Du hast gelernt, aber wenn es darauf ankommt, ist alles weg? Vielleicht hast du dich bisher nicht optimal vorbereitet. Der Beitrag erklärt, wie dein Gehirn arbeitet und mit welchen Techniken du es unterstützen kannst.
Lernkarten können dich gut dabei unterstützen, gezielt bestimmte Themen zu wiederholen.
(Bild: KI-generiert/Schmidt)
Das gibt's doch nicht, gestern hab ich's noch gewusst und heute kann ich mich nicht mehr erinnern! Diesen Gedanken hatten bestimmt viele von uns schon mal: Man hat für eine Prüfung gelernt, sitzt dann aber vor dem Arbeitsblatt und alles ist wie weggeblasen. Das fühlt sich frustrierend an – fast so, als hätte das Lernen nichts gebracht. Doch das stimmt nicht.
So arbeitet das Gehirn
Das Gehirn funktioniert nicht wie eine Festplatte, die Wissen einfach abspeichert. Stattdessen entscheidet es ständig neu, welche Informationen wichtig sind und welche es aussortiert. Diese Entscheidung kannst du beeinflussen.
Um zu verstehen, wie das gelingt, musst du wissen, wie das menschliche Gehirn Informationen verarbeitet und speichert: Es besteht aus Milliarden von Nervenzellen, den sogenannten Neuronen. Diese sind über winzige Verbindungsstellen, die Synapsen, miteinander verbunden. An diesen Synapsen tauschen Nervenzellen elektrische und chemische Signale aus, um Informationen innerhalb des Gehirns zu verarbeiten.
Stell dir die Neuronen wie Inseln und die Synapsen wie Brücken vor, die diese Inseln miteinander verbinden. Anfangs sind die Brücken noch schmal und wackelig – aber je häufiger die Nervenzellen Informationen darüber weitergeben, desto stabiler werden sie. Das bedeutet: Je öfter du eine bestimmte Information abrufst und wiederholst, desto fester bleibt sie im Gedächtnis.
Wiederholen – aber wie?
Klar ist also: Nicht alles, was du lernst, bleibt automatisch im Kopf. Nur wenn du gezielt wiederholst, kannst du dein Wissen im entscheidenden Moment sicher abrufen. Das ist unter anderem der Grund, warum wir zu jedem Beitrag im Schulungsteil und zu jedem E-Learning-Kurs Wiederholungsfragen und Kenntnisnachweise erstellen.
Es gibt zwei Methoden, die besonders effektiv sind:
Aktives Abrufen (Active Recall): Teste dich selbst, statt den Stoff zigfach zu lesen.
Verteiltes Wiederholen (Spaced Repetition): Verteile den Stoff und lerne in größer werdenden Abständen, statt alles auf einmal.
Hilfreiche Werkzeuge, die diese Methoden unterstützen, sind zum Beispiel Lernkarten. Sie helfen dir, das Gelernte besser zu strukturieren und langfristig im Gedächtnis zu behalten.
Kannst du's erklären?
Active Recall heißt auf Deutsch so viel wie „aktives Abrufen“. Das bedeutet, du versuchst, dich ohne Buch, Notizen oder Spickzettel zu erinnern. Stell dir vor, du liest eine bestimmte Seite schon zum x-ten Mal und denkst: „Ja, okay, ich hab’s jetzt drauf.“ Vielleicht stimmt das – schließlich verknüpft dein Gehirn die neuen Informationen während des Lesens mit bekanntem Wissen. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass du den Stoff wirklich beherrschst. Oft bleibt das Gelernte nur oberflächlich hängen.
Wenn du herausfinden möchtest, ob du etwas abrufen und wiedergeben kannst, oder ob du es nur flüchtig im Kopf hast, solltest du Folgendes ausprobieren:
Schließe das Buch oder leg das Arbeitsblatt weg und versuche, die wichtigsten Punkte in eigenen Worten wiederzugeben.
Erstelle eine Skizze oder Mindmap, um die Zusammenhänge darzustellen.
Leite typische Prüfungsfragen ab und beantworte sie.
Erkläre das Thema laut für dich selbst und nimm dich dabei mit dem Smartphone auf. Anschließen hör dir die Aufnahme an und prüfe, ob deine Erklärung schlüssig und vollständig ist.
Erkläre das Thema einer anderen Person – wenn du es verständlich erklären kannst, hast du es wirklich verinnerlicht.
Diese Übungen zeigen dir sofort, ob du den Stoff nur flüchtig im Kopf hast, oder ob du ihn auch abrufen und wiedergeben kannst.
Oft genug wiederholt?
Spaced Repetition – auf Deutsch „verteiltes Wiederholen“ – ist eine einfache, aber extrem wirksame Methode: Statt alles auf einmal zu lernen, verteilst du den Stoff auf mehrere Tage und wiederholst ihn in immer größer werdenden Abständen. Feste Regeln gibt es nicht, aber eine sinnvolle Taktung könnte so aussehen:
Erste Wiederholung: nach 1 Tag
Zweite Wiederholung: nach 2-3 Tagen
Dritte Wiederholung: nach 1 Woche
Vierte Wiederholung: nach 2-3 Wochen
Lernkarten: doppelt stark
Regelmäßiges Wiederholen ist wichtig – aber wie organisierst du es am besten? Lernkarten sind ein praktisches Werkzeug, das weit mehr kann, als nur beim Vokabellernen zu helfen. Egal, ob Fachbegriffe, Definitionen oder komplexe Zusammenhänge – mit Lernkarten gelingt es, Wissen gezielt zu testen und langfristig zu speichern.
Erstelle digitale Lernkarten mit Apps wie Anki oder SuperMemo und nutze Wartezeiten zum Lernen.
(Bild: Schmidt/Mercedes)
Weil sie sowohl Active Recall als auch Spaced Repetition unterstützen, sind sie doppelt stark: Statt den Lernstoff nur durchzulesen, stellst du dir mit den Karten gezielte Fragen und überprüfst, ob du die Antworten wirklich aus dem Kopf weißt. Gleichzeitig sind sie ideal, um Informationen in sinnvollen Zeitabständen zu wiederholen.
Beim klassischen Leitner-Prinzip sortierst du die Karten in verschiedene Fächer eines Karteikastens. Richtig beantwortete Karten wandern ein Fach weiter und werden seltener wiederholt. Falsch beantwortete Karten bleiben im ersten Fach und kommen häufiger dran.
Wer lieber digital lernt, kann auf Apps wie Anki oder SuperMemo zurückgreifen. Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip, steuern die Wiederholungen aber automatisch und passen sie individuell an deinen Lernfortschritt an.
Stand: 08.12.2025
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