TÜV-Weiterbildungsstudie Mehr KI-Schulungen – und doch zu wenige

Von Johannes Büttner 3 min Lesedauer

Das Thema Weiterbildung bleibt in deutschen Unternehmen wichtig, ist aber nur selten strategisch verankert. Das geht unter anderem aus der aktuellen Weiterbildungsstudie des TÜV-Verbands hervor.

Der TÜV-Verband hat eine Studie zu Weiterbildungen in deutschen Unternehmen erstellt. (Bild:  TÜV-Veband)
Der TÜV-Verband hat eine Studie zu Weiterbildungen in deutschen Unternehmen erstellt.
(Bild: TÜV-Veband)

Die Weiterbildungsaktivitäten im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) nehmen in der deutschen Wirtschaft deutlich zu: 27 Prozent der Unternehmen haben ihre Beschäftigten bereits im Umgang mit KI geschult. Damit hat sich der Anteil innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Knapp jedes zehnte Unternehmen plant entsprechende Maßnahmen konkret und 17 Prozent ermitteln aktuell den Bedarf.

Das ist ein zentrales Ergebnis der „TÜV Weiterbildungsstudie 2026“, für die Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden befragt hat. „Der Ausbau von KI-Kompetenzen in der Wirtschaft gewinnt an Dynamik“, sagte Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, bei Vorstellung der Studienergebnisse. „Immer mehr Unternehmen investieren in entsprechende Weiterbildungsangebote.“

Gleichzeitig bleibt ein großer Teil der Unternehmen zurückhaltend: Knapp die Hälfte der Befragten (45 Prozent) sieht derzeit keinen Bedarf an KI-Weiterbildungen. Vorreiter bei KI-Weiterbildungen sind große Unternehmen ab 250 Beschäftigten: Fast jedes zweite Großunternehmen (49 Prozent) hat bereits geschult. Deutlich niedriger ist der Anteil bei mittleren Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitenden (32 Prozent). In kleinen Unternehmen mit 20 bis 49 Beschäftigten liegt er bei nur 21 Prozent.

Mehr Nutzung als Qualifizierung

Laut der Unternehmensbefragung ist der Einsatz generativer KI im Arbeitsalltag bereits weiter verbreitet als die Qualifizierung: 56 Prozent nutzen Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Copilot im Arbeitsalltag. „Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst im Arbeitsalltag angekommen, aber der Kompetenzaufbau hält mit der Nutzung nicht Schritt“, sagt Bühler. „Wer KI produktiv und sicher einsetzen will, muss gezielt in die Qualifizierung der Beschäftigten investieren.“

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage bleibt Weiterbildung für die große Mehrheit der Unternehmen von hoher Bedeutung: 87 Prozent bewerten sie als sehr wichtig oder eher wichtig. Zugleich hat sich jedoch der Anteil der Unternehmen, die Weiterbildung eine geringere Bedeutung beimessen, innerhalb von zwei Jahren von 6 auf 13 Prozent mehr als verdoppelt.

Zudem ist Weiterbildung in vielen Unternehmen nicht strategisch verankert: Nur 29 Prozent verfügen über eine schriftlich fixierte Weiterbildungsstrategie. Bühler: „In wirtschaftlich angespannten Zeiten wird Weiterbildung oft zurückgestellt. Genau das ist der Fehler. Gerade jetzt liegt die Chance darin, freie Kapazitäten gezielt für Qualifizierung zu nutzen.“

Begrenzte Zeit- und Finanzbudgets

Der Zugang zu Weiterbildung ist in vielen Unternehmen gegeben: Drei Viertel der Unternehmen ermöglichen Qualifizierungsangebote für alle Mitarbeitenden, 19 Prozent für bestimmte Gruppen. 6 Prozent bieten keine Weiterbildung an.

Beim zeitlichen Umfang zeigt sich jedoch ein begrenztes Niveau: 51 Prozent der Unternehmen stellen drei bis fünf Weiterbildungstage pro Jahr zur Verfügung, 23 Prozent ein bis zwei Tage. Mehr als neun Tage sind nur in 8 Prozent der Unternehmen üblich.

Auch die finanziellen Ressourcen bleiben häufig gering: 29 Prozent der Unternehmen investieren weniger als 500 Euro pro Mitarbeitendem und Jahr. Die Mehrheit liegt zwischen 500 und 1.000 Euro, während 18 Prozent 1.000 bis 2.000 Euro und 7 Prozent mehr als 2.000 Euro bereitstellen.

Politischer Handlungsbedarf

Aus Sicht des TÜV-Verbands besteht angesichts der technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Handlungsbedarf im Bereich der betrieblichen Weiterbildung. Unternehmen sollten Weiterbildung stärker strategisch verankern und den Aufbau von KI-, Digital- und Cyberkompetenzen systematisch vorantreiben. Die Zusammenarbeit mit professionellen Bildungspartnern und praxisorientierte, qualitätsgesicherte Weiterbildungsangebote können dazu beitragen, neue Technologien sicher und produktiv einzusetzen.

Darüber hinaus komme es darauf an, Weiterbildung stärker in den Arbeitsalltag zu integrieren. Ein bedarfsgerechter Mix aus Präsenz-, Online- und Blended-Learning-Formaten, kürzere Lernzyklen sowie verbindliche Lernzeiten und eine aktive Rolle von Führungskräften kann die Lernkultur stärken.

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Auch die politischen Rahmenbedingungen sind entscheidend. „Deutschland braucht eine Bildungsoffensive für KI-, Digital- und Cyberkompetenzen“, sagt Bühler. „Nur mit qualifizierten Beschäftigten können Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und die Potenziale neuer Technologien nutzen.“

Unternehmen, insbesondere im Mittelstand, benötigen leichteren Zugang zu praxisnahen und flexiblen Angeboten. Dazu gehören auch verlässliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Honorarkräften sowie zeitgemäße Regelungen für digitale Weiterbildungsformate. Bislang werde betriebliche Weiterbildung – obwohl politisch gewollt – vielfach durch Bürokratie und veraltete Rahmenbedingungen ausgebremst, so Bühler.

Der vollständige Studienbericht der „TÜV Weiterbildungsstudie 2026“ kann auf der Seite des TÜV-Verbands kostenlos abgerufen werden.

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