Nachwuchswerbung Haitzler hat die Wahl

Von Sybille Weinschenk 4 min Lesedauer

Während viele Kfz-Betriebe händeringend nach Azubis suchen, hat das Autohaus Haitzler ein Luxusproblem: Mehr Bewerber als freie Plätze. Was steckt hinter diesem Erfolg?

Werkstattleiter und Azubis freuen sich über das fertiggestellte Schnittmodell (v. l.): Christian Merkel, Semin Walter, Kevin Zahn, Kai Wunsch und Chiara Qualatrucci.(Bild:  Haitzler)
Werkstattleiter und Azubis freuen sich über das fertiggestellte Schnittmodell (v. l.): Christian Merkel, Semin Walter, Kevin Zahn, Kai Wunsch und Chiara Qualatrucci.
(Bild: Haitzler)

Viele Betriebe im Kfz-Gewerbe haben Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Das Autohaus Haitzler kennt das nur vom Hörensagen. Der Gernsbacher Kfz-Betrieb erhält mehr Bewerbungen als er freie Ausbildungsstellen anbietet. Bei drei gewerblichen und einem kaufmännischen Ausbildungsplatz pro Jahr keine Selbstverständlichkeit.

Was macht Haitzler anders? Das Unternehmen lässt seine Azubis unter anderem eigene Projekte verwirklichen. Diese Herangehensweise wurde sogar ausgezeichnet: Die Innung rief ihre Mitgliedsbetriebe auf, sich für die Best-Kampagne des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zu bewerben.

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Diese Initiative zeichnet vorbildliche Ausbildungsbetriebe aus. Der kaufmännische Ausbildungsverantwortliche Janis Spissinger sah sich die Unterlagen erst nur interessehalber an und stellte schnell fest: „Da gibt es ein paar Punkte, die wir erfüllen – Job-Rotation, Ansprechpartner und so weiter. Eigentlich erfüllen wir alles!“

Eigenes Schnittmodell

Und in der Tat punktete das Familienunternehmen bei der Kampagne gleich mit mehreren Bausteinen: Für die jährliche Ausbildungsmesse in Gernsbach lieh sich das Autohaus regelmäßig ein Motor-Schnittmodell von Mercedes-Benz aus. Sie nutzten es, um interessierten Jugendlichen Einblick in die Kfz-Technik zu geben. Diese Routine brachte sie schließlich auf die Idee, selbst ein Schnittmodell zu bauen.

Gesagt, getan. Christian Warth, Serviceleiter von Haitzler, und Damian Grohs, technischer Ausbildungsverantwortlicher, bauten aus einem Unfallfahrzeug, das der Kfz-Betrieb vor Ort stehen hatte, den Motor aus. Dann begann das eigentliche Projekt: Grohs leitete es und begleitete die Azubis bei allen weiteren Arbeitsschritten.

Bis zur letzten Schraube

Der praktische Nutzen des Projekts war klar: Azubis kennen die Bauteile eines Motors aus der Theorie. In der Praxis haben sie diese aber kaum in der Hand. Bei Motorschäden bauen Werkstätten nämlich oft den kompletten Motor aus und einen neuen ein. Um zu sehen, wie die einzelnen Bauteile aussehen und wie sie zusammenarbeiten, fräste eine Fremdfirma den Motor auf und machte das Innere sichtbar.

Nun konnten die Azubis den Motor bis zur letzten Schraube zerlegen. Dabei arbeiteten sie nach dem Reparaturleitfaden von Volkswagen. Sie säuberten alles und bauten die Teile anschließend wieder zusammen. Zum Schluss kennzeichneten sie mit grünem und rotem Lack, wo Frischluft hineinkommt, Benzin hineinläuft und Abgase herausgehen.

Das Projekt lief parallel zum normalen Werkstattbetrieb – die Azubis arbeiteten daran, wann immer Kapazitäten frei waren. So dauerte es drei Jahre bis zur Fertigstellung. Den künftigen Fachkräften machte die Arbeit so viel Spaß, dass schnell klar war: Es wird ein weiteres Projekt geben.

Vom Motor zum Getriebe

Tatsächlich folgte schon bald das nächste – ein Getriebe-Schnittmodell eines VW Golf IV. Durch die bisherigen Erfahrungen ging die Arbeit schneller voran. Im Gegensatz zum Motor war das Getriebe schon nach anderthalb Jahren fertig.

Auch bei diesem Projekt durften alle Azubis mitmachen. Das Getriebe wurde komplett demontiert, die Gehäusehälften präzise aufgeschnitten und alle Zahnräder, Synchronringe und weitere Getriebeteile freigelegt. Der kaufmännische Azubi fotografierte die verschiedenen Entwicklungsstufen und dokumentierte den Projektfortschritt auf Instagram und Facebook sowie auf der Website des Autohauses.

Doch was bringen diese aufwendigen Projekte? Mehr als zunächst erkennbar ist. Die Azubis erfassen nicht nur die komplexen Abläufe im Motor und Getriebe. Beim Planen und Umsetzen unterstützen sie sich gegenseitig und sind gemeinsam für das Endergebnis verantwortlich. Das stärkt den Teamgeist. Ihr Stolz auf das selbst verwirklichte Projekt motiviert sie und trägt mit dazu bei, dass sie auch nach der Ausbildung im Unternehmen bleiben.

Feste Ansprechpartner

Neben den Projekten setzt Haitzler auf bewährte Ausbildungsstrukturen: Mentoring und Job-Rotation. Die Auszubildenden haben stets mindestens zwei Ansprechpartner. In der Werkstatt wechseln sie wöchentlich oder alle zwei Wochen die Arbeitsbereiche, von Inspektionen über Unfallreparaturen bis zu Elektronik und Motorarbeiten. Der Geselle, der für den jeweiligen Bereich zuständig ist, ist zugleich Ansprechpartner. Außerdem steht Ihnen Werkstattleiter Christian Merkel zur Seite.

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Bei den kaufmännischen Azubis läuft es ähnlich. Sie wechseln durch die Abteilungen und gehen in die Werkstatt. Haitzler legt Wert darauf, dass sie die Funktionen eines Autos kennen. Schließlich ist das eine wichtige Grundlage, um effektiv im Verkauf oder im Service zu arbeiten. Beim Lernen mit den Ausbildungsmedien autoFACHMANN und autoKAUFMANN ist Damian Grohs erster Ansprechpartner.

Kaum einer bricht ab

Der Umgang mit den Azubis zahlt sich aus: 90 Prozent von ihnen bleiben dem Gernsbacher Familienunternehmen treu – viele mittlerweile als Gesellen. Ausnahmen gibt es natürlich: Ein Azubi brach wegen eines Umzugs ab, ein anderer entdeckte einen Berufsweg, der besser zu ihm passt. Insgesamt sind Abbrüche jedoch selten – im Gegensatz zur durchschnittlichen Abbruchquote von 25 Prozent.

Die Erfolgsgeschichte soll weitergehen. Haitzler plant, die Azubi-­Projekte fortzusetzen und die Qualität der Ausbildung dadurch weiter zu stärken. Nachdem das Getriebeprojekt kürzlich abgeschlossen wurde, denken Grohs, Spissinger, Merkel und Warth bereits über neue Ideen nach. Noch ist nichts entschieden, doch voraussichtlich werden auch die neuen Azubis von einem weiteren Projekt profitieren.

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