Christian Cloppenburg und Marco ten Hagen betreiben den millionenfach geklickten Schrauberblog. Beide kommen aus dem Kfz-Handwerk und machen sich mit ihrer Arbeit auch für Azubis stark.
Im Juni 2023 reisten Christian (links) und Marco zur Automechanika nach Istanbul und berichteten auf ihren Social-Media-Kanälen über die Fachmesse.
(Bild: Schrauberblog)
Räder wechseln und einlagern, Autos waschen, Hof fegen, Zigarettenstummel auf dem Parkplatz sammeln. „Ich war eher die billige Arbeitskraft“, sagt Christian Cloppenburg über seinen Lehrbetrieb. Ein Vorzeigeunternehmen sei das nicht gewesen. Nach der Ausbildung verließ er das Kfz-Gewerbe erst einmal komplett.
Marco ten Hagen dagegen blieb. Bei RWS-Motorsport schraubte er an Porsche, Ferrari und Rennfahrzeugen und erfuhr früh, wie anspruchsvoll der Beruf sein kann. Nach der Meisterschule leitete er eine Werkstatt in einem Reifenfachbetrieb, wechselte dann in die Oldtimer-Restauration und machte sich schließlich mit seiner eigenen Werkstatt selbstständig.
Christian kam erst später zurück ins Kfz-Gewerbe. Bei der Ausbildung zum Servicetechniker lernten sich die beiden kennen, anschließend besuchten sie gemeinsam die Meisterschule in Passau. Danach wurde Christian selbst Ausbilder. Mit dem Vorsatz, es besser zu machen.
700 Euro für einen Räderlift
Eine seiner Auszubildenden hatte Rückenprobleme und kam mit dem Räderschleppen kaum zurecht. Christian wollte einen Räderlift bestellen. Kostenpunkt: 700 Euro. Sein Chef lehnte ab. Also bestellte er den Lift auf eigene Faust. „700 Euro, das kann ein Betrieb im selben Jahr absetzen. Das ist kein Beinbruch.“ Dass er dafür eine Rüge kassierte, störte ihn nicht. „Mein Fell war dick genug.“ Er versteht aber, dass Azubis dieses Fell oft noch nicht haben. „Da bist du 15 oder 16, und der Ton in manchen Werkstätten ist echt rau.“
Über den Schrauberblog melden sich immer wieder Azubis, die mit ihrer Ausbildung hadern. Manche berichten, dass sie kaum etwas lernen, weil der Betrieb sie vor allem für Handlangerarbeiten einsetzt. Auch denen raten die beiden, sich erst einmal durchzubeißen. Aber wenn gar nichts geht, wenn ein Betrieb seinen Lehrlingen wirklich nichts beibringt, dann sollten sie sich an ihre Kammer wenden. „Du machst dir nichts kaputt, weil du den Betrieb meldest. Im Gegenteil, du kümmerst dich um deine Zukunft“, ist Christian überzeugt.
Marco bringt es auf eine einfache Formel. „Man muss die jungen Leute an die Materie heranführen, sie auch mal selbst machen lassen. Und das Allerwichtigste ist Wertschätzung.“ Er hat selbst eine Werkstatt geführt und weiß, wie schwierig es sein kann, im stressigen Tagesgeschäft seine Azubis nicht nur mitlaufen zu lassen.
Weniger Verständnis hat er für Betriebe, die seit 40 Jahren alles gleich machen und sich wundern, dass sie keinen Nachwuchs finden, die werde man nicht ändern. „Aber zum Glück gibt es auch die, die bereit sind, Dinge anders zu machen.“
Manches braucht keiner mehr
Christian findet, dass sich die Branche manchmal schwertut mit Veränderungen. Ein Altgeselle wollte ihn einmal vorführen, weil er als Kfz-Meister keinen Bohrer schleifen konnte. „Stimmt, kann ich nicht. Aber ich kann Stundensätze kalkulieren und hab den Umsatz gesteigert. Und Bohrer sind mittlerweile so günstig, wenn die stumpf sind, bestelle ich einfach neue.“
Am 14. Februar 2025 veröffentlichten Christian und Marco die KI-App „Ehrenschrauber“. Am Valentinstag, weil die App ihre Liebeserklärung an die Branche sei, wie Christian grinsend verrät. Und an alle, die nicht daran geglaubt haben, dass zwei Kfz-Meister mit einem Blog so etwas auf die Beine stellen können.
Sie beschreiben die App als eine Art „Serviceberater in der Hosentasche“. Wer zum Beispiel wissen will, wie viel Öl ein bestimmtes Fahrzeug braucht, welches Drehmoment vorgeschrieben oder wo eine Batterie verbaut ist, tippt die Frage ein und bekommt in Sekunden eine Antwort.
Noch ist das Produkt nicht ausgereift. Aber mit Varta/Clarios haben Cloppenburg und ten Hagen einen ersten Industriepartner an Bord, der sein Batteriewissen für die App beisteuert. Weitere Datenanbieter sollen folgen, aber „die Automobilindustrie ist träge. Bis die Daten zu hundert Prozent valide sind, brauchen wir noch Zeit“, räumt Christian ein.
Auch wenn eine App künftig Routinefragen beantworten könne, müssten Azubis ihr Handwerk weiterhin beherrschen. Gleichzeitig würden neue Fertigkeiten wichtig: KI-Tools bedienen, mit digitalen Systemen umgehen oder vielleicht sogar Videos für das Ausbildungsmarketing des eigenen Betriebs drehen.
Stand: 08.12.2025
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Faul oder ohnmächtig?
Der Kfz-Meister hält wenig vom Vorwurf, dass die junge Generation nicht belastbar sei. „Das ist eher eine Ohnmacht. Viele sehen die politische Lage, die Inflation, die Immobilienpreise und fragen sich: Was kann ich denn überhaupt noch verändern?“ Die Motivation sei da. Aber man müsse junge Menschen auch ernst nehmen und ihnen zeigen, dass sich Dranbleiben lohne. Statt dem Nachwuchs vorzuwerfen, was er nicht könne, sollten Betriebe sehen, was Azubis etwa an digitalen Fertigkeiten mitbringen.
Nachwuchsarbeit, sagen die beiden, sei ein großer Teil dessen, was sie mit dem Schrauberblog machen wollen. Neun Jahre gibt es ihn jetzt. Einer ihrer Follower war von Anfang an dabei. Heute führt er einen Lkw-Betrieb mit 40 Beschäftigten. Solche Geschichten treiben Christian und Marco an. Die nächsten werden womöglich schon geschrieben: Schließlich stoßen ständig neue Azubis auf den Schrauberblog. Wer weiß, wo die in ein paar Jahren stehen.