Berufsaus- und Weiterbildung „Wir müssen die Ausbildungsordnung möglichst technologieoffen formulieren“

Von Edgar Schmidt 8 min Lesedauer

Der ZDK hat die Abteilungen Technik und Berufsbildung in einem Geschäftsbereich zusammengefasst. Geschäftsführer Peter Bredol und Abteilungsleiter Carsten Berg erläutern, wie sich der Zusammenschluss auf das Thema Berufsbildung auswirken wird.

Peter Bredol (li.) ist beim ZDK Geschäftsführer des Geschäftsbereiches Technik und Berufsbildung, Carsten Berg ist sein neuer Abteilungsleiter für Berufsbildung und Nachwuchssicherung.(Bild:  Schmidt – VCG)
Peter Bredol (li.) ist beim ZDK Geschäftsführer des Geschäftsbereiches Technik und Berufsbildung, Carsten Berg ist sein neuer Abteilungsleiter für Berufsbildung und Nachwuchssicherung.
(Bild: Schmidt – VCG)

Redaktion: Wie kam es zu der Entscheidung, die Abteilungen Berufsbildung und Technik zusammenzulegen?
Peter Bredol: Wir haben uns die Schnittmengen der beiden Abteilungen genau angesehen. Besonders die technische Entwicklung der Fahrzeuge hat auch einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Berufsbilder – insbesondere auf das Berufsbild des Kfz-Mechatronikers. Durch die Zusammenlegung können wir künftig noch vernetzter arbeiten. Da es aber zwei sehr große Bereiche sind, die wir betreuen, haben wir zwei Abteilungen geschaffen, Berufsbildung und Nachwuchssicherung sowie Werkstatt und Technik.

Derzeit sind sie ja noch mit dem Aufbau des neuen Geschäftsbereiches beschäftigt. Stellen Sie sich vor, Sie wären komplett arbeitsfähig. Wie würden Sie gerne loslegen?
Bredol: Das ist eine gute Frage. Einen großen Stellenwert hat für uns die qualifizierte Ausbildung, weil gute Fachkräfte die Grundlage für alles Weitere sind. Ich habe selbst Kfz-Mechatroniker gelernt und auch eine Weiterbildung zum Meister gemacht. Deshalb hängt bei mir sehr viel Herzblut am Thema Ausbildung, und es ist mein großer Wunsch, dass wir die Qualität der Berufsbildung weiterhin sehr hoch halten.

Wie stehen Sie zu der Diskussion um einen Einstiegsberuf mit einer zweijährigen Berufsausbildung, die derzeit immer wieder aufkommt?
Bredol: Mit einer zweijährigen Berufsausbildung können wir aus meiner Sicht die Qualität nicht aufrechterhalten. Denn wir brauchen qualifizierte Fachkräfte in allen Kfz-Betrieben, unabhängig davon, ob sie frei oder markengebunden sind. Eine reine zweijährige Berufsausbildung in unserem Bereich sehen wir derzeit nicht als tragfähiges Modell an.

Könnten Sie sich dennoch Alternativen zur dreieinhalbjährigen Ausbildung vorstellen?
Bredol: Worüber wir bereits nachdenken, ist ein gestufter Ausbildungsweg, bei dem Azubis nach zwei Jahren einen ersten, vollwertigen Abschluss erreichen können. Dieser würde den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. Solch ein Modell müssen wir allerdings noch sorgfältig mit allen relevanten Partnern abstimmen – dazu gehören insbesondere die IG Metall, der ZDH und die jeweiligen Landesverbände. Wir stehen hier am Anfang eines Diskussionsprozesses, der eine enge Zusammenarbeit und gemeinsame Perspektiven erfordert.

Die Schweizer scheinen gute Erfahrungen mit einem Einstiegsberuf zu machen. Wieso glauben sie, dass sich das für Deutschland nicht eignet?
Bredol: Das zeigt sich insbesondere, wenn ich mir die technische Entwicklung anschaue. Für das automatisierte Fahren beispielsweise brauchen wir besonders gut ausgebildete Fachkräfte. Außerdem möchte ich den Wettbewerb zwischen Handelsbetrieben und freien Werkstätten aufrechterhalten, damit die Kunden den Kfz-Betrieb nutzen können, der für ihre Situation am passendsten ist. Denn es ist wichtig, dass wir auch künftig noch bezahlbare Mobilität haben. Darum müssen wir dafür sorgen, dass auch die freien Werkstätten die modernen Autos noch warten können. Deshalb würde ich mir wünschen, dass wir es schaffen, dass sich junge Leute für die Kfz-Berufe begeistern. Zusätzlich müssen wir sie während der Ausbildung motivieren, so viele Qualifikationen wie möglich zu erlangen, denn wir müssen viele davon befähigen, eigene Betriebe zu eröffnen oder zu übernehmen. Wir müssen also jungen Menschen die Chance geben, sich selbst zu verwirklichen.

