Ausbildungsstatistik Wieder mehr neue Kfz-Azubis

Von Von Johannes Büttner

Deutschlands Kfz-Betriebe haben 2021 wieder mehr neue Auszubildende eingestellt als im Jahr zuvor. Das belegen die offiziellen Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Die Ausbildung zum Automobilkaufmann zählt zu denen mit den höchsten Zuwachsraten.
Die Ausbildung zum Automobilkaufmann zählt zu denen mit den höchsten Zuwachsraten.
(Bild: Promotor/T.Volz)

Das Jahr 2020 lieferte in vielerlei Hinsicht ausgesprochen schlechte Zahlen, so auch in der Ausbildungsbilanz. Infolge der Corona-Krise hatten die Betriebe damals so wenige Auszubildende eingestellt wie noch nie. Im Kfz-Gewerbe war der Rückgang zwar nicht ganz so krass wie im branchenübergreifenden Bundesschnitt, doch auch hier zeigte der Pfeil klar nach unten.

2021 war Corona zwar alles andere als vorbei, trotzdem setzte eine positive Entwicklung ein: Die Kfz- Betriebe haben in diesem Jahr bis zum Stichtag 30. September insgesamt 25.419 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen; das entspricht einem Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wäre es allein nach den Unternehmen gegangen, hätte der Zuwachs sogar noch deutlicher ausfallen können. Jedoch haben sie immer größere Schwierigkeiten, ausreichend qualifizierte Bewerber zu finden. Während die Zahl der angebotenen Lehrstellen deutlich nach oben ging, verharrte die der interessierten Schulabgänger auf einem sehr niedrigen Niveau.Deshalb blieben im Jahr 2021 erneut viele Ausbildungsplätze unbesetzt – unter anderem auch im Kraftfahrzeuggewerbe.

Den Ausbildungsberuf „Kfz-Mechatroniker/in“ wählten 20.697 junge Menschen und damit drei Prozent mehr als im Jahr 2020 (20.088). Automobilkaufmann oder -frau wollen 4.722 Azubis werden, das sind sogar 10,4 Prozent mehr als noch 2020 (4.278). Damit zählten die Automobilkaufleute zu den Berufen mit den höchsten Zuwachsraten insgesamt.

 Das branchenübergreifende Gesamtergebnis 

Erneut war das Kfz-Gewerbe in Sachen Ausbildung überdurchschnittlich aktiv. Denn im gesamten dualen Ausbildungsbereich gab es laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) in Bonn zwar ebenfalls einen Zuwachs zu verzeichnen, allerdings betrug dieser nur 1,2 Prozent. Während es im Handwerk und bei den Freien Berufen nach oben ging, wiesen Industrie und Handel sowie der Öffentliche Dienst sogar nochmal einen Rückgang gegenüber 2020 auf.

Auch regional verlief die Entwicklung unterschiedlich: Der Osten Deutschlands wies in Relation die höchsten Zugänge auf. In erster Linie sind hier Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt sowie auch Berlin zu nennen. Dagegen ging es in Bayern, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz im Vergleich zu 2020 nochmal bergab.

Unter dem Strich stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf 473.064 im Vergleich zu 467.484 im Jahr 2020. Das sind allerdings noch immer 52.000 weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Zum zweiten Mal in der Geschichte der Ausbildungsstatistik starteten 2021 weniger als eine halbe Million junge Menschen in eine duale Berufskarriere.

Deshalb spricht das BIBB auch von einer nur „leichten Entspannung“ auf dem Arbeitsmarkt. Besonders negativ sei anzumerken, dass die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen weiter angestiegen sei. 63.200 Ausbildungsstellen blieben 2021 unbesetzt, 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Während sich die Betriebe nach Auffassung von BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser bemüht haben, auch in schwierigen Zeiten an der Ausbildung festzuhalten, bereitet ihm der weitere Rückgang auf der Nachfrageseite große Sorgen. Dies sei „ein eindeutiger Beleg dafür, dass das Interesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an der dualen Berufsausbildung weiter nachlässt.“

Ähnlich äußert sich die neue Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger. Fehlende Auszubildende von heute seien der Fachkräftemangel von morgen. „Unser Land braucht schon heute dringend mehr Fachkräfte. Ich kann junge Menschen daher nur dazu ermutigen, die Chance einer Ausbildung zu ergreifen.“ Die Regierung werde ihren Beitrag dazu leisten, damit sich mehr von ihnen für eine Ausbildung entscheiden.

 Die Bewertung durch das Kfz-Gewerbe 

Positiv äußert sich dagegen Birgit Behrens, ZDK-Geschäftsführerin Berufsbildung, die sich über das überproportional gute Abschneiden des Kfz-Gewerbes freut: „Die Ausbildungszahlen in den Autoberufen sind prozentual stärker gewachsen als im Durchschnitt des gesamten dualen Ausbildungsbereichs. Das zeigt, dass unsere Branche nach wie vor eine hohe Anziehungskraft hat. Themenfelder wie E-Mobilität, Digitalisierung und Vernetzung zeigen unsere Zukunftsorientierung. Auch davon fühlen sich die jungen Menschen offensichtlich angezogen.“

Insgesamt bildet das Kfz-Gewerbe zurzeit rund 90.600 junge Menschen in technischen und kaufmännischen Berufen aus. Darüber hinaus bietet die Branche zahlreiche Möglichkeiten der Weiterbildung für eine erfolgreiche Karriere, etwa zum selbstständigen Kfz-Meister oder zur Führungskraft im Autohaus oder in einer Meisterwerkstatt.

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