German Craft Skills 2024 Deutsche Meister kommen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Von Edgar Schmidt 4 min Lesedauer

Das Finale der Deutschen Meisterschaft der Kfz-Mechatroniker und Automobilkaufleute war auch 2024 wieder ein anspruchsvoller Wettbewerb. Engagierte und talentierte Nachwuchskräfte zeigten in Hamburg ihr Können.

Die beiden frisch gekührten neuen Deutschen Meister: Otto Heinlein (li.) bei den Kfz-Mechatronikern und Bastian Anton bei den Autokaufleuten.(Bild:  Schmidt - VCG)
Die beiden frisch gekührten neuen Deutschen Meister: Otto Heinlein (li.) bei den Kfz-Mechatronikern und Bastian Anton bei den Autokaufleuten.
(Bild: Schmidt - VCG)

Wer Botschafter für die Autoberufe sucht, sollte sich stärker mit der „Deutschen Meisterschaft im Handwerk“ beschäftigen. Seit neuestem trägt sie den Zusatz „German Craft Skills“. Hier treten in jedem Jahr engagierte, junge Fachkräfte an, die mit ihrer Leistung gut geeignet sind, Werbung für die Berufe Kfz-Mechatroniker/Kfz-Mechatronikerin und Automobilkaufmann/Automobilkauffrau zu machen. So auch wieder in diesem Jahr bei der Deutschen Meisterschaft im Kfz-Handwerk 2024 am 8.November im Berufsbildungszentrum der Kfz-Innung Hamburg.

Während das Ergebnis bei den Kfz-Mechatronikern am Ende eindeutig war, ging es bei den Automobilkaufleuten sehr knapp zu. Wäre der Wettbewerb hier ein Wettrennen gewesen, hätte es ein Foto vom Zieleinlauf gebraucht, um den Sieger zu ermitteln.

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Bei den Kfz-Mechatronikern erkämpfte sich Otto Heinlein aus Baden-Württemberg den ersten Platz, bei den Automobilkaufleuten siegte Bastian Anton aus Rheinland-Pfalz.

Die Top-Kfz-Mechatroniker

Bei den Kfz-Mechatronikern traten in diesem Jahr Landessiegerinnen und Landessieger aus 15 Bundesländern sowie ein Teilnehmer aus einem vorangegangenen Casting gegeneinander an. Wie in jedem Jahr mussten die jungen Experten an verschiedenen Stationen Aufgaben aus der Kfz-Elektrik und -Elektronik sowie aus der Mechanik lösen. Für die meisten hatten sie gerade einmal 20 Minuten Zeit, sich einzuarbeiten und dem Fehler auf die Spur zu kommen.

In den Parcours waren auch zwei sogenannte Komplexaufgaben integriert. An diesen Stationen betrug die Arbeitszeit insgesamt 90 Minuten, denn hier waren gleich mehrere Fehler zu finden und zu beheben beziehungsweise umfangreiche Prüfungen durchzuführen.

Die Komplexaufgaben sollen die Teilnehmer auf internationale Wettbewerbe wie die Euroskills und Worldskills vorbereiten. Die bestplatzierten Kfz-Mechatroniker beim Finale der Deutschen Meisterschaften haben die Chance – wenn sie jung genug sind –, eine Wettkampfkarriere bei Europa- und Weltmeisterschaften zu starten. Aus diesem Grund mussten die jungen Fachkräfte an zwei Stationen Englisch sprechen.

Auch die Vorgehensweise zählt

Im Wesentlichen brauchten die Landesmeister Diagnose- und Systemkompetenz, um bei den vielfältigen Aufgaben zu punkten. Außerdem bewerteten die Prüfer die Vorgehensweise sowie den Umgang mit den Werkzeugen. Das erledigte Otto Heinlein am besten. Auf Platz zwei landete Julius Lamp aus Schleswig-Holstein und Platz drei erarbeitete sich Niclas Titus Junkes aus Hamburg.

Heinlein hat seine Ausbildung bei der BMW AHG in Emmendingen gemacht und arbeitet dort auch weiterhin. Ein Faktor für seinen Erfolg war nach seiner Aussage, dass er hier von Anfang an oft selbständig arbeiten konnte. Er bezeichnet seinen Ausbildungsbetrieb als Top-Arbeitgeber und sieht seine Zukunft deshalb auch im Kfz-Gewerbe. Mit 26 Jahren ist Otto Heinlein allerdings schon zu alt, um an internationalen Wettbewerben teilnehmen zu können. Das bedauert er, hat ihm der Wettkampf in Hamburg doch viel Spaß gemacht.

