Karriere im Kfz-Handwerk Bis ganz nach oben

Von Sybille Weinschenk 4 min Lesedauer

„Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt Sascha Stößel über seinen Weg vom Azubi zum Geschäftsführer. Was er sich hart erarbeitet hat und wie sich Kunden, Azubis und Karrierewege seitdem verändert haben.

Geschäftsführer Sascha Stößel mit einer ehemaligen Auszubildenden, die inzwischen übernommen wurde.(Bild:  Autohaus Robert Kunzmann)
Geschäftsführer Sascha Stößel mit einer ehemaligen Auszubildenden, die inzwischen übernommen wurde.
(Bild: Autohaus Robert Kunzmann)

Herr Stößel, wie sind Sie 1997 zu Ihrer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei Kunzmann gekommen?

Durch Zufall. Ich jobbte neben dem Zivildienst im Getränkehandel und lernte dort Claus Weller kennen, den damaligen Ausbildungsleiter von Kunzmann. Ich war völlig orientierungslos; studieren oder nicht? Auf Schule hatte ich keine Lust mehr. Als ich dann in der Zeitung las, dass Kunzmann Azubis sucht, habe ich mich beworben – ganz regulär und ohne Vitamin B.

Sie haben mal gesagt, Sie seien zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Was war Glück und was harte Arbeit?

Nach der praktischen Prüfung im April 1999 kam der Seniorchef zu mir und fragte, ob ich Verkäufer werden wollte. Es hatte einer gekündigt, und da brauchten sie schnell Ersatz. Das war eine einmalige Chance. Grundgehalt waren umgerechnet etwa 1.100 Euro brutto, aber mit Provisionen hatte ich die Chance, das Doppelte zu verdienen. Als junger Mensch war das ein Vermögen.

Ich habe aber auch hart dafür gearbeitet: Arbeitsbeginn war damals um 7:45 Uhr, nachmittags hatte ich Kundentermine und bin dann oft erst um 20:30 Uhr zu Hause gewesen. Das waren regelmäßig 12-Stunden-Tage. Nach der Zeit als Verkäufer ging es weiter: 2006 wurde ich Teamleiter, 2010 Verkaufsleiter, und seit 2022 bin ich in der Geschäftsführung.

Was hat sich in der Arbeitswelt seit damals verändert?

Dass der Seniorchef persönlich kommt und dich fragt, ob du Verkäufer werden willst, kann man heutzutage nicht mehr erwarten. Und auch mit den Kunden waren die Beziehungen noch viel intensiver: Ich hatte zwar schon ein Handy, aber noch keine E-Mail, nur Fax. Ich bin zu den Kunden gefahren und konnte mich zu 100 Prozent auf die Gespräche konzentrieren. Das Telefon blieb im Auto.

Als ich mal mit einem Nachwuchsverkäufer unterwegs war, kamen wir bei den Kunden rein und auf dem gedeckten Tisch standen Kuchen und belegte Brötchen. Der Kollege fragte entsetzt: „Um Gottes willen, stören wir hier?“ Ich sagte: „Nee, das ist für uns.“ So wurden wir damals empfangen! Das war noch eine andere Kundengeneration. Heute gibt es das nicht mehr.

Worauf legen Sie mehr Wert? Gute Noten oder praktische
Erfahrung?

Ich bin immer für die Praktiker. Wir stellen heute auch Jugendliche ein, die wir vor Jahren aufgrund ihrer Noten womöglich nicht genommen hätten. Wer einen Hauptschulabschluss hat, aber schon mal am Moped geschraubt hat, bringt uns oft mehr als jemand mit Abitur, der die Zeit nur nutzt, um schnell weiterzukommen. Deshalb machen wir bei den gewerblichen Azubis einen Probearbeitstag. Das praktische Können zählt da mehr als die Noten.

Was sind die größten Hürden für Azubis heute?

Immer mehr Azubis kommen aus instabilen Verhältnissen, sowohl die gewerblichen als auch die kaufmännischen. Sie haben beispielsweise Probleme, morgens rechtzeitig aufzustehen, weil sie nicht geweckt werden. Bekommen keine Unterstützung, wenn es in der Berufsschule hakt. Was vor Jahren noch Einzelfälle waren, ist heute ausgeprägter. Wenn wir früher einen solchen Fall im Jahr hatten, sind es heute eine Handvoll.

Wie viele Azubis brechen ab?

Die meisten schaffen die Ausbildung. Wer abbricht, tut das oft schon zu Beginn, weil er merkt, dass der Job anspruchsvoller ist als gedacht. Diejenigen, die bleiben, entwickeln sich während der Ausbildung zu Persönlichkeiten. Klar gibt es auch mal Phasen, die laufen nicht rund. Dann sind sie vielleicht auf Platz 70 in unserem halbjährlichen Ranking. Aber am Schluss schaffen sie es doch nach vorne.

Und wie viele übernehmen Sie später?

Unsere Übernahmequote liegt bei rund 80 Prozent. Das ist zwar etwas niedriger als früher, aber immer noch sehr hoch.

Was raten Sie einem jungen Menschen, der Karriere machen will?

Gas geben und vollen Einsatz zeigen, dann hat man bei Kunzmann alle Chancen. Wir haben nämlich den Anspruch, 80 Prozent unserer Führungskräfte aus den eigenen Reihen zu besetzen: Teamleiter, Werkstattleiter, Verkaufsleiter – da gibt es wirklich viele Möglichkeiten.

Was heißt das konkret „vollen Einsatz zeigen“? Müssen junge Mitarbeitende heute auch so lange arbeiten wie Sie damals?

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Nein, den Job muss man heute nicht mehr zwingend als Lebensaufgabe sehen. Wer grundsätzlich innerhalb der üblichen Geschäftszeiten arbeitet, kann trotzdem erfolgreich sein. Schließlich sind die technischen Hilfsmittel heute viel besser als zu Beginn meiner Laufbahn: LinkedIn für Kundenbeziehungen, Call-Center-Unterstützung und Computersysteme, die Kundendaten aufbereiten. All das erleichtert die Arbeit des Verkaufsteams.

Und trotzdem sind nicht alle gleich erfolgreich. Warum?

Entscheidend ist immer auch der Servicegedanke, und da sehe ich große Unterschiede. Wenn ein Kunde sagt: „Ich kann erst um 18:30 Uhr“, dann gibt es diejenigen, die antworten: „Das kriegen wir hin“, und andere, die meinen: „Geht nicht, ich bin nur bis 18 Uhr da.“

Genauso wichtig ist die Kommunikation. Ich rate den jungen Leuten immer, dass sie die Kunden direkt ansprechen, gerade, wenn es Probleme gibt. Das ist Gold wert. Wer sich hinter WhatsApp und Co versteckt, wird nicht weiterkommen.

Was ist ihr wichtigster Tipp für junge Nachwuchskräfte?

Sie sollten sich und ihr Verhalten regelmäßig hinterfragen. Ich überlege beispielsweise nach jedem schwierigen Gespräch, egal ob mit Kunden oder Mitarbeitenden, was gut lief und was nicht. Was ich beim nächsten Mal anders machen kann. Nur wer bereit ist, ehrlich zu sich selbst zu sein und an sich zu arbeiten, entwickelt sich weiter.

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