Bertelsmann-Stiftung Gute Noten für die Ausbildung

Von Johannes Büttner 3 min Lesedauer

Schüler und Azubis bewerten die berufliche Ausbildung ausgesprochen positiv. Doch der Weg dorthin ist für einige Jugendliche steinig.

Die Bertelsmann-Stiftung hat die Studie „Ausbildungsperspektiven 2026“ erstellt. (Bild:  Bertelsmann Stiftung)
Die Bertelsmann-Stiftung hat die Studie „Ausbildungsperspektiven 2026“ erstellt.
(Bild: Bertelsmann Stiftung)

Die Berufsausbildung überzeugt diejenigen, die den Einstieg geschafft haben: 90 Prozent der Auszubildenden sind zufrieden, 87 Prozent würden ihren Beruf erneut wählen. Das zeigt die repräsentative Studie „Ausbildungsperspektiven 2026“ der Bertelsmann-Stiftung.

Die befragten Azubis bewerten nicht nur ihre Ausbildung insgesamt positiv, sondern auch Aspekte ihres Ausbildungsalltags: 86 Prozent erleben die Atmosphäre in ihrem Team häufig oder fast immer als gut. 85 Prozent geben an, regelmäßig Neues zu lernen, 83 Prozent empfinden ihre Aufgaben als sinnvoll. 79 Prozent haben häufig oder fast immer Spaß bei der Arbeit und beim Lernen.

„Die Berufsausbildung bekommt von den Auszubildenden ein sehr gutes Zeugnis. Das ist eine erfreuliche Nachricht für die jungen Menschen und für die Betriebe. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten bietet eine gute Ausbildung eine tragfähige Grundlage für den weiteren Berufsweg”, sagt Fabian Schaffer. Er ist bei der Bertelsmann-Stiftung als Experte für das Thema berufliche Bildung zuständig.

Erste Option für Schüler

Auch unter Schülerinnen und Schülern genießt die duale Ausbildung ein hohes Ansehen; sie ist ihre beliebteste Option für die Zeit nach der Schule: Rund ein Drittel von ihnen möchte auf jeden Fall direkt nach dem Abschluss eine Ausbildung beginnen, weitere 44 Prozent können sich diesen Weg vorstellen. Rund 47 Prozent können sich zudem mittelfristig vorstellen, sich selbstständig zu machen oder ein Unternehmen zu gründen.

Aus Sicht mancher Jugendlicher scheint eine Ausbildung sogar so hochwertig zu sein, dass sie selbst dafür kaum in Farge kämen. Insbesondere junge Menschen mit niedriger Schulbildung zweifeln an ihren Chancen. „Die Ergebnisse unserer neuen Befragung zeigen: Ausbildung hat kein grundsätzliches Imageproblem – Handlungsbedarf besteht vor allem beim Zugang und bei der beruflichen Orientierung“, resümiert Schaffer.

Der Ausbildungsmarkt leidet nämlich weiterhin darunter, dass Betriebe und junge Menschen oftmals nicht zusammenfinden. Laut Berufsbildungsbericht gingen im vergangenen Jahr rund 84.000 Bewerber:innen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer aus, was einem Anstieg von über 19 Prozent entspricht. Gleichzeitig blieben 54.400 Ausbildungsstellen unbesetzt. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging um 2 Prozent auf rund 476.000 zurück.

Skepsis bei niedriger Gebildeten

Der scheinbare Widerspruch zwischen unbesetzten Ausbildungsstellen und erfolglosen Bewerbungen hat nach Ansicht der Studienautoren mehrere Gründe: Stellen und Bewerbende befinden sich nicht immer in derselben Region oder passen in berufsfachlicher Hinsicht nicht zusammen. Hinzu kommen Auswahlverfahren, bei denen Schulnoten und formale Abschlüsse teilweise stärker gewichtet werden als Motivation, praktische Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale.

Die Befragung zeigt, dass insbesondere die jungen Menschen mit niedriger Schulbildung ihre Chancen trotz Fachkräftemangels als pessimistisch einschätzen. 38 Prozent von ihnen glauben nicht daran oder sind sich nicht sicher, dass sie einen Ausbildungsplatz finden werden. Diese Skepsis sei laut Schaffer problematisch, weil eine Ausbildung für junge Menschen mit niedriger Schulbildung den besten Weg für den Einstieg ins Berufsleben bedeute.

Die Folgen eines fehlenden Abschlusses sind erheblich: 2025 lag die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss bei 21 Prozent. Bei Menschen mit einer betrieblichen oder schulischen Berufsausbildung betrug sie lediglich 4 Prozent. Auch in einer Studie zu Helferjobs hat die Bertelsmann-Stiftung kürzlich herausgefunden, dass Geringqualifizierte ein fast sechsmal höheres Risiko haben, arbeitslos zu werden, als Erwerbspersonen mit Berufsausbildung.

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Kompetenzen statt Schulnoten

„Um die Ungelerntenquote zu senken und dem Fachkräftemangel zu begegnen, muss der Einstieg in die Ausbildung so niedrigschwellig wie möglich gestaltet sein“, fordert Schaffer. Eine Empfehlung lautet, betriebsnahe Zugänge wie Einstiegsqualifizierungen, längere Praktika und Programme wie die Assistierte Ausbildung auszubauen und mit kontinuierlicher persönlicher Begleitung zu verbinden.

Betriebe sollten Auswahlverfahren mehr an Kompetenzen und praktischen Fähigkeiten statt allein an Schulnoten ausrichten. Studien zeigen, dass Unternehmen kompromissbereiter bei formalen Voraussetzungen werden; diese Offenheit sollten sie allerdings noch stärker kommunizieren, damit mehr junge Menschen den Mut zur Bewerbung aufbringen.

Gleichzeitig benötigen Unternehmen verlässliche Unterstützung, wenn sie junge Menschen ausbilden, die nicht auf den ersten Blick alle Anforderungen erfüllen. Die ausbildungsbegleitende Unterstützung von jungen Menschen und Unternehmen kann dazu beitragen, vorzeitige Vertragslösungen oder den gänzlichen Abbruch der Ausbildung zu verhindern.

Die vollständige Studie können Sie auf der Seite der Bertelsmann-Stiftung kostenlos herunterladen.

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