DGB-Ausbildungsreport Gute Bedingungen sichern Ausbildungserfolg

Von Johannes Büttner 3 min Lesedauer

Die Mehrheit der Auszubildenden bewertet im aktuellen Ausbildungsreport des DGB ihre Ausbildung positiv. Doch Azubis und Gewerkschaften sehen auch Anlass zur Kritik.

Nina Krüger ist Bundesjugendsekretärin des DGB.(Bild:  Frank Thon – DGB)
Nina Krüger ist Bundesjugendsekretärin des DGB.
(Bild: Frank Thon – DGB)

Knapp zwei Drittel der befragten Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“. Zugleich klagt die Hälfte der Auszubildenden über psychische Belastungen, etwa durch Leistungsdruck, hohe Verantwortung oder Personalmangel. Vielfach fehlen Ansprechpersonen in den Betrieben und Berufsschulen. Dies sind einige Ergebnisse des neuen Ausbildungsreports der DGB-Jugend.

Gute Ausbildungsbedingungen im Betrieb sind nach Ansicht der Gewerkschaften äußerst wichtig. Problematisch sei jedoch, dass für viele junge Leute schon der Weg in eine Ausbildung mit Hürden verbunden sei, erklärt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack mit Verweis auf die angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt:

„Die duale Berufsausbildung ist und bleibt ein Erfolgsmodell. Umso wichtiger ist, dass alle jungen Menschen eine echte Chance auf einen Ausbildungsplatz bekommen. Doch weiterhin haben 2,76 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. Und nicht einmal mehr 19 Prozent der Betriebe bilden aus – mit spürbaren Folgen für zu viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden. Arbeitgeber müssen endlich stärker in die Verantwortung – wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch ausbilden.“

Die Gewerkschafterin spricht sich für eine umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie aus, die Ausbildungskosten solidarisch verteilt, ausbildende Betriebe stärkt und alle Betriebe in die Verantwortung nimmt. Wie das möglich sei, zeige bereits das Bauhauptgewerbe sowie die Länder Bremen und Berlin. Diese Beispiel müssten nun bundesweit ausgebaut werden.

Handlungsbedarf in den Betrieben

Der Ausbildungsalltag in den Betrieben stellt sich laut Report überwiegend positiv dar. Dennoch erkennt der Gewerkschaftsbund klare Handlungsbedarfe: Mehr als ein Drittel der Auszubildenden leiste regelmäßig Überstunden. 16 Prozent müssten „immer“ oder „häufig“ Tätigkeiten erledigen, die nicht Bestandteil ihrer Ausbildung sind und nicht dem Lernerfolg dienen.

„Junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung, weil sie einen Beruf lernen und darin gut werden wollen. Dafür brauchen sie gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten und Aufgaben, die wirklich zum Ausbildungsziel gehören“, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger. „Wo Ausbildung gut organisiert ist, steigen Motivation, Zufriedenheit und die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss.“

Die Ergebnisse variieren je nach Ausbildungsberuf und Branche erheblich. Besonders zufrieden mit ihrer Ausbildung sind angehende Verwaltungsfachangestellte. Deutlich kritischer fallen die Bewertungen zum Beispiel bei Hotelfachleuten, Friseuren und Köchinnen aus. Kfz-Mechatroniker und Automobilkaufleute bewegen sich im Mittelfeld des Rankings.

Wenig überrascht die Tatsache, dass diejenigen Auszubildenden besonders zufrieden sind, die bereits wissen, dass sie auch als ausgelernte Fachkräfte in ihrem Ausbildungsbetrieb weiterarbeiten werden. Allerdings weiß mehr als ein Drittel der Azubis auch kurz dem Abschluss immer noch nicht, ob der Betrieb sie übernimmt. Ob junge Menschen eine Chance auf Übernahme haben, hängt dabei stark von Branche und Betrieb ab.

Schwerpunkt mentale Gesundheit

Diesjähriger Schwerpunkt des Ausbildungsreports ist die mentale Gesundheit von Auszubildenden. Die Hälfte der Befragten gibt an, psychische Belastungen zu erleben. Mentale Gesundheit hängt dabei eng mit der Qualität der Ausbildung zusammen: „Gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten, ausreichend Zeit für Erholung und Aufgaben, die dem Ausbildungsziel dienen, können Belastungen reduzieren“, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger. Besonders deutlich wird das bei der Betreuung: Sind die Ausbildenden immer verfügbar, fühlen sich nur 8,5 Prozent der Auszubildenden hoch belastet. Sind sie selten oder nie erreichbar, sind es 36 Prozent.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Abgefragt wurden Belastungen durch verschiedene Arbeitsanforderungen und -bedingungen: Gut 21 Prozent der Befragten klagen etwa über Leistungs- und Zeitdruck, 19,6 Prozent über Personalmangel im Ausbildungsbetrieb, etwa wenn Anleitung fehlt oder Auszubildende Aufgaben übernehmen müssen, denen sie noch nicht gewachsen sind – sowie 19,2 Prozent über Verantwortungsdruck.

Erfasst wurden außerdem Belastungen im Privatleben: Durch die finanzielle Situation fühlt sich die Hälfte belastet, durch eine schwierige Wohnsituation 35 Prozent. Auch Nebenjobs, die Pflege von Angehörigen und Kindererziehung wurden als Belastungsfaktoren abgefragt; sie belasten jeweils knapp jeden zehnten Auszubildenden.

Finanzielle Belastungen spielen also für viele Azubis eine große Rolle. Fast zwei Drittel geben denn auch an, von ihrer Ausbildungsvergütung „weniger gut“ oder „gar nicht“ selbstständig leben zu können. Fast ein Drittel ist auf zusätzliche finanzielle Hilfe der Eltern angewiesen, etwa jeder Achte geht neben der Ausbildung einem Nebenjob nach.

Dazu sagt Nina Krüger: „Ausbildung muss jungen Menschen einen eigenständigen Start ins Berufsleben ermöglichen. Wer eine Ausbildung beginnt, braucht eine Vergütung, die zum Leben reicht.“

Zur Studie

Für den Ausbildungsreport 2026 wurden über zwölf Monate insgesamt 13.227 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufen befragt. Die vollständige Studie kann auf der Seite des DGB angesehen und heruntergeladen werden.

(ID:50935610)