Restwerte Edel schlägt elektrisch

Von Johannes Büttner 5 min Lesedauer

Im Durchschnitt gingen die Restwerte von Pkw im vergangenen Jahr leicht nach unten. Allerdings gab es erhebliche Unterschiede zwischen den Antriebsvarianten – und das dürfte auch 2025 so bleiben.

Benjamin David rechnet weiterhin mit einer großen Nachfrage nach luxuriösen Gebrauchtwagen.(Bild:  David Finest Sports Cars)
Benjamin David rechnet weiterhin mit einer großen Nachfrage nach luxuriösen Gebrauchtwagen.
(Bild: David Finest Sports Cars)

Der Gebrauchtwagenmarkt war 2024 von einer großen Zurückhaltung geprägt. Hohe Zinsen, wirtschaftliche Unsicherheiten und politische Entwicklungen wie die US-Wahlen haben viele Käufer dazu veranlasst, erst einmal abzuwarten. Daraus resultiert eine Konsequenz, wie man sie in sämtlichen wirtschaftlichen Lehrbüchern nachlesen kann: Verunsicherte Kunden führen zu einer sinkenden Nachfrage. Und die führt – bei einem konstant großen Angebot – zu fallenden Preisen. Fallende Preise, das bedeutet im Fall von Gebrauchtwagen sinkende Restwerte.

Immerhin erreichte dieser Prozess beileibe keine dramatischen Dimensionen. Da sind sich die Experten der beiden großen Marktbeobachter DAT und Schwacke einig. Sie verweisen darauf, dass die Gebrauchtwagenpreise in den Vorjahren infolge von Covid-Pandemie und Fahrzeugmangel auf ein Rekordniveau gestiegen seien. Von dem aus mussten sie zwangsläufig wieder nach unten gehen.

Jetzt scheint – jedenfalls bei Verbrennermodellen – die Talsohle zumindest vorerst durchschritten zu sein. Zum Jahreswechsel stabilisierten sich die Restwerte. „Wir erleben nun wieder ganz normale Schwankungen“, kommentiert Martin Weiss, Leiter Fahrzeugbewertung bei der Deutschen Automobil Treuhand.

Gerade kleinere Benziner seien derzeit verhältnismäßig einfach zu verkaufen und würden niedrige Standzeiten aufweisen. Die Kurve von Diesel-Fahrzeugen verlief zuletzt parallel zu jener der Benziner, allerdings auf einem niedrigeren Niveau. „Wir stellen fest, dass der Diesel generell an Attraktivität verloren hat“, erklärt der Experte. Jedoch sorgt das rückläufige Angebot für stabilisierende Effekte. Es komme aber auf das Modell an. Gerade SUVs seien als Selbstzünder nach wie vor beliebt.

Eine größere Herausforderung für den Handel stellen laut Weiss dagegen hochpreisige Fahrzeuge dar. Dazu passt, dass jüngere und damit teurere Gebrauchte mit teils deutlichen Nachlässen zu haben sind. Die Entwicklung sei aber stark vom jeweiligen Modell und Hersteller abhängig und lasse sich deswegen kaum pauschal bewerten, berichtet Martin Weiss.

Teurer als Neuwagen

So erweisen sich besonders teure Luxuskarossen als ausgesprochen wertstabil. In diesem Segment kann es sogar vorkommen, dass ein gebrauchtes Fahrzeug mehr wert ist als ein vergleichbarer Neuwagen. Benjamin David, Geschäftsführer von David Finest Sports Cars und Experte für Luxusfahrzeuge, berichtet von einer „ungebrochen starken Nachfrage im High-End-Bereich“.

Die Preisentwicklung von limitierten Modellen und Sondereditionen sei weitestgehend unabhängig von der Lage in Deutschland, solange die internationale Nachfrage aus Asien, dem Nahen Osten oder den USA hoch bleibe. Das sei derzeit der Fall, weswegen viele dieser seltenen Fahrzeuge weit über ihrem ursprünglichen Listenpreis gehandelt werden.

Ambivalent entwickelt sich laut David der Oldtimer-Markt: Während Klassiker an Attraktivität verloren haben, steigt das Interesse an jüngeren Modellen aus den 90er- und frühen 2000er-Jahren. Der Experte führt ein paar Beispiele dafür an: „Der klassische Porsche 911 aus den 60er-Jahren, der vor fünf Jahren noch 300.000 Euro kostete, ist heute für 120.000 Euro zu haben – und trotzdem schwer zu verkaufen. Hingegen sind Modelle wie der Porsche 964 oder BMW M3 E46 derzeit stark gefragt.“ Besonders begehrt seien außerdem nicht restaurierte, original erhaltene „Survivor Cars“. Diese erzielten teils Rekordpreise, da Originalität zunehmend geschätzt werde.