Hohe Beratungskompetenz

Bei den Automobilkaufleuten kämpften zwei Frauen und sieben Männer um das beste Ergebnis. Sie waren angereist, um sich insgesamt vier Wettbewerbsaufgaben zu stellen. Pro Aufgabe hatten sie 20 Minuten Vorbereitungszeit. Die Aufgaben selbst waren ebenfalls auf 20 Minuten ausgelegt. Eine der Aufgaben war komplett schriftlich zu erledigen. Bei den anderen mussten sie jeweils im Anschluss an die Vorbereitungszeit ein Fachgespräch führen. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Beratungskompetenz.

In einer Wettbewerbssituation sahen sich die Teilnehmenden mit einer Kundenreklamation konfrontiert: Sie mussten hier erläutern, wie die Rechtslage in diesem speziellen Fall aussieht und mit welchen Maßnahmen der Betrieb seinen Kunden zufriedenstellen könnte.

An einer anderen Station sollten die Wettbewerber einem Kunden erklären, warum regelmäßige Inspektionen sinnvoll sind. Dabei konnten sie auch auf das Thema Mobilitätsalternativen und unterschiedliche Zahlungsmöglichkeiten eingehen.

Bei der dritten Aufgabe ging es um die Bewertung eines Gebrauchtfahrzeugs. Die Prüferin wollte unter anderem wissen, wie sich der Einkaufs- und Verkaufspreis eines Gebrauchtfahrzeugs kalkulieren lässt und welche Faktoren dabei werterhöhend beziehungsweise wertmindernd wirken.

Die vierte Aufgabe arbeiteten die Teilnehmenden schriftlich aus: Sie legten dar, wie die Warenannahme funktioniert und welche Arten der Lagerorganisation es gibt. Außerdem erklärten sie den Unterschied zwischen Austausch- und Originalteilen. Zu guter Letzt konnten sie ihr Wissen hinsichtlich Lagerkennzahlen und betriebswirtschaftlicher Analyseverfahren unter Beweis stellen.

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Der aus Rheinland-Pfalz stammende Bastian Anton hat die Deutsche Meisterschaft im Handwerk der Automobilkaufleute denkbar knapp gewonnen. Mit nur 1,3 Punkten Vorsprung konnte er sich vor Paul Osebold aus Nordrhein-Westfalen durchsetzen. Auf Platz drei landete Roman Ahmadi aus Hamburg.

Der Deutsche Meister hat seine Ausbildung im Jaguar-Land-Rover-Autohaus Oster in Mutterstadt absolviert. Auch er ist begeistert von seinem Ausbildungsbetrieb und dankte insbesondere seiner Ausbilderin Beate Oster für die hervorragende Vorbereitung auf das Berufsleben.

Eine Chance für Azubis

Im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften hatte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) ein Casting für talentierte Kfz-Mechatroniker und Kfz-Mechatronikerinnen angeboten, die bisher noch nicht die klassische Wettkampfkarriere über Innungs-, Kammer- und Landesausscheide angetreten haben. Hier waren vier Teilnehmer angetreten, die ähnliche Aufgaben wie beim Finale zu lösen hatten. Der Schwierigkeitsgrad war hier allerdings nicht ganz so hoch, da die Aspiranten noch in der Ausbildung sind.

Johannes Renner aus Baden-Württemberg schnitt hier am besten ab. Der junge Kfz-Mechatroniker absolviert gerade sein zweites Ausbildungsjahr bei Auto Zimmermann in Gerstetten und hatte bereits beim ATR-Nachwuchswettbewerb „Camp der Champs“ 2024 gewonnen. So konnte er bereits auf Wettkampferfahrung zurückblicken. Renner trat außerhalb der Wertung auch beim Finale der Deutschen Meisterschaften an. Auch hier zeigte er respektable Leistungen.

Perfekte Wettkampfstätte

Beide Meisterschaftsendrunden sowie das Casting fanden in diesem Jahr – wie schon im Vorjahr – in den Räumen des Berufsbildungszentrums der Hamburger Kfz-Innung statt. Das Team um Andreas Weingart, Leiter Berufsbildung und Technik, und Geschäftsführerin Martina Krassowski hatte den Wettbewerb wieder hervorragend organisiert. Man merkte der gesamten Mannschaft an, dass sie Spaß daran hatten, den Teilnehmenden einen fairen Wettbewerb zu bieten. Im kommenden Jahr wechselt der Austragungsort. Die nächsten Deutschen Meister werden im November 2025 in Koblenz gekürt.

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