ADAC-Pannenstatistik Ohne Stress unter Strom

Von Edgar Schmidt 3 min Lesedauer

Der ADAC konnte in diesem Jahr erstmals genügend E-Autos bei seiner Pannenstatistik berücksichtigen, um die Frage zu beantworten: Wer ist zuverlässiger, E-Autos oder Verbrenner?

Insgesamt 3,6 Millionen Mal mussten die „Gelben Engel“ des ADAC im Jahr 2024 ausrücken, um liegengebliebenen Autofahrenden zu helfen.(Bild:  Wilfried Wulff – ADAC)
Insgesamt 3,6 Millionen Mal mussten die „Gelben Engel“ des ADAC im Jahr 2024 ausrücken, um liegengebliebenen Autofahrenden zu helfen.
(Bild: Wilfried Wulff – ADAC)

Die Pannenstatistik des ADAC liefert in jedem Jahr einen guten Überblick über die Zuverlässigkeit vieler Fahrzeugmodelle. Insgesamt mussten die „Gelben Engel“ im Jahr 2024 nämlich 3,6 Millionen Mal ausrücken, um liegengebliebenen Autofahrenden zu helfen, als 2023. Betrachtet man dabei nur die E-Autos, wirkt der Zuwachs erst einmal erschreckend. Denn der lag bei 46 Prozent – 43.678 Mal wurden die Gelben Engel 2024 von E-Auto-Besitzern gerufen.

Allerdings ist diese Zahl alleine nicht besonders aussagekräftig. Der prozentual große Anstieg liegt nämlich daran, dass sich der Bestand bei den vom ADAC berücksichtigten Modellen im vergangenen Jahr nahezu verdoppelte (plus 97 Prozent). Das liegt an der größeren Anzahl von E-Autos auf unseren Straßen und daran, dass der ADAC im vergangenen Jahr erstmals auch E-Autos mit dem Erstzulassungsjahr 2022 und damit drei Erstzulassungsjahre berücksichtigen konnte. 2023 waren es nur zwei Erstzulassungsjahre. Vor diesem Hintergrund war das Plus in der Pannenstatistik zu erwarten und ist nicht weiter besorgniserregend.

Positives Fazit

Darum ist das Fazit des ADAC eindeutig positiv: Elektrofahrzeuge sind weit weniger pannenanfällig als Verbrenner gleicher Altersklassen. Bei den zwei bis vier Jahre alten Fahrzeugen erleiden Verbrenner nämlich zweieinhalbmal so viele Pannen wie Elektroautos. Die Pannenkennzahl von Verbrennern lag im Jahr 2024 bei 9,4 Pannen pro 1.000 Fahrzeuge, während es bei Elektroautos nur 3,8 waren.

In der aktuellen Pannenstatistik 2025 analysierte der ADAC die Daten von insgesamt 159 Modellreihen von rund 20 Automarken. Dafür hat der Automobilklub alle Pannen im Laufe des Jahres 2024 herangezogen, die Fahrzeuge im Alter von zwei bis neun Jahren betrafen (also Erstzulassung 2015 bis 2022).

Damit Baureihen für den ADAC statistisch relevant sind, müssen diese jedoch mindestens 7.000 Zulassungen in zwei Jahren aufweisen. Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, berücksichtigt der ADAC alle Fahrzeug-Baujahre mit mindestens 5000 Zulassungen.

Überraschung bei Toyota

Überraschend bei der aktuellen Pannenstatistik war, dass ein Hersteller im vergangenen Jahr negativ aufgefallen ist, der bisher eigentlich immer als Musterschüler gegolten hat: Toyota. Denn gleich mehrere Modelle des japanischen Herstellers zeigten sich als besonders pannenanfällig. So ist etwa der Toyota C-HR mit Erstzulassungsjahr 2020 das Modell mit der höchsten Pannenkennziffer mit 63,1 Pannen pro 1.000 Fahrzeugen. Aber auch andere Toyota-Modelle wie Toyota RAV4, Yaris und Yaris Cross schwächelten beim Thema Zuverlässigkeit. Häufig waren Probleme mit der Starterbatterie die Ursache. Toyota hat laut dem ADAC bereits reagiert und neue, leistungsfähigere Batterien eingeführt.

Nicht nur bei Toyota sondern insgesamt waren defekte Starterbatterien – wie in den Vorjahren – die Hauptpannenursache. 44,9 Prozent aller Pannen im Jahr 2024 gingen auf ihr Konto. Unterscheidet man zwischen den Antriebsarten, dann zeigen sich die Verbrenner hinsichtlich der 12V-Batterie anfälliger. Zwar ist bei E-Autos der prozentuale Anteil der Starterbatterie an dem Pannenaufkommen mit 50,5 Prozent höher als bei Verbrennern (44,6 Prozent). Allerdings liegt die Pannenkennzahl bei den zwei- bis vierjährigen Fahrzeugen beim Verbrenner (4,0) im Vergleich zum Elektrofahrzeug (1,7) um 2,3 Pannen pro 1.000 Fahrzeuge höher. Grund hierfür ist die insgesamt geringere Pannenanfälligkeit der Elektroautos gepaart mit einem geringeren Auftreten anderer Bauteilpannen.

Problem: häufiges „Aufwecken“

Wenn bei Elektroautos Pannen auftreten, ist häufig ein Problem mit der Bordelektronik die Ursache. Dies liegt laut ADAC unter anderem daran, dass die 12-Volt-Batterie, die das Bordnetz versorgt, anfällig für Ausfälle ist und oft relativ schnell entladen wird. Ein Grund könne auch sein, dass die Nutzer ihre Fahrzeuge per App deutlich häufiger „aufwecken“ als von den Herstellern prognostiziert. Diese Vorgänge belasten die Starterbatterie relativ stark.

Auf alle Fahrzeuge bezogen waren Motorprobleme beziehungsweise Probleme mit der Motorelektronik Pannenursache Nummer zwei (22,1 Prozent). Beim Verbrenner sind das die Einspritzung und die Zündung, beim E-Auto ist es das Hochvolt-System.

Mit weitem Abstand dahinter rangierten Ausfälle, die mit dem Anlasser, dem Generator, dem Bordnetz oder der Beleuchtung zu tun haben (10,6 Prozent). Dahinter folgten Defekte an Reifen (8,8 Prozent) und an den Schließsystemen (6,9 Prozent).

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In der aktuellen Auswertung schnitten unter den zweijährigen Fahrzeugen die beiden Verbrenner MINI (0,3) und Audi A4 (0,4) am besten ab. Bestes E-Auto war das Tesla Model 3 (0,5). Insgesamt wiesen zwölf Modelle eine Pannenkennziffer von unter 1 auf.

Negativ fiel neben den Toyota-Modellen (Yaris Cross 40,0; Yaris 29,2; C-HR 16,4; RAV4 18,4) auch ein Elektroauto auf – die hohe Pannenanfälligkeit des Hyundai IONIQ 5 (22,4) ist auf Probleme der integrierten Ladesteuerungseinheit (ICCU) zurückzuführen und zog auch schon einen Rückruf durch das Kraftfahrtbundesamt nach sich.

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