Branchenallianz Neues Schulungskonzept für das Autoglasgeschäft

Von Jakob Schreiner 3 min Lesedauer

Eine Kooperation von Branchengrößen hat eine Schulung auf den Weg gebracht, die ab sofort zum TÜV-zertifizierten Fachspezialisten für Kfz-Verglasung und Sensorik ausbildet. Eine Chance für Werkstätten, endlich im lukrativen Autoglasgeschäft Fuß zu fassen.

Die korrekte Diagnose entscheidet darüber, ob der Glasschaden repariert werden kann oder die Scheibe komplett ausgetauscht werden muss. Auch das bekommen die Teilnehmer beim Lehrgang vermitteln.(Bild:  Würth)
Die korrekte Diagnose entscheidet darüber, ob der Glasschaden repariert werden kann oder die Scheibe komplett ausgetauscht werden muss. Auch das bekommen die Teilnehmer beim Lehrgang vermitteln.
(Bild: Würth)

Das millionenschwere Geschäftsfeld Autoglas lassen viele Werkstätten ungenutzt liegen und überlassen es lieber anderen. Die Gründe dafür variieren: fehlende Routine, Angst vor kostspieligen Fehlern, hohe Investitionskosten für Spezialwerkzeuge, zunehmende technische Komplexität durch Sensorik oder Unsicherheiten bei Versicherungsabwicklung. Dabei bietet das Glasgeschäft lukrative und relativ einfach zu erwirtschaftende Umsätze. Es nicht zu nutzen, sei ein fataler Fehler, betonen Branchenexperten seit Jahren.

Mit dem auf den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen 2025 vorgestellten neuen Schulungskonzept „Fachspezialist Kfz-Verglasung und Sensorik“ gibt es nun einen neuen Versuch, auf die wachsenden Herausforderungen in diesem Bereich zu reagieren und Kfz-Betriebe fit für das Autoglasgeschäft zu machen.

Branchenallianz will Werkstätten fit machen

Hinter der Schulung steht eine in dieser Form bislang einzigartige Kooperation von Branchengrößen: Würth, Saint-Gobain Sekurit Service, Hunter Deutschland und Sika Deutschland haben ihre Expertise gebündelt. „Unser gemeinsames Ziel ist es, qualifizierte und gut ausgebildete Fachspezialisten für die Verglasung und die damit verbundene Sensorik auf dem Markt zu haben“, erklärte Bastian Wolter, Key Account Manager bei Würth, während der Präsentation auf den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen. „Die Komplexität im Bereich Autoglas wird auf ein nächstes Level steigen“, betonte er mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von Achsgeometrien und Kalibrierung in diesem Kontext.

Bastian Wolters von Würth (li.) und Thomas Krieger von Securit Service präsentierten auf der Fachtagung für freie Werkstätten das neue Schulungskonzept.(Bild:  Stefan Bausewein)
Bastian Wolters von Würth (li.) und Thomas Krieger von Securit Service präsentierten auf der Fachtagung für freie Werkstätten das neue Schulungskonzept.
(Bild: Stefan Bausewein)

Die ab sofort verfügbare Schulung findet in kleinen Gruppen von sechs bis zehn Teilnehmern statt und kostet 1.400 Euro. „In diesem zweitägigen Seminar lernen die Teilnehmer vom Kundenannahmeprozess bis zur Kalibrierung der FAS-Systeme das komplette Paket der Kunst der Scheibenverglasung“, erläutert Thomas Krieger von Sekurit Service. Durchgeführt werden die Kurse an drei Standorten: in der Handwerkskammer Erfurt sowie an den Standorten des Werkstattausrüsters Hunter in Relingen oder Puchheim.

Vom Glasaustausch bis zur Sensorikkalibrierung

Am ersten Tag werden die Teilnehmer umfassend zu gesetzlichen Vorschriften und Normen sowie Techniken und Systemen der Kfz-Verglasung geschult. Dabei geht es auch um praktische Fähigkeiten wie die Montage und Demontage verschiedener Windschutzscheiben, Seitenscheiben und Heckscheiben.

Der zweite Tag widmet sich intensiv der Kalibrierung der Fahrerassistenzsysteme (FAS). Hier sollen Grundlagen der Sensorik vermittelt werden, welche es gibt, wie sie funktionieren und wie man sie OE-konform kalibriert. Auch die Achsgeometrie wird nochmals vertieft erklärt, wobei besonderer Wert auf die Interpretation von Messergebnissen gelegt wird. Abgeschlossen wird die Schulung mit einem Test von 40 Fragen, die in 60 Minuten zu beantworten sind. Die Absolventen erhalten nach erfolgreichem Abschluss ein personenbezogenes Zertifikat des TÜV Rheinland.

Auch die richtige Ressourcen- und Werkstattplanung komme nicht zu kurz: „Wie führe ich eine Adhoc-Reparatur durch oder plane den Kunden für die nächsten Tage vernünftig ein, wenn ich die Scheibe tauschen muss? Teilebestellung, Leihwagen, Materialien – all das muss koordiniert werden“, erklärt Krieger.

Nicht zu unterschätzen ist auch die korrekte Abrechnung: „Was und wie muss ich abrechnen? Eine versicherungskonforme Schadenabrechnung ist entscheidend, um den höchsten Ertrag in den Werkstätten generieren zu können“, so Krieger. Auch die sorgfältige Dokumentation gegenüber Kunden, Flottenbetreibern und Versicherungen wird in der Schulung thematisiert – inklusive der korrekten Erstellung von Kalibrierungsprotokollen.

Um sich selbst oder Mitarbeiter anmelden zu können, wird eine Qualifikation als Kfz-Mechatroniker oder eine Anerkennung nach HWO § 8a verlangt. Darüber hinaus empfehlenswert sind der Fachkunde-Nachweis nach DGUV I 209-093/Stufe 2S, um an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen arbeiten zu dürfen, sowie der Sachkundenachweis für Airbag und Gurtstraffer nach § 20 SprengG. Berufserfahrung im Bereich Autoglas, Fahrerassistenzsysteme und Fahrzeug-Achsgeometrie sei dabei natürlich ebenfalls von Vorteil.

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