Wer schon mal ein Elektroauto gefahren ist – oder sogar eines besitzt – hat einen anderen Blickwinkel auf diese Antriebsart als reine Verbrenner-Kenner. Der DAT-Report 2025 beschreibt unter anderem, wie sich dieser Perspektivenwechsel in Einstellungen und Kaufentscheidungen niederschlägt.
Der DAT-Report beleuchtet, warum nicht mehr Elektroautos verkauft werden.
Elektroantriebe für Pkw gibt es seit über 100 Jahren. Doch in ihrer heutigen Form ist die Technik noch sehr jung. Sie hat sich erst in den letzten zehn Jahren neben dem Verbrenner etabliert. Die Entwicklungsschritte, etwa in der Batterietechnologie, verlaufen rasant. Immer mehr neue Hersteller drängen auf den Markt, etablierte Autobauer elektrifizieren ihre Modellpalette.
Aber entwickelt sich das Kundeninteresse im gleichen Tempo weiter? In Deutschland derzeit offensichtlich nicht, wie ein Blick in die Neuzulassungsstatistik des vergangenen Jahres zeigt. Und vom deutschen Pkw-Bestand machen Elektroautos (batterieelektrisch und Plug-in-Hybrid) gerade einmal fünf Prozent aus.
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Der DAT-Report geht in seiner 2025-Ausgabe unter anderem den Fragen nach, ob und wie die Stromer den großen Durchbruch schaffen können. Dazu wurden beispielsweise private Pkw-Käufer und -Halter gefragt, welche Argumente aus ihrer Sicht für und gegen die Anschaffung eines solchen Fahrzeugs sprechen.
Besonders interessant ist dabei der Vergleich zwischen der Allgemeinheit und einer kleinen Teilgruppe: Diejenigen privaten Autokäufer, die über eigene Erfahrungen mit rein batterieelektrischen Pkw verfügen. Erstmals in der Geschichte des DAT-Reports war deren Zahl groß genug, dass sie eigens betrachtet werden konnten. „Die Unterschiede zum Durchschnitt sind bemerkenswert, weil sich dadurch viele der vorherigen Bedenken abschwächen. Das spricht dafür, dass man den Menschen niederschwellige Angebote machen muss, Elektromobilität – idealerweise über einen längeren Zeitraum – zu erleben“, berichten die Autoren des Reports, Uta Heller und Martin Endlein.
Eitel Sonnenschein herrscht allerdings auch bei den erfahrenen Elektroautofahrern nicht. So bezeichnen auch sie in ihrer überwiegenden Mehrheit die Fahrzeuge als zu teuer, die Batterien als Unsicherheitsfaktoren und die Technologie als noch nicht ausgereift – wenn auch jeweils nicht ganz so deutlich wie der Gesamtschnitt der Pkw-Halter.
Andererseits betrachtet immerhin die Hälfte der Erfahrenen Strom als die Antriebsart der Zukunft (Gesamtschnitt: 34 %). Zwei Drittel von ihnen finden, Elektroautos seien umweltfreundlich in der Nutzung (Gesamtschnitt: 54 %). Am größten und interessantesten sind aber die Unterschiede, wenn es um persönlich wahrnehmbare Eindrücke geht: 62 Prozent derjenigen, die schon mal am Steuer eines E-Autos gesessen haben, attestieren dem Stromer einen hohen Fahrspaß. In der Gesamtgruppe sind es lediglich 34 Prozent. Und während 48 Prozent der Erfahrenen ein Elektrofahrzeug als perfektes Alltagsauto bezeichnen, tun dies insgesamt nur 30 Prozent der Befragten.
Ergänzendes zum Thema
Der DAT-Report zählt seit 1974 zu den wichtigsten Verbraucheranalysen für Autokauf und Werkstattservice in Deutschland. Für die aktuelle Ausgabe befragte das Marktforschungsunternehmen GfK zwischen Juli und Oktober 2024 knapp 4.700 Personen: rund 2.600 Autokäuferinnen und -käufer sowie gut 2.000 Werkstattkunden.
Die wichtigsten Fakten des DAT-Reports 2025 sind unter www.dat.de/report zusammengefasst. Dort kann man außerdem den vollständigen Report bestellen.
Zögerliche Mehrheit
Die insgesamt positivere Einstellung derjenigen, die schon mal elektrisch gefahren sind, schlägt sich zwar nicht automatisch in einer Kaufentscheidung nieder – aber zumindest besteht eine realistische Chance. 52 Prozent von ihnen können sich beim nächsten Autokauf den Umstieg auf ein batterieelektrisch angetriebenes Auto vorstellen, nur bei 20 Prozent ist das nicht der Fall. Für 13 Prozent stellt sich die Frage nicht, da sie bereits ein entsprechendes Modell besitzen.
Aber dann gibt es ja noch die drei Viertel der Befragten, die keinerlei praktische Erfahrung mit der E-Mobilität haben. Wer den Antriebswandel forcieren möchte, muss diese große Gruppe für die neue Technik begeistern, Vorurteile ab- und Vertrauen aufbauen. Das gelingt aktuell offensichtlich nicht. „2024 haben sich wieder vor allem die technologiebegeisterten Kaufinteressenten ein E-Auto zugelegt, während die breite Masse weiter abwartet“, heißt es im DAT-Report. Eigentlich positive Meldungen über größere Reichweiten, eine höhere Energiedichte in den Akkus und verbesserte Ladefähigkeit ließen die Mehrheit eher zögern statt zuschlagen.
