German Craft Skills 2025 Neue Deutsche Meister aus Bayern und Baden-Württemberg

Von Edgar Schmidt und Sybille Weinschenk 5 min Lesedauer

Das Deutsche Kfz-Gewerbe hat zwei neue Bundessieger: Kfz-Mechatroniker Hannes Wirsing aus Bayern und Automobilkaufmann Mark Guttek aus Baden-Württemberg. Beide konnten sich am 14. November im Bildungszentrum der HWK Koblenz beim Finale der Deutschen Meisterschaft im Handwerk erfolgreich durchsetzen.

Die beiden neuen Deutschen Meister Hannes Wirsing (Kfz-Mechatroniker, 2. v. li.) und Mark Guttek (Automobilkaufmann). Sie wurden beglückwünscht von Hans Werner Norren (li.), Präsident des Landesverbandes Rheinland-Pfalz und Joachim Noll, Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer Koblenz. (Bild:  Schmidt - VCG)
Die beiden neuen Deutschen Meister Hannes Wirsing (Kfz-Mechatroniker, 2. v. li.) und Mark Guttek (Automobilkaufmann). Sie wurden beglückwünscht von Hans Werner Norren (li.), Präsident des Landesverbandes Rheinland-Pfalz und Joachim Noll, Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer Koblenz.
(Bild: Schmidt - VCG)

Wenn an einem Freitag im November gleich eine ganze Reihe von Fahrzeugen mit großen Problemen in der Werkstatt steht und einige Kunden intensiven Beratungsbedarf haben, dann ist nicht das Herbstwetter schuld. Vielmehr läuft das Finale der Deutschen Meisterschaft im Handwerk bei den Kfz-Mechatronikern und Automobilkaufleuten. In diesem Jahr waren bei den Automobilkaufleuten sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer angetreten, bei den Kfz-Mechatronikern 16. Sie haben bereits durch hervorragende Noten bei ihrer Abschlussprüfung sowie durch gute Leistungen bei Innungs-, Kammer- und Landeswettbewerben gezeigt, dass sie zur Elite im Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe gehören.

In den Räumen der Handwerkskammer Koblenz trafen sie auf anspruchsvolle Aufgaben und optimale Wettbewerbsbedingungen. Das Team um Mario Monschauer hatte den Wettkampf hervorragend organisiert.

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Bei den Kfz-Mechatronikern mussten die jungen Expertinnen und Experten an zehn Stationen Aufgaben aus der Kfz-Elektrik und -Elektronik sowie aus der Mechanik lösen. Für die meisten hatten sie gerade einmal 20 Minuten Zeit, sich einzuarbeiten und dem Fehler auf die Spur zu kommen. In den Parcours waren auch zwei sogenannte Blockaufgaben integriert. An diesen Stationen betrug die Arbeitszeit insgesamt 90 Minuten, denn hier waren gleich mehrere Fehler zu finden und zu beheben beziehungsweise umfangreiche Prüfungen durchzuführen.

Die Blockaufgaben sollen die Teilnehmer auf internationale Wettbewerbe wie die Euroskills und Worldskills vorbereiten. Die bestplatzierten Kfz-Mechatroniker beim Finale der Deutschen Meisterschaften haben die Chance – wenn sie jung genug sind –, eine Wettkampfkarriere bei Europa- und Weltmeisterschaften zu starten. Aus diesem Grund mussten die jungen Fachkräfte auch an einer Station Englisch sprechen.

Auch der Weg wird bewertet

Im Wesentlichen brauchten die Landesmeister Diagnose- und Systemkompetenz, um bei den vielfältigen Aufgaben zu punkten. Außerdem bewerteten die Prüfer die Vorgehensweise sowie den Umgang mit den Werkzeugen. Das erledigte Hannes Wirsing aus Bayern am besten. Auf Platz zwei landete mit nur 0,6 Punkten Abstand Georg Wahl aus Hessen. Platz drei erkämpfte sich Phillip Dietrich aus Thüringen.

Wirsing hat seine Ausbildung beim Volkswagen-Autohaus Hölzer im unterfränkischen Bad Königshofen gemacht und seine Gesellenprüfung als Innungsbester bestanden. Aktuell ist er in der Prüfungsphase seiner Meisterausbildung, die er direkt nach der Ausbildung begonnen hat. Während des Wettbewerbs zeigte er keine besonderen Schwächen. Am besten gefallen hat ihm die Blockstation, bei der die Teilnehmenden an einem VW Golf GTE mehrere Fehler im Antriebsstrang diagnostizieren mussten. Die Kundenbeanstandung im Auftrag lautete dafür lediglich: „Das Fahrzeug wurde eingeschleppt und springt nicht an.“ An dieser Station erreichte Wirsing mit 96,5 % die höchste Punktzahl aller Teilnehmenden.

Das sind gute Voraussetzungen für die Worldskills. Mit 21 Jahren ist Hannes Wirsing nämlich noch jung genug, um an der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Shanghai teilnehmen zu können. Denn dafür gibt es eine Altersbeschränkung: Teilnehmer an den Worldskills dürfen im Wettbewerbsjahr nicht älter als 22 Jahre sein. Um sich das Ticket dafür zu sichern, kann er sein Wissen bereits im Dezember beim Eurocup in Bern das nächste Mal unter Beweis stellen. Mit diesem Wettbewerb bereiten die Kfz-Verbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Südtirol traditionell ihre Teilnehmer auf die Berufsweltmeisterschaften vor.

