Audi „Auto Union Typ 52“ Ein super Sportwagen – leider sehr spät

Von Edgar Schmidt 3 min Lesedauer

Manchmal dauert es etwas länger, bis Unternehmen einen Plan umsetzen. Bei Audi vergingen über 90 Jahre, bis vom legendären Silberpfeil Rennwagen ein Sportwagen abgeleitet wurde.

Mehr als 90 Jahre nach der ersten Idee hat Audi den Typ 52 auf die Straße gebracht – allerdings nur als Einzelstück.(Bild:  Audi)
Mehr als 90 Jahre nach der ersten Idee hat Audi den Typ 52 auf die Straße gebracht – allerdings nur als Einzelstück.
(Bild: Audi)

Sie lassen die Herzen vieler Autofans höher schlagen: die Supersportwagen vom Schlag eines Bugatti Chiron oder AMG One. Bereits vor 91 Jahren wollte mit diesem Effekt die damals noch junge Auto Union AG, die 1932 aus den Unternehmen Audi, DKW, Horch und Wanderer hervorgegangen war, ihr neues Firmensignet – die vier Ringe – international bekannt machen. Die Basis für einen solchen Sportwagen bildete ein Grand-Prix-Rennwagen für eine neue 750-kg-Formel, den das Stuttgarter Konstruktionsbüro von Ferdinand Porsche für die Auto Union entwickeln sollte. Dabei entstand die Idee, zugleich eine straßentaugliche Sportlimousine mit der Rennwagentechnik zu entwickeln. Laut Audi findet sich dazu in den Konzeptunterlagen der Begriff „Schnellsportwagen“.

Der Auto Union Typ 52, so der spätere Projektname, sollte an Kunden verkauft und bei Wettbewerben wie etwa der Mille Miglia oder Sportwagen-Konkurrenzen eingesetzt werden.

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Doch während die von Porsche konstruierten Rennwagen mit der Porsche-internen Nomenklatur „Typ 22“ als Silberpfeile legendär wurden, verschwand die Idee vom Supersportwagen in den Schubladen der Konzernführung. Und das, obwohl schon Ende 1933 im Porsche-Kon­struktionsbüro erste Designskizzen entstanden, die im Verlauf des Jahres 1934 konkretere Formen angenommen hatten. Die Projektverantwortlichen beschlossen auch noch den Bau eines Versuchswagens – nach allem, was Audi rekonstruieren konnte, hat es diesen aber wohl nie gegeben. 1935 wurde das Projekt eingestellt.

Imposante Daten

Bis dahin dokumentierten die Entwickler jedoch einige Details: Das Chassis des Auto Union Typ 52 sollte ein Leiterrahmen mit Mittelmotor werden. Als Antrieb sollte der Motor des Auto Union Typ 22 dienen. Die Verdichtung des 16-Zylinder-Motors hätte jedoch reduziert werden sollen, damit der Wagen normales Benzin tanken konnte. Gleichzeitig verringerten die Techniker die Übersetzung des Roots-Kompressors. Der Motor im Auto Union Typ 52 sollte aus 4,4 Litern Hubraum bei 3.650 min-1 rund 200 PS (147 kW) schöpfen. Sein maximales Drehmoment von 436 Nm lag bei moderaten 2.250 min-1 an. Das war im Vergleich zu den Grand-Prix-Boliden zwar leistungsreduziert, dennoch zeigten die aus Berechnungen der Ingenieure hervorgehenden Fahrleistungen von rund 200 km/h, dass der Schnellsportwagen seinem Namen alle Ehre gemacht hätte. Zu seiner Zeit wäre er eines der stärksten Fahrzeuge mit Straßenzulassung und auch bei den möglichen Sportwagen-Wettbewerben gewesen.

Ein sehr exklusives Einzelstück

Getreu dem Motto: „Besser spät als nie“ hat sich Audi den Traum vom Schnellsportwagen nun doch noch erfüllt – allerdings nur in einem Einzelstück. Vorgestellt hat das Unternehmen den Wagen beim Goodwood Festival of Speed 2024. Anhand von noch vorhandenen Archivdokumenten, Plänen und Konstruktionszeichnungen hat Audi den Auto Union Typ 52 von Crosthwaite & Gardiner aufbauen lassen. Die englischen Restaurationsspezialisten betreuen auch die Silberpfeile der historischen Fahrzeugsammlung von Audi und haben das Projekt „Schnellsportwagen“ nach mehrjähriger Bauzeit bereits 2023 fertig gestellt.

Alle Bauteile sind „custom made“ und in Handarbeit speziell für das Modell angefertigt. Mit seinen über fünf Metern Länge ist der Auto Union Typ 52 eine imposante Erscheinung: Die lang gestreckte Silhouette lässt erkennen, dass die Ingenieure den Wagen auf bestmögliche Aerodynamik und maximale Performance getrimmt haben.

Im Gegensatz zu seinen Grand-Prix-Geschwistern kommt er konzeptgemäß alltagstauglicher daher: mit Dach über dem Kopf, Scheinwerfern und Platz fürs Gepäck. Auch an Stauraum für eine doppelte Ersatzbereifung ist gedacht. Auf zusätzlichen Komfort müssen die bis zu drei Passagiere allerdings verzichten. Racingtypisch sitzt der Fahrer im Auto Union Typ 52 in der Mitte, die Beifahrersitze sind seitlich leicht versetzt nach hinten angeordnet. Mit drei Personen besetzt, 70 Kilogramm Gepäck und 150 Kilogramm Betriebsmitteln weist das technische Datenblatt ein Gesamtgewicht von 1.750 Kilogramm aus, das Leergewicht soll 1.300 Kilogramm betragen. Stammen das Antriebsaggregat und das Getriebe in Verbindung mit der offenen 5-Gang-Schaltkulisse aus dem Grand-Prix-Rennwagen, wählten die Ingenieure beispielsweise bei Federung und Dämpfung andere technische Lösungen: Statt einer Querblattfeder in Kombination mit Reibungsdämpfern wie beim Auto Union Typ 22 kommen beim Typ 52 an der Hinterachse längs angeordnete Drehstabfedern in Verbindung mit hydraulischen Dämpfern zum Einsatz.

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Der ursprünglich für 110 Liter ausgelegte Tank wanderte im Verlauf der Entwicklung unter die Sitze – beim Grand-Prix-Rennwagen saß der deutliche größere Tank direkt hinter dem Fahrer im Schwerpunkt des Fahrzeugs, was bei den Silberpfeilen eine optimale Gewichtsverteilung bei vollem und leerem Tank zur Folge hatte. Verzögert wiederum wird beim Auto Union Typ 52 wie beim Typ 22 mithilfe von Trommelbremsen an allen vier Rädern, ebenso sind Drahtspeichenräder vorgesehen. 

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