Elektromobilität Mit dem E-Auto im Sommerstau

Von Edgar Schmidt 3 min Lesedauer

Klimaanlagen ermöglichen auch im Sommer angenehme Temperaturen im Innenraum des Fahrzeugs. Was aber, wenn man mit einem E-Auto an einem heißen Tag lange im Stau steht – hat man dann die Wahl zwischen schwitzen oder liegenbleiben?

Der ADAC hat in seinem neuen Klimaprüfstand überprüft, wie viel Energie ein E-Auto im Sommerstau für die Klimatisierung braucht.(Bild:  ADAC/Uwe Rattay)
Der ADAC hat in seinem neuen Klimaprüfstand überprüft, wie viel Energie ein E-Auto im Sommerstau für die Klimatisierung braucht.
(Bild: ADAC/Uwe Rattay)

Die Klimatisierung des Fahrzeuginnenraums gilt gemeinhin als Reichweitenkiller bei Elektroautos. Während Reichweitenverluste im Winter bereits gut dokumentiert sind, gibt es noch relativ wenig neutrale Versuche dazu, wie viele Kilometer der Betrieb der Klimaanlage an heißen Sommertagen kostet. Dieses Wissen kann zum Beispiel wichtig sein, wenn man mit einem E-Auto an einem heißen Sommertag im Stau auf der Autobahn steht und entscheiden muss, ob man den Innenraum per Klimaanlage kühlt oder besser darauf verzichtet, um die nächste Ladesäule noch zu erreichen.

Solche Messungen kann der ADAC seit Sommer 2024 mit einer neuen Klimakammer für Elektromobilitäts-Tests durchführen. Die im ADAC Technik Zentrum in Landsberg am Lech stehende Anlage bietet laut Angaben des Automobilclubs gute Möglichkeiten, um Elektrofahrzeuge unter extremen Klimabedingungen bewerten zu können. Die Klimakammer ermögliche es, Fahrzeuge bei Temperaturen von –20 bis +40 Grad Celsius unter die Lupe zu nehmen. Hierbei könnten die Tester individuelle Fahrszenarien von standardisierten Testzyklen bis hin zu realen Fahrstrecken reproduzierbar simulieren. Im Detail wollen sie hier künftig Energieverbrauch und -effizienz, Reichweite und Ladeverhalten, aber auch Sondereinsätze wie die Nutzung von E-Fahrzeugen als Zugfahrzeug untersuchen.

 Simulierte Vollsperrung 

Der erste Test in der Klimakammer bildete eine Vollsperrung der Autobahn bei sommerlicher Hitze ab, um das Verhalten eines Elektroautos unter extremen Bedingungen zu analysieren. Die Ingenieure simulierten dafür über acht Stunden einen typischen Sommertag, inklusive Temperaturanstieg auf bis zu 35 Grad Celsius und unterschiedlich starker Sonneneinstrahlung durch UV-Lampen.

Das Testfahrzeug war ein Tesla Model Y. Es hatte zu Beginn des Versuches einen Batterieladezustand von 60 Prozent. Die Klimaanlage stellten die Tester auf konstant 20 Grad Celsius ein. Außerdem betrieben sie das Fahrzeug im sogenannten „Camping Modus“, um eine durchgängige Klimatisierung zu gewährleisten.

Laut ADAC erreichte das Armaturenbrett des Fahrzeugs durch die simulierte Sonneneinstrahlung Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad Celsius, die Außenseite der Windschutzscheibe wurde sogar über 60 Grad Celsius heiß. Die Klimaanlage hielt die Innenraumtemperatur trotz der hohen Außentemperaturen konstant unter 25 Grad Celsius, gemessen auf Kopfhöhe und im Fußbereich.

Das Ergebnis zeigt, dass Insassen von Elektroautos auch im Sommerstau keinen Angstschweiß bekommen müssen. Für die Kühlleistung benötigte die Klimaanlage durchgängig etwa 1,5 kW, wobei kurzzeitige Abweichungen bei Änderungen der Sonneneinstrahlung oder nach dem Öffnen der Türen auftraten. Insgesamt verbrauchte das Model Y etwa 12 kWh an Energie während des achtstündigen Tests, was einem Verlust von 16 Prozent des Batterieladezustands entsprach. Nach Angaben der Tester bedeutet dieser Energiebedarf, dass das Fahrzeug etwa zwei Prozent Akkukapazität beziehungsweise acht Kilometer Reichweite pro Stunde verbrauchte. In Zahlen ausgedrückt war das ein Energieverbrauch von 1,3 bis 1,5 kWh pro Stunde.

Um den Faktor 10 effizienter als ein Verbrenner

Interessant ist auch der Vergleich, den die Tester zum Verbrennungsmotor ziehen: Ein Verbrennungsmotor würde unter diesen Bedingungen nämlich zwischen 1 und 1,5 Liter Kraftstoff pro Stunde benötigen und dabei Abgase erzeugen. Betrachtet man die lokale Effizienz, so entspricht das umgerechnet circa 10 bis 15 kWh pro Stunde, also etwa zehn Mal so viel wie beim Elektroauto. Das ist ein deutlicher Effizienzvorteil für den Stromer. Dennoch empfiehlt der ADAC Reisenden, auch im Sommer auf genügend Rest-Akkukapazität zu achten, um auch im schlimmsten Hitzestau einen kühlen Kopf bewahren zu können.

Dieses Ergebnis trifft im Detail natürlich nur auf den getesteten Tesla zu. Da jedoch Funktion und Aufbau von Klimaanlagen bei E-Autos aller Marken sehr ähnlich sind, sollte sich zumindest die Tendenz auch auf andere E-Autos übertragen lassen.

 Wichtige Klimaanlage 

Generell ist bei Elektroautos die Klimaanlage noch wichtiger als bei Autos mit Verbrennungsmotor. Da­rum sollten E-Auto-Kunden diese regelmäßig warten lassen – und zwar nicht nur, damit sie immer möglichst effizient funktioniert. Denn bei E-Autos ist die Klimaanlage nicht nur für das Wohlbefinden der Insassen zuständig, sie ist zudem antriebsrelevant.

Die Klimaanlage trägt nämlich auch dazu bei, die Antriebsbatterie in einem Temperaturbereich zu halten, der für ihre Funktion sinnvoll ist. Das wirkt sich positiv auf die Reichweite und auf die Langlebigkeit der Antriebsbatterie aus. Wenn also die Klimaanlage bei einem E-Auto nicht optimal funktioniert oder sogar ganz ausfällt, hat dies nicht nur Auswirkungen auf komfortables und sicheres Fahren – wie bei Verbrennern. 

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