Wirsing wäre auch noch jung genug für die nächsten Europameisterschaften, die Euroskills 2027 in Düsseldorf. Denn hier dürfen die Teilnehmer höchstens 25 Jahre alt sein. Diese Chance hat ebenfalls noch der zweitplatzierte Georg Wahl, der für die Worldskills allerdings schon zu alt ist.

Gewinner bei den Automobilkaufleuten

Bei den Automobilkaufleuten kämpften zwei Frauen und fünf Männer um den Titel. Mark Guttek aus Baden-Württemberg sicherte sich den ersten Platz, Christoph Sprank aus Nordrhein-Westfalen folgte auf Platz zwei und Erik Fischer aus Mecklenburg-Vorpommern komplettierte das Siegertreppchen. Die weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Alex Borschewski aus Niedersachsen, Jan Kronenberger aus Rheinland-Pfalz, Laura Thiel aus Thüringen und Lana Juma Yousef aus Hessen.

Guttek absolvierte seine Ausbildung beim Audi-Exklusivbetrieb Auto Hofmann Walldorf und arbeitet seit September als Verkaufsberater bei BMW in der Cloppenburg Gruppe in Worms. Seinen neuen Arbeitgeber hatte er über die Teilnahme gar nicht informiert: „Ich wollte erst mit Ergebnissen vortreten. Das wird eine positive Überraschung werden.“ Sprank lernte beim Autohaus Stricker in Horn-Bad Meinberg und arbeitet mittlerweile beim Autohaus Hermann Hache in Blomberg. Erik Fischer ist beim Mercedes Autohaus Brinkmann in Neubrandenburg angestellt und macht dort gerade eine Weiterbildung zum Geprüften Automobilverkäufer.

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Im Wettbewerb stellten sich die Teilnehmenden vier unterschiedlichen Aufgaben, die einen Querschnitt kaufmännischer Themen abbildeten. Eine der Aufgaben mussten sie innerhalb von 20 Minuten rein schriftlich bearbeiten. Für die drei mündlichen Prüfstationen hatten sie je 20 Minuten Vorbereitungszeit, gefolgt von einem 20-minütigen Prüfungsgespräch.

Vom Reifenservice bis zum Flottenmanagement

Die Teilnehmenden begannen alle zusammen mit der schriftlichen Aufgabe zum Thema „Service rund um den Reifen“. Hier mussten sie ein Beratungsgespräch mit einer Stammkundin vorbereiten: Deren eingelagerte Winterreifen haben noch 3 mm Profiltiefe; soll sie diese montieren lassen oder neue kaufen? Gefragt waren gesetzliche Vorgaben, Sicherheitsaspekte und branchenübliche Empfehlungen.

Bei der Fahrzeugbewertung sollten die Teilnehmenden einen Gebrauchtwagen für eine Inzahlungnahme bewerten. Sie mussten erläutern, welche Baugruppen sie prüfen, wie die optische und technische Aufbereitung abläuft und welche Faktoren den Wert des Fahrzeugs erhöhen oder mindern. Laut Prüferin Isabel Rust war diese Station für fast alle gut zu bewältigen.

Bei der Unfallabwicklung schlüpften die Kandidatinnen und Kandidaten in die Rolle von Kundendienstmitarbeitenden. Ein aufgeregter Kunde berichtet von seinem Autounfall: Wie bereiten die Prüflinge die Auftragsabwicklung vor? Wie unterscheidet sich die Abwicklung der Schadensarten basierend auf der Schuldfrage? Diese Station forderte die Teilnehmenden besonders heraus, so Prüfer Oliver Weckler. Auch Sieger Mark Guttek räumte ein: „Die Basics hat man drauf, aber bei den Details wird’s schwierig.“

Das Flottenmanagement rundete den Wettbewerb ab. Die Teilnehmenden schlüpften in die Rolle von Verkaufsmitarbeitenden, die gemeinsam mit einer fiktiven Verkaufsleitung Groß- und Firmenkunden betreuen. Welche Informationen benötigt man, um eine Flotte zusammenzustellen? Welche Leistungen charakterisieren modernes Flottenmanagement? Und wie unterscheidet sich die Betreuung von Geschäftskunden gegenüber Privatkunden? Auch diese Aufgabe war bewusst anspruchsvoll gewählt, wie Prüfer Ioannis Lalissidis bestätigte.

Shanghai bleibt ein Traum

Der kaufmännische Sieger Mark Guttek überzeugte mit konstanten Leistungen an allen Stationen. Mit seinem Sieg hat er laut eigener Aussage jedoch nicht zwingend gerechnet: „Ich bin zwar generell ein Typ, der auf Erfolg und Gewinn aus ist, trotzdem bin ich überrascht, dass ich mir den ersten Platz sichern konnte.“ Umso mehr bedauert er, dass es für die Automobilkaufleute keine internationalen Wettbewerbe gibt wie die Euro- oder Worldskills: „Ich wäre gerne auch auf Weltmeisterebene angetreten. Vor allem, wenn’s nach Shanghai gegangen wäre – darauf hätte ich richtig Bock gehabt.“

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