Arbeitgeberbewertungen Schlechte Absagen schaden dem Image

Von Johannes Büttner 2 min Lesedauer

Die Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu hat über eine Million Bewertungen von Bewerbungsprozessen untersucht. Die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus.

Im Oktober 2026 lagen auf Kununu rund 1 Million Bewerbungsbewertungen vo(Bild:  Kununu)
Im Oktober 2026 lagen auf Kununu rund 1 Million Bewerbungsbewertungen vo
(Bild: Kununu)

Die Konjunktur schwächelt, Unternehmen streichen Stellen, die Bewerberzahlen pro Job steigen. Deswegen haben Absagen gerade Konjunktur. Damit wächst auch die Zahl der Bewerbenden, die damit Erfahrungen machen und Prozesse öffentlich bewerten.

Eine Analyse von über einer Million Bewerbungsbewertungen der Arbeitgeber-Vergleichsplattform Kununu zeigt: Beim Tempo der Rückmeldung und der Transparenz im Prozess hakt es. Und wer eine Absage bekommt, wird schnell zu einem negativen Multiplikator.

Im Oktober 2026 lagen laut einer Pressemeldung von Kununu dort gut eine Million Bewerbungsbewertungen vor – 13,3 Prozent aller auf der Plattform abgegebenen Bewertungen. Aktuell werden rund 120.000 Bewerbungsbewertungen pro Jahr abgegeben. Größere Unternehmen kommen auf ihrem Profil auf mehrere hundert Bewertungen. Deren Mehrzahl fällt positiv aus: Der Bewerbungsprozess wird auf Kununu insgesamt mit durchschnittlich 4,0 von 5,0 Sternen bewertet.

Dieses Ergebnis ist deutlich besser als der Mitarbeitenden-Score, der bei 3,5 liegt. Bewerbungsbewertungen sind für die meisten Arbeitgeber im Durchschnitt also aktuell kein Problem, sondern ein Asset. Das Gesamtbild trügt jedoch – denn hinter dem Durchschnitt verbergen sich erhebliche Risiken.

Gespräch gut, Tempo und Transparenz schlecht

In der Detailbetrachtung zeigt sich ein klares Muster: Elemente des Vorstellungsgesprächs kommen bei Bewerbenden besonders gut an. Eine „angenehme Atmosphäre" erhält einen Score von 4,3, „wertschätzende Behandlung" liegt bei 4,2. Deutlich schlechter schneiden dagegen zwei andere Kriterien ab: die „zeitgerechte Zu- oder Absage" (3,8) und die „Erwartbarkeit des Prozesses" (3,9) – die einzigen Kriterien, die unter der 4,0-Marke liegen. Geschwindigkeit und Transparenz sind damit die blinden Flecken im Bewerbungsprozess – quer durch alle Gruppen.

Wer eine Absage erhalten hat, bewertet den Prozess dramatisch anders als Bewerbende mit Zusage: 4,8 Sterne bei Zusage stehen 2,8 Sternen bei Absage gegenüber. Die emotionale Enttäuschung schlägt direkt auf die öffentliche Bewertung durch. Das ist kein Randproblem: Prozessbedingt überwiegen die Bewerbenden mit Absage die mit Zusage in aller Regel um ein Vielfaches. Wer schlecht absagt und wenig behutsam kommuniziert, produziert damit massenhaft gut sichtbare negative Multiplikatoren.

Kritik im Detail

Neben den quantitativen Bewertungen liegen auf Kununu rund 446.000 Freitext-Kommentare von Bewerbenden vor. Eine KI-gestützte Auswertung einer repräsentativen Stichprobe von 80.000 Kommentaren zeigt, welche Themen Bewerbende besonders häufig und besonders emotional beschäftigen. Dabei stechen fünf Problembereiche besonders hervor:

  • Späte Rückmeldungen: „Ich habe mich im Oktober beworben und drei Monate keine Antwort bekommen. Nicht einmal ein Bestätigungsmail, dass meine Unterlagen eingelangt sind. Am 23. (!) Dezember schließlich kam eine Mail mit dürrer Absage und dem Wunsch nach “besinnlichen Weihnachten”.
  • Ghosting durch Arbeitgeber: „Gar keine Rückmeldung wirkt extrem unprofessionell. Auch auf Nachfrage keine Antwort!“
  • Generisches Feedback: „Erst gute Gespräche, aber dann lapidare, nicht detaillierte Standardabsage. Auch auf Nachfrage keine ordentliches Feedback - das ist nicht angemessen!“
  • Mangelnde Interview-Vorbereitung auf Arbeitgeberseite: „Personaler waren nicht vorbereitet, sie konnten keine Fragen angemessen beantworten. Wurden nach dem Stellen der Fragen sehr unfreundlich.“
  • Unkoordinierte Prozesse: „Widersprüchliche Aussagen, verschobene Termine ohne Konsequenz, Eingangsbestätigungen, die nach der Einladung zum Interview eintreffen.“

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