Das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Vor drei Jahren konnten sich noch 46 Prozent der befragten Pkw-Halter einen Umstieg vorstellen, jetzt sind es nur noch 38 Prozent. Ebenso viele schließen einen Wechsel kategorisch aus, vor drei Jahren waren es nur 31 Prozent. Inzwischen haben sich also zwei gleich große Gruppen pro und kontra Elektromobilität herausgebildet.
Stand: 08.12.2025
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Zweifel an der Infrastruktur
Doch auch die prinzipiell an Elektromobilität interessierten Verbraucher haben sich im vergangenen Jahr überwiegend für ein Modell mit Verbrennungsmotor entschieden. „Inwieweit eine sorgfältige Abwägung der Alternativen oder ein spontaner Impuls hierbei eine Rolle gespielt haben, bleibt unbekannt“, schreiben die DAT-Autoren. Dennoch wollten sie der Frage auf den Grund gehen, wie es zu der Kaufentscheidung gekommen ist.
Verbrennerkäufer sollten angeben, welche Aspekte sie davon abgehalten haben, ein E-Fahrzeug zu erwerben. Ganz oben auf dieser Liste stehen erstmals Zweifel an der Fähigkeit der Ladeinfrastruktur. Die folgenden Punkte „Begrenzte Reichweite“, „Hohe Anschaffungskosten“ und „Lange Ladezeiten“ sind zwar auch noch relevant; jedoch haben sie im Vergleich zu den Vorjahren an Bedeutung verloren.
Für Elektrokäufer war die Lust auf die neue Technologie das am häufigsten genannte Kriterium, gefolgt vom Umstand, dass das E-Auto zum persönlichen Mobilitätsbedarf passt. Das wichtigste Argument aus dem Vorjahr fiel dagegen aus leicht nachvollziehbaren Gründen ganz von der Liste: Staatliche Zuschüsse gab es 2024 nicht mehr.
Für mögliche staatliche Zuschüsse ist naturgemäß die Politik zuständig. Auch die Ladeinfrastruktur fällt weitestgehend in den Zuständigkeitsbereich der öffentlichen Hand. Für Anschaffungskosten und Reichweiten zeichnen vor allem die Hersteller verantwortlich. Und der Handel? Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so aussieht, hat er entscheidenden Anteil daran, ob sich Elektromobilität durchsetzt.
Der Autokauf ist nämlich an sich schon keine triviale Entscheidung. Mit der Wahl zwischen verschiedenen Antriebsvarianten wird er noch komplexer. Die Kunden brauchen und suchen also Beratung, die sie im qualifizierten Fahrzeughandel finden sollten. Insbesondere bei den grundsätzlich an Elektromobilität Interessierten bietet sich Autohäusern die Chance zu punkten. 47 Prozent von ihnen bestätigen, dass für sie Autohändler im Kaufentscheidungsprozess wichtiger geworden sind.
Besonders wünschen sie sich Informationen zu Rabattaktionen der Hersteller und zu bezahlbaren Modellen. Die Kosten sind der entscheidende Faktor, wenn es um die Chancen von E-Autos auf dem Gebrauchtwagenmarkt geht. Schließlich ist der niedrigere Preis ganz generell der entscheidende Faktor, warum sich Kunden für einen Gebrauchten statt einen Neuwagen entscheiden.
Immer noch zu teuer
Bei den Stromern konnte man das gut an der Entwicklung seit dem Ende der Kaufprämien ablesen: Zuvor hatten Gebrauchtwagen gegenüber den subventionierten Neufahrzeugen nur einen geringen Preisvorteil geboten. Nach dem Ende der Förderung sah das anders aus. Prompt ging die Zahl der Besitzumschreibungen nach oben.
Trotzdem sind Stromer aus zweiter Hand aus Kundenperspektive noch zu teuer. 48 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer, die sich für einen Verbrenner entschieden haben, nannten als wichtigsten Grund dafür die hohen Anschaffungskosten eines Elektroautos. Immerhin ist dieser Wert sechs Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr – laut DAT ein Indiz dafür, dass sich die Preise zumindest etwas nach unten bewegt haben.
Vermutlich müssten sie aber noch wesentlich weiter sinken, um den vielen Skeptikern eine Anschaffung schmackhaft zu machen. Für fast die Hälfte der Gebrauchtwagenkunden kommt aktuell nämlich ein Elektroauto ganz grundsätzlich nicht in Frage, weitere 31 Prozent könnten sich höchstens einen elektrischen Neuwagen vorstellen. Lediglich zwölf Prozent ziehen ein gebrauchtes E-Auto in Erwägung. Diese ablehnende Haltung droht sich zu einem Problem für Hersteller und Händler zu entwickeln. Schließlich kommen derzeit immer mehr dieser Fahrzeuge als Leasingrückläufer auf den Markt.