An dieser allgemeinen Entwicklung im Luxussegment sollte sich kurzfristig wenig ändern: Besonders seltene und limitierte Fahrzeuge aus den letzten zwei Jahrzehnten werden weiter hohe Preise erzielen und in ihrem Wert noch steigern, prognostiziert David. Und auf dem Oldtimer-Markt würden „Fahrzeuge aus den 80ern, 90ern und frühen 2000ern noch gefragter“. Ein typisches Beispiel sei der Golf 3 – vor einigen Jahren war er noch allgegenwärtig, heute findet man ihn kaum noch auf den Straßen. Damit entwickeln sich auch diese Modelle zu Sammlerstücken.

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Sorgenkind E-Autos

Vom Oldtimer-Status sind Elektroautos schon baujahresbedingt noch weit entfernt. Doch ganz unabhängig davon tun sich batterieelektrisch und auch hybrid angetriebene Fahrzeuge im Luxussegment schwer, meint David. So bleibe der Porsche Taycan deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auch Hybrid-Supersportwagen wie der Ferrari SF90 oder der Ferrari 296 GTB hätten am Markt Probleme und mit Wertverlusten zu kämpfen. „Viele dieser Fahrzeuge werden nur erworben, um später exklusiven Zugang zu limitierten Verbrennermodellen zu erhalten“, glaubt der Fachmann für das Luxussegment.

Ganz generell seien Elektroautos für viele Kunden noch nicht sonderlich attraktiv, weil die technische Entwicklung so schnell voranschreitet. Selbst Menschen, die sich grundsätzlich für ein Elektromodell interessieren, warten dann doch lieber auf das nächste Modell mit besserer Reichweite oder mehr Funktionen, statt jetzt zu kaufen.

Das deckt sich mit den Beobachtungen der Deutschen Automobil Treuhand. Die DAT hat zum Jahreswechsel 2024/25 für dreijährige E-Autos einen durchschnittlichen Restwert von 51,7 Prozent errechnet – mehr als zehn Prozentpunkte weniger als für Benziner (vgl. Grafik).

Besonders dramatisch – und da stimmt die allgemeine Marktsituation mit den Beobachtungen zum Luxussegment überein – sei die Lage bei großen, teuren Stromern mit teils sechsstelligen Listenpreisen. Diese Fahrzeuge hätten beim prozentualen Restwert „teils eine Drei vorne stehen“, sagt DAT-Mann Weiss.

Kunden für Kleinwagen

Kleinere E-Autos hätten zwar ebenfalls deutlich an Wert verloren, seien aber immer noch besser zu vermarkten, da sie den richtigen Preispunkt gefunden haben: „Für gebrauchte 20.000-Euro-E-Autos gibt es potenzielle Kunden, bei hochpreisigen gebrauchten Stromern für über 50.000 Euro müssen diese erst noch gefunden werden“, ergänzt der Experte.

Insgesamt sei das Restwertniveau von E-Autos auf einem – wenn auch niedrigen – Plateau angekommen. Es könnte aber noch weiter sinken, wenn die Hersteller mit Rabattaktionen Neufahrzeuge in den Markt bringen wollen und sich die Kunden nach wie vor in Zurückhaltung üben.

Wenig Optimismus, was die Restwerte von Elektroautos angeht, verbreitet auch Schwacke. Robert Madas, der dort als Regional Head of Valuations unter anderem den deutschen Markt beobachtet, prognostiziert für dieses Jahr bei Elektroautos einen Wertverlust um 3,4 Prozent. Dabei hatten batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge schon zu Jahresbeginn mit 38,2 Prozent den niedrigsten Restwert. Und sie waren schon zuvor häufiger im Preis angepasst worden als Verbrenner, berichtet Madas: „Die Aktivität der Händler war bei den Elektroautos deutlich höher.“

Doch auch für die Restwerte seiner Verbrennerfahrzeuge sollte sich der Handel 2025 laut Schwacke keine allzu großen Hoffnungen machen. Das Unternehmen betrachtet dabei die Angebotspreise im Handel, woraus sich dann die Einkaufspreise ermitteln lassen.

Bei Benzinern erwartet Schwacke, dass die Restwerte dreijähriger Gebrauchter Ende 2025 im Durchschnitt um 2,6 Prozent unter dem Niveau von Dezember 2024 liegen werden. Die Deutsche Automobil Treuhand prognostiziert dagegen für 2025 stabile Restwerte für Benziner und Diesel.

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