Lerntechniken Mit Bildern lernen

Von Sybille Weinschenk 4 min Lesedauer

In deiner Ausbildung wirst du auf viel Neues stoßen – je abstrakter die Inhalte, desto schwerer bleiben sie im Gedächtnis. Mit den richtigen Techniken wird das Lernen jedoch leichter: Dein Kopfkino macht's möglich.

Je ungewöhnlicher die Bilder, die du dir ausdenkst, desto besser bleiben sie im Kopf: Sie sind dann im wahrsten Sinne des Wortes merk-würdig.(Bild:  KI-generiert)
Je ungewöhnlicher die Bilder, die du dir ausdenkst, desto besser bleiben sie im Kopf: Sie sind dann im wahrsten Sinne des Wortes merk-würdig.
(Bild: KI-generiert)

Stell dir vor, du könntest dir innerhalb weniger Minuten eine Liste von über 100 Einzelteilen merken – und das in der Reihenfolge, in der sie beim Zusammenbau eines Motors benötigt werden. Klingt unmöglich?

Für die Teilnehmenden von Meisterschaften im Gedächtnissport ist das Alltag. Bei der Weltmeisterschaft 2024 mussten sich die Gedächtnisathletinnen und -athleten beispielsweise in einer bestimmten Zeit möglichst viele Zahlen einprägen und fehlerfrei wiedergeben. Der persönliche Rekord eines Teilnehmers lag bei unfassbaren 2.400 Ziffern.

Mnemotechnik im Alltag nutzen

Wie funktioniert das? Die Antwort lautet: Mnemotechniken (das „n“ nach dem „M“ wird gesprochen). Diese Techniken sind nicht nur etwas für Gedächtnissportler – auch Laien können ihr Erinnerungsvermögen damit gezielt trainieren. Der Begriff „Mnemo“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Erinnerung“ oder „Gedächtnis“. Mnemotechniken sind also Gedächtnisstützen, mit denen du dir Informationen leichter und schneller merken kannst.

Es gibt viele verschiedene Mnemotechniken, die je nach Bedarf unterschiedlich gut geeignet sind. Für Fakten, Reihenfolgen oder Prozesse – wie Fachbegriffe, Arbeitsschritte oder Abläufe – sind sie ideal. Aber auch größere Themen und komplexe Zusammenhänge lassen sich damit gut merken. Das erfordert jedoch deutlich mehr Übung.

Die Zahl-Symbol-Technik

Bei dieser Technik verwandelst du Zahlen in Bilder oder Symbole. Unser Gehirn kann sich Bilder nämlich viel besser merken als so etwas Abstraktes wie Zahlen.

Und so funktioniert es: Ordne jeder Ziffer von 0 bis 9 oder jedem Begriff ein passendes Bild zu. Die 0 könnte zum Beispiel ein Lenkrad sein, die 5 eine Hand mit fünf Fingern und die 8 eine Achterbahn. Sobald du dir eine längere Zahl merken möchtest, erstellst du aus den festgelegten Symbolen eine kleine Bildergeschichte. Je ausgefallener sie ist, desto leichter wirst du dir die Zahl einprägen können.

Die Geschichtentechnik

Aber auch Begriffe oder Formeln, die du dir schwer merken kannst, lassen sich mit Bildern und kurzen Geschichten verknüpfen. Bei dieser Technik denkst du dir eine kurze Geschichte aus, in der bestimmte Elemente die einzelnen Begriffe oder eben Variablen einer Formel verkörpern.

Um dir beispielsweise die Formel für das ohmsche Gesetz (U = R x I) einzuprägen, könntest du die Variablen mit folgenden Elementen verknüpfen:

U = Unimog
R = Ramponierte Straße
I = Igel

Ein Unimog (U) fährt über eine ramponierte Straße (R). Die Person am Steuer hat alle Hände voll zu tun, die Hindernisse zu bewältigen. Plötzlich sieht sie einen Igel (I) über die Straße tapsen. Um den kleinen Kerl nicht zu überfahren, bremst sie. Je mehr Schlaglöcher und je langsamer der Igel, desto schwieriger wird die Fahrt für den Unimog.

Die Loci-Technik

Die Loci-Technik nutzt das räumliche Erinnerungsvermögen des Gehirns, um Informationen leichter zu speichern. Der Begriff „Loci“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Orte“ oder „Plätze“. Diese Technik eignet sich besonders gut, wenn du dir die Reihenfolge bestimmter Abläufe oder Inhalte merken möchtest.

Wähle einen Raum oder einen Weg, den du gut kennst. Das kann beispielsweise dein Arbeitsplatz oder der Weg von deiner Wohnung zur Arbeit sein. Lege in diesem Raum oder auf diesem Weg mehrere Punkte in einer bestimmten Reihenfolge fest: Das können Möbelstücke, Werkzeuge oder andere Gegenstände sein. An jedem Punkt legst du nun gedanklich die Inhalte ab, die du dir merken möchtest.

Auch das funktioniert am besten, wenn du dir dafür lebendige Bilder oder kurze Geschichten ausdenkst. Sobald du das, was du lernen möchtest, mit den Wegpunkten verknüpft hast, brauchst du in Gedanken nur noch deinen Weg abzulaufen. Die Lerninhalte werden automatisch „mitgeliefert“ und kommen dir an den entsprechenden Punkten wieder in den Sinn.

Die Körperliste

Die Körperliste ist eine spezielle Variante der Loci-Technik. Sie eignet sich ebenfalls dazu, sich Inhalte in einer festen Reihenfolge zu merken. Statt Räume oder Wege nutzt du deinen eigenen Körper als Gedächtnisstütze: Du verknüpfst Informationen mit verschiedenen Körperteilen, die als Ankerpunkte dienen. Starte an einem Ende deines Körpers – entweder an den Füßen oder am Kopf – und arbeite dich systematisch nach oben oder unten durch. Typische Ankerpunkte sind: Füße, Knie, Oberschenkel, Hintern, Bauch, Brust, Schultern, Hals, Gesicht und Kopf.

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Um dir die Inhalte besser einzuprägen, verbindest du jeden Körperteil mit einer kurzen Geschichte. Ein zusätzlicher Trick: Tippe beim Zuordnen die jeweiligen Körperstellen leicht an. Dieser Impuls verstärkt den Lerneffekt und hilft dir, die Informationen noch einfacher abzurufen.

Mnemotechnik ist kein Wundermittel, mit dem du dir sofort alles merken kannst. Die Techniken, die wir vorgestellt haben, sind zwar einfach, du musst sie jedoch regelmäßig anwenden, damit sie gut funktionieren.

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