Integration gegen den Fachkräftemangel Pilotprojekt bringt junge Geflüchtete in die Autoberufe

Von Doris S. Pfaff 3 min Lesedauer

In Schleswig-Holstein sammeln junge Menschen schon kurz nach ihrer Ankunft Praxiserfahrung in Autohäusern und Werkstätten. Ziel des gemeinsamen Projekts von Land und Verband ist, die Geflüchteten zügig in die Arbeitswelt zu vermitteln.

Die beiden Praktikanten Ahmad Alhnidi (v. l.), Yaman Aldoki, Integrationsministerin Aminata Touré, Nina Eskildsen, Präsidentin des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein, Anja Niemann, Geschäftsführerin von Süverkrüp, und Jan-Niklas Sontag, Geschäftsführer des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein.(Bild:  Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)
Die beiden Praktikanten Ahmad Alhnidi (v. l.), Yaman Aldoki, Integrationsministerin Aminata Touré, Nina Eskildsen, Präsidentin des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein, Anja Niemann, Geschäftsführerin von Süverkrüp, und Jan-Niklas Sontag, Geschäftsführer des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein.
(Bild: Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)

Von der Idee bis zur Umsetzung brauchte es nur wenige Monate: Gemeinsam mit dem Integrationsministerium hat das Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein ein Pilotprojekt gestartet, das jungen Geflüchteten den schnellen Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht.

Zum Hintergrund: Die Landesregierung hatte im vergangenen Jahr ein Maßnahmenpaket zur raschen Arbeitsmarktintegration Geflüchteter beschlossen. Ein zentraler Baustein ist es, Menschen aus Erstaufnahmeeinrichtungen direkt in Praktika oder Beschäftigung zu vermitteln.

Das Ministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung unter Aminata Touré sowie der Landesverband des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein vereinbarten daher, Geflüchteten schon kurz nach ihrer Ankunft praktische Erfahrungen in Autohäusern und Werkstätten zu ermöglichen. Ziel ist es, Grundlagen für Ausbildung oder Berufseinstieg zu schaffen und zugleich dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Werkstattrundgang der Ministerin in Kiel

Wie die Umsetzung in der Praxis funktioniert, zeigte sich im September bei einem Werkstattrundgang der Ministerin in Kiel. „Als Landesregierung treiben wir die Arbeitsmarktintegration entschlossen voran. Wer nach Schleswig-Holstein kommt, soll von Tag eins an Chancen auf eine Beschäftigung und berufliche Perspektive haben. Das ist sowohl im Interesse der Geflüchteten als auch der Wirtschaft, die mit einem akuten Fachkräftemangel zu kämpfen hat“, so Touré.

Die Praktikanten Ahmad Alhnidi und Yaman Aldoki berichten der Intergrationsministerin  Aminata Touré von ihren bisherigen Erfahrungen. (Bild:  Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)
Die Praktikanten Ahmad Alhnidi und Yaman Aldoki berichten der Intergrationsministerin Aminata Touré von ihren bisherigen Erfahrungen.
(Bild: Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)

Die Ministerin lobte die erfolgreiche und schnelle Umsetzung: „Vor einigen Monaten saßen wir noch gemeinsam an meinem Tisch im Ministerium und haben Ideen ausgetauscht. Jetzt sind die ersten Geflüchteten bereits in den Werkstätten und Autohäusern unterwegs, und ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, die Zusammenarbeit mit dem Kfz-Verband Schleswig-Holstein so schnell und unbürokratisch zu starten.“

Begleitet wurde die Ministerin von Nina Eskildsen, Präsidentin des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein, dem Hauptgeschäftsführer Jan-Niklas Sontag und dessen Stellvertreter Martin Seydell. Letzterer hob die Vorteile des Projekts hervor: „Wir haben aus dem Kreis der Mitgliedsbetriebe immer wieder davon erfahren, dass bürokratische Hemmnisse den Bemühungen um die Gewinnung von Arbeitskräften aus dem Kreis der Geflüchteten im Wege stehen. Durch unsere Kooperation mit Ministerien und Behörden gewinnen wir einen guten Überblick darüber, was notwendig ist, um Geflüchtete und die Firmen, die sie als Arbeitskräfte gewinnen wollen, erfolgreich zusammenzuführen.“

Unterstützung durch Kfz-Betriebe

Die Süverkrüp-Gruppe mit 19 Autohäusern und Werkstätten engagiert sich besonders stark in dem Projekt. Dort arbeiten bereits sechs Praktikanten. Geschäftsführerin Anja Niemann: „Wir freuen uns, im Rahmen dieses Projektes geflüchtete Menschen dabei zu unterstützen, eine berufliche Perspektive zu erhalten. Dies ist uns als Familienunternehmen ein besonderes Bedürfnis. Wir haben schnell feststellen können, dass die Kandidaten sehr motiviert sind und sich einbringen. Was uns auch gleich auffiel: Dieses Projekt unterstützt die jungen Menschen ebenfalls bei der Integration – sie haben schnell Anschluss an unsere Auszubildenden im Unternehmen gefunden.“

Jan-Nikolas Sontag, Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes Schleswig-Holstein, informiert gemeinsam mit der Präsidentin Nina Eskildsen (r.) die Ministerin Aminata Touré (M.) über die ersten Erfahrungen mit dem Projekt.(Bild:  Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)
Jan-Nikolas Sontag, Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes Schleswig-Holstein, informiert gemeinsam mit der Präsidentin Nina Eskildsen (r.) die Ministerin Aminata Touré (M.) über die ersten Erfahrungen mit dem Projekt.
(Bild: Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)

Die Geflüchteten wurden nach ihren Vorkenntnissen als Automechaniker oder Mechatroniker ausgewählt. Neben den Praktikanten bei Süverkrüp starten in den kommenden Wochen weitere acht in anderen Mitgliedsbetrieben. Ihr Wochenablauf ist klar strukturiert mit Online-Integrationskurs, Einsätzen in den Betrieben und der Werkstatt sowie Sprachkursen. Der Durchgang läuft bis Mai 2026. Bis dahin sollen die Teilnehmer Sprachkenntnisse auf B1-Niveau erwerben. Für eine Ausbildung ist später B2 erforderlich.

Das mittelfristige Ziel des Projekts ist der Einsatz als technisch-assistierende Mechatroniker. Langfristig können geeignete Kandidaten eine duale Ausbildung im Kfz-Handwerk aufnehmen. Die Fachkräftesicherung steht dabei im Mittelpunkt. Das Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein verweist auf die Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft, wonach bis 2028 bundesweit 768.000 Fachkräftestellen unbesetzt bleiben. Bereits 2024 waren es fast 490.000 – ein Engpass, der auch das Kfz-Gewerbe in Schleswig-Holstein betrifft, betonte der Landesverband.

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