Ergänzendes zum Thema
Zur Person

Peter Bredol ist beim ZDK Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Technik und Berufsbildung. Bredol ist Kfz-Meister und hat ein Studium als Wirtschaftsingenieur abgeschlossen. Nach verschiedenen Stationen im Bereich Service und Industrie war er zuletzt Fachbereichsleiter Technik und Umwelt beim ADAC Nordrhein.

Carsten Berg ist beim ZDK Leiter der Abteilung Berufsbildung und Nachwuchssicherung. Berg ist ausgebildeter Verfahrensmechaniker und hat an der TH Köln angewandte Sozialwissenschaften studiert. Nach verschiedenen Stationen in der IHK Köln war er dort zuletzt Leiter Ausbildung.

Es geht ja schon seit Langem darum, den Beruf Kfz-Mechatroniker zu überarbeiten, um ihn aktuell zu halten. Sie sind zwar gerade erst beim ZDK gestartet, Herr Berg, aber haben sie sich hier schon konkrete Ziele vorgenommen oder gibt es vielleicht andere Schwerpunkte, die sie aktuell im Blick haben?
Carsten Berg: Grundsätzlich orientiert sich die Neuordnung oder Modernisierung von Ausbildungsberufen an den Marktbedingungen. Deshalb ist es für mich erst einmal wichtig, zu hören, welchen Bedarf die Landesinnungsverbände derzeit für die Überarbeitung sehen und daraus abzuleiten, wie akut das Thema wirklich ist.

Sie sehen also aktuell noch keinen großen Handlungsdruck?
Berg: Ich freue mich sehr, dass der Kfz-Mechatroniker ein beliebter Ausbildungsberuf ist und werde alles dafür tun, dass er das auch bleibt. Hier haben wir es aber inzwischen mit einem zweiten Effekt zu tun, das ist generell die Attraktivität der Berufsausbildung. Deshalb müssen wir auch intensiv daran arbeiten, dass der Beruf bei der Zielgruppe, also den Schülerinnen und Schülern, die jetzt noch an der allgemeinbildenden Schule sind, auf Interesse stößt. Wir müssen sie also bestmöglich informieren, damit sie in der KFZ-Branche Fuß fassen und sie dann mit besonderen Bildungsmaßnahmen auch behalten.

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Ihnen ist also die Nachwuchswerbung vorerst wichtiger?
Berg: Die Ausbildung ist der Schlüssel, um sich für die Zukunft zu rüsten. Wer ausbildet, sichert sich relativ einfach die Fachkräfte, die er künftig braucht. Deshalb ist Nachwuchsmarketing ein wichtiges Thema, das der Verband aber durch die „Initiative Autoberufe“ bisher schon sehr gut bearbeitet. Zum Beispiel das Erschließen von weiteren Zielgruppen, wie die Erhöhung der Frauenquote im Beruf Kfz-Mechatroniker. Es geht aber auch darum, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Das ist dann eher eine Maßnahme, die zusätzlich zur Berufsausbildung für zusätzliche Fachkräfte sorgen kann.

Würde es auch schon helfen, die Abbruchquoten bei den Azubis zu verringern, um mehr ausgebildete Fachkräfte zu bekommen?
Berg: Die mit 33 Prozent relativ hohe Vertragslösungsquote bei den Kfz-Mechatronikern wird leider fälschlicherweise oft als Abbruchquote bezeichnet. Doch das ist sie gar nicht. Viele Azubis bleiben nämlich im Beruf, wechseln aber noch einmal den Ausbildungsbetrieb. Trotzdem beinhaltet die Zahl auch eine Abbruchquote. Und hier ist jeder Einzelne zu viel. Deshalb müssen wir das Thema Berufsorientierung weiterhin sehr intensiv unterstützen. Das bleibt ein wichtiges Thema für die nächsten Jahre.

