Sind junge Menschen noch bereit, sich mit den Anforderungen des Berufslebens auseinanderzusetzen? Und wie können Ausbildende sie dabei am besten unterstützen? Die Shell Jugendstudie 2024 gibt Antworten.
(Bild: ProMotor/T. Volz)
Man hört und liest es immer wieder: Die junge Generation sei im Job vergleichsweise wenig belastbar und nicht daran interessiert, Karriere zu machen. Gleichzeitig habe sie überzogene Gehaltsvorstellungen und wolle am liebsten die 4-Tage-Woche im Homeoffice verbringen. Doch stimmt das wirklich?
Die Shell Jugendstudie 2024 wirft einen differenzierten Blick auf die Gruppe der 12- bis 25-Jährigen und liefert positive Ergebnisse. Allen globalen Herausforderungen zum Trotz bleibt die Jugend optimistisch – insbesondere in Bezug auf ihre beruflichen Perspektiven: Die meisten Jugendlichen (92 %) gehen davon aus, dass sie nach der Ausbildung übernommen werden. Mehr als vier Fünftel (84 %) sind zuversichtlich, dass sie ihre beruflichen Ziele erreichen werden.
Sie fordern mehr als nur Geld
Jugendliche wünschen sich ein erfüllendes Berufsleben. Was heißt das? Im Gegensatz zu früheren Generationen geht es ihnen nicht mehr nur darum Geld zu verdienen. Auch die persönliche Erfüllung spielt in Bezug auf ihre Arbeit eine große Rolle. Es ist ihnen wichtig, eigene Ideen einzubringen und voranzutreiben und dafür auch Anerkennung von Ausbildenden und aus dem Kollegenkreis zu bekommen.
Für manche bedeutet der Beruf vor allem Arbeit mit Sinn und Zweck. Sie legen Wert auf sinnvolle und sozial wertvolle Arbeit, bei der sie sich sich für andere einsetzen oder Gutes für die Gesellschaft tun können. Teamarbeit und der Austausch mit verschiedenen Menschen sind ebenfalls zentral – sie wollen von diesen zwischenmenschlichen Beziehungen lernen und profitieren.
Sie wollen arbeiten – nur anders
Ein weiterer wichtiger Faktor für Jugendliche ist die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Sie wünschen sich häufiger die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten. Nicht um weniger zu tun, sondern um den Beruf und andere Lebensinhalte besser ausbalancieren zu können.
(Bild: Shell Jugendstudie 2024)
Für handwerkliche und technische Berufe wie im Kfz-Bereich stellt sich die Frage, wie realistisch solche Modelle in der Praxis umgesetzt werden können. Für viele Jugendliche steht jedoch fest: Zufriedenheit und Produktivität hängen stark davon ab, ob sich Beruf und Freizeit gut vereinbaren lassen.
Auch in puncto Familienplanung ist Flexibilität gefragt. Viele möchten die Möglichkeit haben, ihre Arbeitszeit nach der Familiengründung anpassen zu können – sei es durch Teilzeitmodelle oder durch das kurzfristige Umgestalten der Arbeitszeit.
Bodenständig, idealistisch oder Karriere machen?
Ein knappes Viertel (24 %) der Jugendlichen hat eine sehr bodenständige Einstellung zum Berufsleben. Sie legen großen Wert darauf, dass ihre Arbeit einen praktischen Nutzen hat und ihnen dabei hilft, den Lebensweg sicher zu planen. In dieser Gruppe sind überwiegend junge Männer (57 %) zu finden, die häufig aus sozial schwächeren Verhältnissen mit einfachem oder mittlerem Schulabschluss stammen.
Einem weiteren Viertel (25 %) der Jugendlichen geht es neben der eigenen Erfüllung auch darum, einen positiven Beitrag für andere leisten zu können. In dieser Gruppe sind überwiegend junge Frauen (60 %) vertreten. Was das Bildungsniveau angeht, haben mehr als zwei Drittel (69 %) Abitur oder streben es an.
Etwa ein Drittel (34 %) der Jugendlichen strebt eine gute Karriere und ein solides Gehalt an. Weil sie neben der Arbeit auch noch andere Interessen haben, legen sie großen Wert darauf, dass sich Beruf und Privatleben gut miteinander vereinbaren lassen. In dieser Gruppe sind etwas mehr Männer (52 %) als Frauen (48 %) zu finden. Jugendliche mit Abitur sind hier überproportional stark (62 %) vertreten.
Rollenbilder im Aufbruch?
Die Mehrheit der bodenständigen Männer (55 %) hält an traditioneller Rollenverteilung fest: Wenn sie eine Famlie gründen, wollen sie vorrangig arbeiten gehen, während die Partnerinnen sich um Kinder und Haushalt kümmern. Ein erheblicher Teil (40 %) hingegen wünscht sich, Arbeits- und Familienzeit möglichst gleichberechtigt aufteilen zu können. Die jungen Frauen in dieser Gruppe lehnen das klassische Modell mehrheitlich ab – 60 % von ihnen sind gegen die Vorstellung, dass der Mann der Hauptverdiener ist.
(Bild: Shell Jugendstudie 2024)
In der Gruppe der Idealisten lehnt die Mehrheit der jungen Männer das Versorgermodell ebenfalls ab. Nur 43 % von ihnen gefällt die Idee, dass sie als Väter hauptsächlich dafür zuständig sein sollten, das Geld zu verdienen. Unter den jungen Frauen sind es 47 %, die das konservative Rollenbild befürworten.
Stand: 08.12.2025
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Interessant ist auch das Bild in der Gruppe der Karrieristen: Hier sprechen sich 60 % der jungen Männer für das traditionelle Modell aus, während bei den jungen Frauen nur 50 % dieser Ansicht sind.
So können Ausbildende ihre Azubis unterstützen
Jugendliche legen heute mehr Wert auf persönliche Erfüllung, Flexibilität und ein Arbeitsumfeld, in dem sie eigene Ideen einbringen können und gut im Team arbeiten. Um ihre Azubis zu unterstützen und zu motivieren, sollten Ausbildende ihnen mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten geben und ihre Leistungen anerkennen: Geben Sie den Jugendlichen die Chance, sich aktiv an Projekten zu beteiligen und Verantwortung zu übernehmen. Dadurch wächst nicht nur ihr Selbstbewusstsein, sondern auch ihre Motivation und Lernbereitschaft.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Balance zwischen Arbeit und Privatleben stimmt. Flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten, helfen dabei. Auch in handwerklichen Berufen gibt es Wege, mehr Flexibilität zu schaffen – etwa durch digitale Lernplattformen, rotierende freie Tage oder Schichtmodelle, die besser auf die persönlichen Bedürfnissen der Azubis eingehen. So werden sie zufriedener arbeiten und gleichzeitig mehr leisten.
Zahlen und Fakten zur Shell Jugendstudie
Die Shell Jugendstudie ist ein Langzeitprojekt, dass es schon seit 1952 gibt. Alle vier bis fünf Jahre untersucht die Studie, wie junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren leben, was ihnen im Beruf wichtig ist, wie sie zu Familie stehen und welche politischen Ansichten sie haben. Die aktuelle Studie ist bereits zum 19. Mal erschienen und wurde am 15. Oktober 2024 vorgestellt. Sie basiert auf den Antworten von 2.509 repräsentativ ausgewählten Jugendlichen der Jahrgänge 1998 bis 2012.