TÜV-Report Tesla ganz hinten

Von Johannes Büttner 3 min Lesedauer

Nachdem eine nennenswerte Zahl von Elektrofahrzeugen bereits mindestens drei Jahre auf dem Markt ist, müssen immer mehr E-Auto zur Hauptuntersuchung. Dort schneiden sie höchst unterschiedlich ab.

Über zehn Millionen Hauptuntersuchungen wurden für den TÜV-Report 2024 ausgewertet.(Bild:  TÜV Nord)
Über zehn Millionen Hauptuntersuchungen wurden für den TÜV-Report 2024 ausgewertet.
(Bild: TÜV Nord)

Vom Besten seiner Klasse bis zum traurigen Mängelriesen ist alles dabei: Elektrofahrzeuge schneiden bei der Hauptuntersuchung (HU) durchwachsen ab. Das zeigen die Ergebnisse des „TÜV-Reports 2024“. Für diese Auswertung tragen die Überwacher jährlich die Ergebnisse von rund zehn Millionen Pkw-Hauptuntersuchungen zusammen.

Da vor 2020 kaum batterieelektrische Fahrzeuge im Handel waren, tauchen sie im TÜV-Report nur in der Altersklasse der Zwei- bis Dreijährigen auf. Hier steht mit dem Model 3 von Tesla ausgerechnet das Produkt eines vermeintlichen Premiumanbieters ganz am Ende der Liste. Eine Mängelquote von 14,7 Prozent bescheren ihm den 111. und damit letzten Platz in dieser Altersklasse.

Neben Defekten an den Achsaufhängungen weist der Tesla überdurchschnittlich hohe Mängelquoten an den Bremsen sowie an der Beleuchtung auf. Zur Ehrenrettung des Model 3 mag man anführen, dass seine durchschnittliche Laufleistung nach drei Jahren mit 55.000 km deutlich über dem Mittelwert von 41.000 km liegt; doch andere Vielfahrerfahrzeuge schneiden deutlich besser ab.

Mängel bei Achsen und Bremsen

„Inwieweit die festgestellten Brems- und Achsmängel typisch für E-Fahrzeuge sind und ob die Hersteller bei bestimmten Modellen nachbessern müssen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen“, kommentiert der Geschäftsführer des TÜV-Verbands, Dr. Joachim Bühler, das Ergebnis. Eine höhere Mängelquote bei Achsen und Bremsen sei nämlich typisch für E-Autos, so Bühler.

Ein Grund dafür ist die Rekuperation, mit der E-Fahrzeuge Brems­energie zurückgewinnen können. Die Bremsbeläge werden im Vergleich zu Verbrennern daher seltener beansprucht, was zu einer Beeinträchtigung der Bremsleistung führen kann. Ein weiterer Schwachpunkt vieler E-Autos sind die Achsaufhängen, die unter dem hohen Gewicht der Antriebsbatterien leiden. Ein Beispiel dafür ist der Renault Zoe. Mit einer Quote von 5,1 Prozent rangiert er insgesamt im gehobenen Mittelfeld, doch werden überdurchschnittlich viele Schäden an der Achsaufhängung festgestellt.

Dass Elektroautos auch richtig gut abschneiden können, beweist der inzwischen nicht mehr produzierte VW E-Golf. Mit einer Mängelquote von 2,6 Prozent ist er der beste Kompaktwagen unter den zwei bis drei Jahre alten Fahrzeugen.

 Jeder Fünfte fällt durch 

Das Gesamtbild des TÜV-Reports wird aber nach wie vor von Modellen mit Verbrennungsmotor geprägt. Und auch dort gibt es wie immer Licht und Schatten. Die Gesamtauswertung des TÜV-Reports 2024 zeigt: Mit einem Anteil von 20,5 Prozent ist gut jeder fünfte Pkw mit „erheblichen“ oder „gefährlichen Mängeln“ unterwegs und daher bei der Hauptuntersuchung (HU) durchgefallen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein leichter Anstieg um 0,3 Prozentpunkte.

Bei 11,2 Prozent der Fahrzeuge haben die Sachverständigen „geringe Mängel“ festgestellt (plus 0,5 Punkte). Immerhin 0,05 Prozent wurden als „verkehrsunsicher“ eingestuft und mussten sofort stillgelegt werden. Bezogen auf alle Hauptuntersuchungen in Deutschland entspricht das rund 15.000 Fahrzeugen.

„Nach einem positiven Pandemieeffekt haben sich die Mängelquoten wieder auf dem alten Niveau eingependelt“, sagt Bühler. „Eine nachhaltige Verbesserung der technischen Sicherheit des Pkw-Bestandes in Deutschland ist in den vergangenen Jahren ausgeblieben.“ Fahrzeuge mit „erheblichen Mängeln“ müssen innerhalb eines Monats repariert und dann bei den Prüfstellen erneut vorgeführt werden. Wird ein „gefährlicher Mangel“ festgestellt, müssen die Halter direkt in die Werkstatt fahren.

Durchschnittsalter 10 Jahre

Besonderes Augenmerk legt der TÜV-Report auf ältere Fahrzeuge, da der Anteil der beanstandeten Fahrzeuge naturgemäß mit dem Alter steigt. Das Durchschnittsalter des Pkw-Bestandes in Deutschland steigt kontinuierlich und liegt derzeit im Schnitt bei zehn Jahren. Im Jahr 2023 sind 45 Prozent der Fahrzeugflotte zehn Jahre oder älter.

Wegen der steigenden Bedeutung älterer Autos bildet der aktuelle TÜV-Report erstmals auch 12 bis 13 Jahre alte Fahrzeuge ab. Die Durchfallquote (erhebliche Mängel) liegt in dieser Altersklasse im Schnitt bei 28,9 Prozent. Die anfälligsten Modelle sind Renault Twingo mit 39,9 Prozent und Dacia Logan mit 40,9 Prozent. Der von seinen Haltern offenbar gut gepflegte Audi TT liegt bei nur 15 Prozent.

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Gesamtsieger des TÜV-Reports 2024 ist der VW Golf Sportsvan. Der Anteil der 2- bis 3-jährigen Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln beträgt hier nur 2,0 Prozent. Das ist der niedrigste Wert aller geprüften Fahrzeuge. Auf das Treppchen schaffen es auch der Audi Q2 mit 2,1 Prozent und der Audi TT mit 2,5 Prozent. Bei den 4- bis 5-Jährigen kann neben dem Golf Sportsvan auch Markenbruder T-Roc mit einer Mängelquote von 4,5 Prozent überzeugen. Bei den 6- bis 7-Jährigen gewinnt der Mazda CX-3 mit 6,5 Prozent.

Im Ranking nach Fahrzeugklassen liegt bei den Minis der Opel Karl an der Spitze. Bei den etwas größeren Kleinwagen gewinnt der Peugeot 208, bei den Kompakten der E-Golf. Zuverlässigstes SUV ist der Audi Q2, bester Van der Golf Sportsvan.

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