TÜV-Weiterbildungsstudie 2024Ohne Weiterbildung geht es nicht
Von
Sybille Weinschenk
3 min Lesedauer
Führungskompetenzen und Soft Skills sind gefragter denn je. Auch in Sachen KI sehen die meisten Unternehmen Fortbildungsbedarf – theoretisch jedenfalls. Eine repräsentative Umfrage des TÜV-Verbands legt dar, was Unternehmen beim Thema Weiterbildung sonst noch wichtig ist.
Für eine Mehrheit der Unternehmen steht die Weiterbildung persönlicher Kompetenzen wie Kommunikation und Teamfähigkeit ganz weit oben.
Weiterbildung steht hoch im Kurs bei deutschen Unternehmen. Laut einer Studie des TÜV-Verbands kämpft sich aktuell ein neuer Themenbereich an die Spitze: persönliche Kompetenzen. Auch das Thema KI ist stark im Kommen.
Noch sind die fachlichen Kompetenzen ganz knapp das oberste Ziel der beruflichen Fortbildung. Fast zwei Drittel (63 %) aller Befragten sehen großen Weiterbildungsbedarf bei Inhalten, die für das jeweilige Berufsfeld oder die Branche wichtig sind.
Doch dieses Wissen allein genügt nicht mehr. In Zeiten von Digitalisierung und Automatisierung kommt es zunehmend auf Führungskompetenzen und Soft Skills an. 62 Prozent signalisierten den größten Weiterbildungsbedarf bei Führungsthemen wie beispielsweise Teamentwicklung oder Konfliktlösung.
Die Nachfrage nach persönlicher Entwicklung und Soft Skills ist ebenfalls groß. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (56 %) bildet ihre Mitarbeitenden weiter, damit sie kommunikativer, teamfähiger und kreativer werden.
Das sind die sechs drängendsten Themen in der betrieblichen Weiterbildung.
(Bild: TÜV-Verband)
Was die technischen Fähigkeiten angeht, sollen Fortbildungen vor allem die Digitalkompetenzen der Beschäftigten erhöhen. Angefangen mit grundlegenden Kenntnissen bis hin zu vertieftem IT-Know-how – die Bandbreite ist groß. Diese Ansicht vertraten 57 bis 58 Prozent der Unternehmen.
Ein ebenso wichtiger Punkt beim Thema Weiterbildung sind gesetzliche Anforderungen. 55 Prozent der befragten Unternehmen ließen betrieblich Beauftragte in Sachen Datenschutz, Informationssicherheit, aber auch Umwelt- oder Arbeits- und Gesundheitsschutz fortbilden.
Wie wichtig ist KI?
Neben traditionellen Kompetenzen wird künstliche Intelligenz immer wichtiger. Die Mehrheit (84 %) ist der Ansicht, dass Deutschland auch diesbezüglich qualifizierte Fachkräfte benötigt. Fast die Hälfte (45 %) bestätigt, dass Mitarbeitende lernen müssen, KI-Anwendungen zu nutzen. Und mehr als ein Drittel (39 %) denkt, dass der Weiterbildungsbedarf diesbezüglich in den nächsten Jahren stark steigen wird.
Trotz dieser Erkenntnisse schult bislang nur etwa jedes achte Unternehmen (12 %) seine Beschäftigten im Umgang mit KI. Obwohl die Firmen sehen, dass KI ein relevantes Thema ist, schieben sie es faktisch zu weit in die Zukunft. Aus Sicht des TÜV ist diese Herangehensweise schwierig, weil KI längst im Alltag der Unternehmen angekommen ist.
In der Kfz-Branche etwa gehören KI-gestützte Tools immer häufiger dazu – sowohl in der Werkstatt als auch in der Verwaltung. Die digitalen Werkzeuge helfen, Aufwände zu senken und Prozesse effizienter zu gestalten. So lassen sich beispielsweise die Werkstattauslastung oder Standzeiten von Fahrzeugen mithilfe von KI besser steuern. Es gibt auch Software, die Erstbewertungen für Fahrzeuge erstellt oder Schäden am Fahrzeug erfasst und kalkuliert.
Kaufmännische Abteilungen nutzen KI, um Texte zu generieren. Das können z. B. Angebote, Produktbeschreibungen, Social-Media-Posts oder E-Mails sein. Häufig sind sie besser formuliert und enthalten so gut wie keine Rechtschreibfehler. Außerdem spart das Zeit.
Wettbewerbsfähig bleiben
Während KI hilft, schneller und effizienter zu arbeiten, kämpfen die Unternehmen mit einem weiteren Problem: Fachkräftemangel. Knapp zwei von drei Unternehmen (62 %) berichten, dass es schwierig ist, qualifiziertes Personal zu finden. Auch das beeinträchtigt die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit.
Um sich dennoch im Markt zu halten, setzen Unternehmen vermehrt auf vorhandene Ressourcen: Vier von fünf Unternehmen (81 %) gaben an, dass sie ihre Mitarbeitenden weiterbilden, um beispielsweise mit der digitalen Entwicklung Schritt halten zu können. Viele seien nicht oder nicht mehr qualifiziert genug. Jedes zweite Unternehmen (51 %) schult seine Beschäftigten um, damit sie neue Aufgaben übernehmen können und auf veränderte Berufsbilder vorbereitet sind.
Das effektivste Format
Online-Lernen hat sich in den vergangenen Jahren etabliert. Doch damit allein kommt man nicht weit. Nur 1 Prozent der Befragten setzt ausschließlich auf webbasiertes Lernen. Den größten Erfolg verspricht die Kombination aus Online- und Präsenz-Angeboten. Das sogenannte Blended Learning steht bei gut der Hälfte (56 %) hoch im Kurs, gefolgt von Präsenzveranstaltungen. Für vier von zehn Personen (42 %) ist diese Art des Lernens am effektivsten. Für welchen Weg auch immer sich die Unternehmen entscheiden: Wichtig ist, dass sie wettbewerbsfähig bleiben und Zukunftsthemen aktiv angehen.
Stand: 08.12.2025
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Details zur Umfrage
Mit dieser Umfrage zu den Weiterbildungstrends deutscher Unternehmen hat der TÜV-Verband e. V das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt. Nach einem systematischen Zufallsverfahren hat es über alle Branchen hinweg 500 Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden ausgewählt. Dabei wurden drei Unternehmensgrößen berücksichtigt: 20 bis 49 Mitarbeitende, 50 bis 249 Mitarbeitende und mehr als 250 Mitarbeitende. Sie haben die Geschäftsführer, CEOs und Vorstände dieser Firmen befragt. Die kompletten Ergebnisse stehen kostenlos auf der Website des TÜV-Verbands zur Verfügung.