Ausbildungsforum Fahrzeugtechnik So lassen sich Wissenslücken schließen

Von Johannes Büttner 4 min Lesedauer

Das Ausbildungsforum Fahrzeugtechnik beschäftigte sich in diesem Jahr mit den Wissenslücken von Schulabgängern. 120 Lehrkräfte, Ausbilder und Trainer aus dem Kfz-Bereich nahmen an dem kostenlosen Webinar teil.

Das Ausbildungsforum Fahrzeugtechnik befasste sich 2026 mit den Wissenslücken von Schulabgängern.(Bild:  Vogel Communications Group)
Das Ausbildungsforum Fahrzeugtechnik befasste sich 2026 mit den Wissenslücken von Schulabgängern.
(Bild: Vogel Communications Group)

Die Klagen über die Schwächen und Mängel der „heutigen Jugend“ sind uralt. Auch heute klagen viele Ausbildungsbetriebe und Lehrkräfte über die Wissenslücken, die Abgänger allgemeinbildender Schulen beim Strat in die berufliche Ausbildung mitbringen – zweifellos nicht ohne Grund. Aber: „Wir wollen es heute nicht beim Klagen belassen, sondern konkrete Impulse mitgeben, wie sich diese beheben lassen“, erklärte Julia Moßner zu Beginn des Ausbildungsforums Fahrzeugtechnik.

Die Leiterin der Aus- und Weiterbildungsmedien autoFACHMANN und autoKAUFMANN moderierte das Onlineformat, zu dem die Vogel Communications Group, die Dr.-Ing. Paul Christiani GmbH, Europa Lehrmittel sowie der Bundesinnungsverband des Kfz-Handwerks genmeinsam eingeladen hatten. 120 Teilnehmende aus Berufsschulen, überbetrieblichen Bildungsstätten und Betrieben folgten der Einladung.

Die Referentinnen und Referenten des Ausbildungsforums Fahrzeugtechnik 2026.(Screenshot: Büttner – VCG)
Die Referentinnen und Referenten des Ausbildungsforums Fahrzeugtechnik 2026.
(Screenshot: Büttner – VCG)

Fit für die Werkstatt?

Zum Auftakt des Forums warf Edgar Schmidt, stellvertretender Chefredakteur von autoFACHMANN, unter dem Titel „Fit für die Werkstatt? Wissenslücken und Potenziale bei Kfz-Berufseinsteigern“ einen Blick in aktuelle Bildungsstudien. Diese würden dem deutschen Bildungssystem leider schlechte Noten ausstellen, lautete seine Zusammenfassung. Zum Teil würden die Schülerinnen und Schüler in ihren Kenntnissen und Fähigkeiten ein ganzes Jahr hinter dem zurückliegen, was sie eigentlich wissen und können sollten.

Doch es gebe auch positive Zeichen. So blieben die meisten Jugendlichen trotz aller Krisen, die sie in den vergangenen Jahren erleben mussten, leistungsbereit. Sie wollen arbeiten und Verantwortung übernehmen, gerne auch im Handwerk. Mit dem Schulpreis ausgezeichnete Berufsschulen zeigten zudem, wie sich mit einer Mischung aus kurzen Input-Phasen und viel selbst organisiertem Lernen den Azubis Spaß am Lernen vermitteln lasse. Bis Verbesserungen in der Bildungslandschaft Wirkung zeigen, dauere es zwar einige Zeit. Dennoch sei es nötig, sie weiter anzugehen. Schließlich „müssen wir mit den Jugendlichen arbeiten, die wir haben“.

Wenn Messen plötzlich Sinn ergibt

Wie diese Arbeit aussehen kann, zeigte im Anschluss Kevin Weihofen von Christiani an einem konkreten Beispiel. In seinem Vortrag „Wenn Messen plötzlich Sinn ergibt – Elektrische Größen in der Fahrzeugtechnik praxisnah vermitteln“ stellte er live aus dem Kompetenzzentrum von Christiani anschaulich vor, wie sich Theorie und Praxis verknüpfen lassen. Am Anfang stünde stets das theoretische Fundament, so Weihofen. „Das muss grundsätzlich, frühzeitig und gründlich gelegt werden.

Der nächste Schritt sei der Übergang in die Praxis. Hier stehen die Azubis vor vielfältigen Herausforderungen, zum Beispiel der Frage, welche Messgeräte sie wie und wo verwenden müssen. Hierzu bieten sich angeleitete Versuche in einem Laborsystem an. Wenn der Auszubildende dort alles verstanden hat, kann er das Gelernte schließlich in einem „echten“ System ausprobieren und anwenden, bevor es an das reale Fahrzeug geht.

Vom Werkstattproblem zur Lösung

Der „Weg vom Werkstattproblem zur Lösung“ war auch Thema von Carsten Großhanten-Bar vom Verlag Europa-Lehrmittel. Eine wichtige Rolle kann dabei heute und in Zukunft die Künstliche Intelligenz (KI) spielen. Denn in der Praxis säßen in einer Klasse Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Leistungs- und auch Sprachniveaus. Diese müssten in einer idealen Welt alle individuell angesprochen werden, doch praktisch fehlten dafür die Ressourcen. An dieser Stelle kann die KI helfen.

Als Expertin für die KI hatte Großhanten-Bar als zweite Referentin Kira Greis von Teachino mitgebracht. Sie demonstrierte, wie sich aus Beiträgen beziehungsweise Grafiken in einem Fachbuch über einen KI-Chat mit den richtigen Prompts individuelle, interaktive E-Learnings erstellen lassen. Diese Möglichkeiten stießen bei den Lehrkräften auf großes Interesse. Eines müssten sie jedoch stets bedenken, merkten Großhanten-Bar und Greis an: „Mit KI generierte Inhalte müssen immer noch einmal inhaltlich überprüft werden.“

Von Azubis zu Fachkräften

Zum Abschluss widmete sich das Ausbildungsforum der Frage, welche Wissenslücken Azubis schließen müssen, um Fachkräfte zu werden. Den Übergang vom Auszubildenden zur Fachkraft markiert die Gesellenprüfung. Deshalb hatte Paul Seibert dieses Thema mitgebracht. Er beschäftigt sich beim Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks als Referent mit dem Prüfungswesen. In dieser Funktion kann er unter anderem auswerten, an welchen Stellen Prüflinge in der Praxis Schwierigkeiten haben oder sogar scheitern.

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Die Erfahrung zeige, dass sich an verschiedenen Stellen Lücken auftun können, die behoben werden müssen. Recht eindeutig ist das der Fall, wenn dem Azubi grundlegendes Basiswissen fehlt. Doch es gibt auch Fälle, in denen der Prüfling ein Problem zwar beheben kann, allerdings ohne erklären zu können, warum und wie er das tut. Auch dann habe er das Fachkräfteniveau noch nicht erreicht, erklärte Seibert. Deshalb sei es Aufgabe der Prüfungsausschüsse, kein Spezialwissen abzufragen, sondern die Handlungskompetenz des Prüflings zu bewerten. Dafür sei es unter anderem wichtig, in der Beurteilung zwischen dem reinen Ergebnis und dem Lösungsweg zu trennen. Wer den richtigen Weg erkennen und einschlagen kann, bringt die Voraussetzungen dafür mit, im Beruf erfolgreich zu handeln – auch wenn ihm in der Aufregung der Prüfung mal ein Fehler unterläuft.

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