfrarotkamera „Viper“ des israelischen Unternehmens Adasky soll Fahrerassistenzsysteme sicherer machen. Denn gegenüber Radar, Lidar und herkömmlichen Kameras bietet die Technik enorme Vorteile.

Das Adasky-System kann unterschiedliche Verkehrsteilnehmer erkennen und klassifizieren.
Das Adasky-System kann unterschiedliche Verkehrsteilnehmer erkennen und klassifizieren.
(Bild: Adasky)

Fahrerassistenzsysteme nutzen bisher hauptsächlich Radar- und Lidarsensoren sowie herkömmliche Kameras, um das Umfeld des Autos zu beobachten. Allerdings haben diese besonders bei Dunkelheit, ungünstigen Lichtsituationen oder bei schlechtem Wetter einige Schwächen, wie Unfälle mit autonom fahrenden Autos immer wieder gezeigt haben. Die „Beobachtungslücke“, die die bisherigen Sensoren noch haben, soll nun eine Technik schließen, die bisher in Nachtsichtassistenten eingesetzt ist: die Infrarotkamera.

Entwickler eines solchen Überwachungssystems ist das israelische Start-up Adasky. Im Vergleich zu den Nachtsichtassis­tenten hat das Unternehmen laut eigenen Angaben die Bildauswertung deutlich verbessert. Außerdem sei die Adasky-Kamera mit dem Produktnamen „Viper“ wesentlich kleiner und komme komplett ohne Kalibrierpause aus. Der Nachteil von herkömmlichen Infrarotkameras sei nämlich, dass diese sich regelmäßig neu kalibrieren müssten, um die wärmeabstrahlenden Körper wieder präzise erfassen zu können. Dadurch vergehe immer wieder bis zu einer halben Sekunde Zeit, in der diese Kameras keine Bilder lieferten.

Das israelische System arbeitet mit der sogenannten Ferninfrarottechnik (FIR), die auf die Wärme­abstrahlung von Körpern reagiert. Dadurch sei der Energiebedarf deutlich geringer als zum Beispiel bei einem Lidarsensor. Die Auflösung der FIR-Kamera ist so fein, dass sie Temperaturunterschiede von 0,05 Grad Celsius und damit die charakteristischen Wellenlängen der Wärmeabstrahlung von unterschiedlichen Objekten erkennen kann. Die Bildauswertung sei dadurch in der Lage, unterschiedliche Objekte voneinander zu unterscheiden und sogar die Silhouetten von Menschen zu erkennen, die teilweise von einem Fahrzeug verdeckt sind.

Bis zu 300 Metern Reichweite

Die Reichweite der Kamera liege bei 230 Metern, in günstigen Fällen sollen sogar bis zu 300 Meter möglich sein. Lediglich bei starkem Regen sollen die Bildqualität und somit die Reichweite etwas eingeschränkt sein, aber immer noch funktions­fähig, während andere Sensortechniken in solchen Situationen ausfallen könnten. Um die Wärmestrahlung sicher erkennen zu können, muss die Kamera in der Fahrzeug-Außenhaut sitzen. Gegen Frost hat sie deshalb eine Heizung in der Linse.

Laut Adasky könne die FIR-Sensortechnik im Verbund mit den bisherigen Sensoren die letzten noch fehlenden Prozent abdecken, um autonomes Fah­ren wirklich sicher zu machen. In Deutschland wird VW Nutzfahrzeuge die Technik erproben. Die Nieder­sachsen wollen damit gegebenenfalls künftige Level-4- Fahrzeuge ausstatten, also solche, die autonom fahren, ohne dass ein Fahrer übernehmen können muss.

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