Studie „Azubi-Recruiting Trends“ Digitale Kluft in der Ausbildung

Von Sybille Weinschenk 3 min Lesedauer

Azubis wünschen sich mehr Digitalisierung und KI-Inhalte in der Ausbildung. Doch die meisten Betriebe hinken diesen Erwartungen hinterher. Das ist das Ergebnis des zweiten Teils der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2024“.

Ein Großteil der Azubis wünscht sich KI-Inhalte in der Ausbildung; noch können das nur wenige Betriebe leisten.(Bild:  u-form)
Ein Großteil der Azubis wünscht sich KI-Inhalte in der Ausbildung; noch können das nur wenige Betriebe leisten.
(Bild: u-form)

Digitale Technologien sind für Jugendliche so selbstverständlich wie der Gang zum Kühlschrank: Sie tauschen sich über Social-Media mit Freunden aus, streamen Musik und Videos auf Spotify oder Youtube und sichern ihre Fotos in der Cloud. Kein Wunder also, dass sie ähnliche digitale Lösungen auch in ihrer Ausbildung erwarten: Mehr als 60 % der Auszubildenden gaben an, dass sie digitale Ausbildungspläne gut finden und ihren Lernfortschritt gerne digital verfolgen möchten. E-Learning-Angebote zum Ausbildungsinhalt finden mehr als 50 % wünschenswert – KI darf gerne unterstützen. Doch obwohl der Bedarf offensichtlich ist, kann aktuell nicht einmal jeder zehnte Betrieb diese Erwartungen erfüllen.

Das ist ein Ergebnis des zweiten Teils der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2024“. An der von U-Form Testsysteme durchgeführten Online-Umfrage zum Azubi-Marketing und -Recruiting haben in diesem Jahr knapp 5.000 junge Menschen vor und in der Ausbildung sowie 1.750 Ausbildungsverantwortliche teilgenommen.

Digitalisierung bleibt größtenteils aus

Ob es darum geht, den Lernfortschritt digital zu erfassen und anzuzeigen, Ausbildungspläne zu erstellen, Beurteilungsgespräche zu führen oder neue Ausbildungsinhalte zur Verfügung zu stellen – die betriebliche Ausbildung sei in vielen Bereichen noch zu wenig digital, so die Studieninitiatorin Felicia Ullrich.

Dabei hätte das Berufsvalidierungs- und Digitalisierungsgesetz (BVaDiG) genau das zum Ziel: eine umfassendere Digitalisierung der Ausbildung. In diesem Rahmen wurden die Standardberufsbildpositionen modernisiert und um die Position „Digitalisierte Arbeitswelt“ erweitert. Diese gilt seit dem 1. August 2021 für alle neuen Ausbildungsberufe und wird auch für bestehende empfohlen.

KI in die Ausbildung integrieren

57 % der befragten Azubis haben schon Erfahrungen im Umgang mit KI-Software gemacht. Spitzenreiter ist das Large Language Model (LLM) ChatGPT. Die Auszubildenden gaben an, die maschinelle Intelligenz unter anderem für das Schreiben von Bewerbungen genutzt zu haben. Die Ausbildungsverantwortlichen sind etwas zurückhaltender: 49 % haben sich bereits mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Die Hälfte der befragten Ausbildungsbetriebe hat KI ebenfalls im Bewerbungsprozess eingesetzt.

Auf die Frage, ob der Umgang mit künstlicher Intelligenz Inhalt der Ausbildung sein solle, antworteten 58 % der Azubis mit „Ja, aber nur in bestimmten Berufen“. Weitere 32 % sind der Meinung, dass KI grundsätzlich Teil der Ausbildung sein sollte. Obwohl also eine breite Mehrheit den Einsatz von KI als wichtig erachtet, spiegelt sich das kaum in der Praxis wider: Bislang vermitteln nur 10 % der Betriebe entsprechende Inhalte in der Ausbildung.

Wie steht die Berufsschule generell da?

54 % der befragten Azubis findet es grundsätzlich gut, zur Berufsschule zu gehen. 49 % sind „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ damit, wie die Berufsschule Ausbildungsinhalte vermittelt. Eine Mehrheit von 51 % wünscht sich jedoch, dass allgemeinbildende Fächer wie Deutsch und Sport aus dem Stundenplan gestrichen werden. Sie sind der Meinung, dass sie bereits über ausreichende Grundkenntnisse verfügen und diese Fächer nur zusätzlichen Stress bereiten. Wichtiger wären ihnen zusätzliche praxisnahe Inhalte, die im Berufsalltag weiterhelfen.

Immerhin 36 % der Ausbildungsverantwortlichen vertreten eine ähnliche Auffassung. Sie kritisieren die Lehrmethoden in den Berufsschulen als altmodisch und sind der Meinung, dass die Inhalte des Unterrichts nicht zu dem passen, was die Azubis in ihrem Beruf brauchen.

Ausbildungsverantwortliche schneiden mittelmäßig ab

Der Azubi-Blick auf die Ausbildungsverantwortlichen fällt gemischt aus. Die Mehrheit der Auszubildenden (56 %) findet, dass die Ausbildenden gut erklären können und motiviert sind. Dafür könnten sie beim Feedback geben und beim Verteilen praktischer Aufgaben besser werden: Regelmäßiges Feedback, aus dem sie wirklich lernen können, vermissen 41 % der Azubis. 39 % sind der Meinung, dass größere praktische Aufgaben zu kurz kommen.

Auch in diesem Punkt bekräftigen die Ausbildungsverantwortlichen die Sichtweise der Azubis: Nur 19 % bestätigen uneingeschränkt, dass die eigenen Ausbildenden ihren Auszubildenden größere Praxisaufgaben stellen. Dabei ist das ein besonders wichtiges Kriterium für selbsttätiges Lernen in der dualen Ausbildung.

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Kaum Weiterbildung und wenig Material

Schaut man sich genauer an, wie die Ausbildenden selbst für ihre Aufgaben geschult werden, überrascht es nicht, dass sie relativ schlecht abschneiden. Nur 17 % der Ausbildungsverantwortlichen stimmen uneingeschränkt zu, dass die eigenen Ausbildenden regelmäßig geschult werden. Lediglich 33 % bestätigen ohne Einschränkungen, dass die Ausbildenden jederzeit auf Inhalte und Materialien zugreifen können, die sie benötigen, um die Jugendlichen gut auszubilden.

Wissen muss heute anders vermittelt werden als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren – und das gilt nicht nur für die Azubis. Auch die Ausbildenden selbst könnten von digitalen Lernmethoden und künstlicher Intelligenz profitieren und ihre Azubis dadurch besser unterstützen. „Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind symbiotische Zwillinge und bedingen sich gegenseitig“, erklärt Prof. Dr. Christoph Beck, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat.

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