Rund 15.300 offene Stellen in Werkstätten und Autohäusern. Der ZDK will gegensteuern: Mit der Aktion #START unterstützt er Betriebe bei der Integration von Migrantinnen und Migranten.
Mit der Aktion #START will das Deutsche Kfz-Gewerbe Betriebe dabei unterstützen, Migrantinnen und Migranten zu integrieren, um die Fachkräftelücke zu schließen.
(Bild: Initiative Autoberufe)
Integration beginnt im Kleinen: Post-it-Zettel an Werkzeugen, feste Ansprechpersonen aus dem Team oder Hilfe bei Behördengängen. Doch viele Betriebe überlassen die Integration dem Zufall. Dadurch finden neue Mitarbeitende oft nicht ins Team.
Das verschärft die Lage am Arbeitsmarkt: Allein bei den Kfz-Mechatronikerinnen und Kfz-Mechatronikern fehlen knapp 14.700 Fachkräfte – fast zwei Drittel aller gemeldeten Stellen. Bei den Automobilkaufleuten ist jede siebte Position offen. Seit 2015 geht der Beschäftigungszuwachs in diesen Bereichen zu 97 Prozent auf ausländische Beschäftigte zurück. Ohne sie wäre die Situation noch angespannter.
Die Fachkräftelücke ist in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden, besonders bei den Kfz-Mechatronikerinnen und den Kfz-Mechatronikern.
(Bild: VCG - Schmidt)
Deshalb hat der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die Aktion #START entwickelt, den dritten Baustein seiner Fachkräftestrategie. Sie unterstützt Betriebe dabei, neue Mitarbeitende aus dem Ausland einzuarbeiten und im Team zu halten. Im Mittelpunkt stehen drei Handlungsfelder; zu jedem gibt es eine Checkliste:
1. Sprachbarrieren abbauen
2. Neue Mitarbeitende einarbeiten und ins Team integrieren
3. Finanzielle und organisatorische Unterstützung
Alle Checklisten sowie Praxisbeispiele, Informationen zu Förderprogrammen und Kontakte zu Beratungsstellen bündelt der Wissenscontainer der Aktion #START.
Sprachbarrieren abbauen
Wer eine Sprache schlecht beherrscht, wirkt auf andere weniger kompetent. Umgekehrt fühlen sich Menschen unsicher, wenn sie sich in einer fremden Sprache nur schlecht ausdrücken können. Sie gehen seltener auf Kunden oder Kollegen zu – ein Teufelskreis, der zur Ausgrenzung führt.
Deshalb sollten Betriebe ihre Mitarbeitenden beim Deutschlernen unterstützen und externe Sprachkurse organisieren. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt die Kosten über Bildungsgutscheine.
Aber Sprache lernt sich nicht nur im Unterricht. Im Arbeitsalltag hilft es, wenn alle im Team einfach sprechen. Das bedeutet: kurze Sätze statt Schachtelsätze, alltägliche Begriffe statt Bildungssprache. Auch bei Sprichwörtern wird es schwierig: „Ich stehe auf dem Schlauch“ versteht kaum jemand, „Ich verstehe das nicht“ schon.
Hilfreich sind auch visuelle Unterstützungen: Post-its an Werkzeugen – mit den deutschen Begriffen beschriftet – helfen, sich die Wörter einzuprägen. Arbeitsabläufe lassen sich mit Fotos darstellen.
Gegen Sprachbarrieren helfen auch digitale Hilfen, zum Beispiel der Kfz-Translator. Das Tool übersetzt rund 400.000 Begriffe aus der Kfz-Technik in 27 Sprachen.
So gelingt der Einstieg
Wie neue Mitarbeitende eingearbeitet werden, entscheidet darüber, ob sie bleiben. Das gilt für alle Kolleginnen und Kollegen, besonders aber für Menschen aus anderen Ländern. Deshalb sollten Betriebe ihre Belegschaft frühzeitig einbeziehen.
Bevor es losgeht, muss der Aufenthaltsstatus geklärt sein: Liegt eine Aufenthaltserlaubnis vor oder nur eine Duldung? Welche Arbeitserlaubnis besteht? Ohne diese rechtliche Sicherheit können Behörden die Arbeitsgenehmigung entziehen. Darum sollten Betriebe das frühzeitig mit der Ausländerbehörde klären.
Anschließend gibt ein Einarbeitungsplan Orientierung und ermöglicht einen strukturierten Einstieg. Am ersten Tag sollten Arbeitsplätze und wichtige Informationen vorbereitet sein. Hilfreich sind feste Ansprechpersonen. Etwa eine für fachliche und eine für organisatorische Fragen.
Eine bewährte Form ist das Buddy-System: Eine erfahrene Person begleitet neue Mitarbeitende durch die ersten Wochen, erklärt Abläufe, beantwortet Fragen und hilft bei sprachlichen Hürden. Das entlastet die Führungskraft und fördert zudem den Team-Zusammenhalt.
Integration geht über die Werkstatt hinaus. Wenn Betriebe ihren neuen Mitarbeitenden bei der Wohnungssuche unter die Arme greifen, den Kontakt zur örtlichen Kita vermitteln oder dem Partner bei der Jobsuche helfen, hilft das der ganzen Familie.
Anlaufstellen nutzen
Wer ausländische Mitarbeitende einstellt, steht vor vielen Fragen: Aufenthaltsstatus, Fördermöglichkeiten, Qualifikationsanerkennung. Hierfür gibt es verschiedene Anlaufstellen, die die Betriebe unterstützen.
Eine davon sind die Willkommenslotsen bei Handwerkskammern und IHKs. Sie begleiten Betriebe bei der Suche nach Bewerbenden, bei Aufenthaltsfragen und bei der Sprachförderung.
Häufig bringen Bewerbende schon Qualifikationen mit. Dann stellt sich die Frage, ob diese Abschlüsse in Deutschland anerkannt sind. Das IQ-Netzwerk prüft ausländische Abschlüsse und unterstützt die Betriebe beim Anerkennungsprozess.
Stand: 08.12.2025
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Ist die Qualifikation geklärt, kommen praktische Fragen: Wo können sie wohnen? Wo gibt es Betreuungs- und Schulplätze? Wie nutze ich das Gesundheitssystem? Die Migrationsberatung unterstützt bei Alltagsfragen und entlastet damit die Betriebe.
Integration funktioniert nicht von selbst. Aber wer strukturiert plant und externe Hilfe nutzt, hat gute Chancen, dass neue Mitarbeitende bleiben.