Man hört immer noch viel Kritik auch über die Betriebe, die nach dem Motto „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ einiges dafür tun, um ihre Azubis zu vergraulen. Planen sie auch, die Ausbildungsfähigkeit von Betrieben zu verbessern?
Berg: Natürlich müssen die Betriebe auch daran arbeiten, attraktiv für die Bewerber zu sein. Wir haben es ja inzwischen mit einem Arbeitsmarkt zu tun, bei dem sich die jungen Leute ihren Ausbildungsplatz aussuchen können. Deshalb müssen sich quasi inzwischen die Unternehmen bei den jungen Menschen bewerben und nicht mehr umgekehrt. Darum ist es ebenso wichtig, den Betrieben zu zeigen, welche Aspekte wichtig sind, um sich für ihre Zielgruppe attraktiv zu machen.

Woran denken Sie dabei?
Wir können den Betrieben unter anderem Tipps dazu geben, wie sie mit den jungen Menschen umgehen sollten. Dann kommt es auch wesentlich seltener zu Vertragslösungen während der Ausbildung, weil sich Azubis in ihrem Betrieb nicht wohlfühlen. Denn es wird immer schwieriger, die richtigen Bewerber zu finden und diese dann auch zu halten. Wenn die Azubis dann die Prüfung geschafft haben, müssen die Betriebe sie richtig weiterqualifizieren, um sie an sich zu binden.

Es gab in der Vergangenheit immer wieder die Aussage von Betrieben, dass die Ausbildung zu teuer sei und sie deshalb lieber ausgebildete Fachkräfte einstellen. Das wird aufgrund des Fachkräftemangels zwar abnehmen, aber ist das auch ein Thema, dass man mal wieder in den Mittelpunkt rücken sollte? Sie haben das ja auch bei ihrer bisherigen Stelle bei der IHK immer wieder aufgegriffen.
Berg: Das ist ein Thema, das mich schon seit Jahren begleitet. Natürlich kostet Ausbildung Geld. Aber bei einer guten Ausbildung werden Azubis bereits während ihrer Lehrzeit produktiv, sodass die Nettokosten letztlich vernachlässigbar sind. Wenn ich dann dagegenstelle, dass ein Betrieb gar nichts in die Berufsausbildung investiert und nur fertig ausgebildete Fachkräfte einstellt, die er eventuell von einem anderen Betrieb abwerben muss, sind die Kosten für die Ausbildung ganz schnell ausgeglichen oder sogar geringer.

Der Berufsspezialist für Kfz-Servicetechnik ist eine wichtige Karrierestufe

Das führt auch zum Thema Weiterbildung. Beim geprüften Berufsspezialisten für Kfz-Servicetechnik, dem ehemaligen Kfz-Servicetechniker, gab es ja noch Probleme, die Ausbildung auf die Meisterprüfung anrechnen zu lassen. Ist das inzwischen geklärt?
Bredol: Das kommt tatsächlich darauf an, welche Inhalte in der Weiterbildung geschult wurden und welche Prüfung absolviert wurde. Servicetechniker ist keine geschützte Berufsbezeichnung, und deshalb haben viele Autohersteller und Importeure ihre eigene Fortbildung zum Servicetechniker entwickelt. Der hat dann aber nicht die gleichen Inhalte wie der geprüfte Berufsspezialist und muss deshalb auch nicht anerkannt werden. Hier müssen wir künftig vielleicht noch besser informieren, damit niemand mit falschen Vorstellungen in diese Weiterbildung einsteigt. Generell ist es wichtig, die Weiterbildungsmöglichkeiten so transparent wie möglich darzustellen, damit jeder weiß, was auf ihn zukommt und welche Qualifikation für ihn die passende ist.

Also noch einmal zusammengefasst: Der Berufsspezialist für Kfz-Servicetechnik ist anrechenbar, die Servicetechniker-Weiterbildungen der Hersteller sind das nicht?
Bredol: Ja, aber das ist heute eine Entscheidung der Handwerkskammern, die entscheiden das immer nach vorgegebenen Regularien. Als Meisterschüler muss man nachweisen, welche Inhalte man in der Weiterbildung durchgenommen hat und auf dieser Basis entscheiden die Kammern, ob sie die Qualifikation anerkennen oder nicht.

Welchen Stellenwert hat denn der Berufsspezialist noch? Damals, als die Weiterbildung zum Kfz-Servicetechniker eingeführt wurde, musste man ja noch eine Wartezeit einhalten, bis man nach der Ausbildung die Meisterprüfung absolvieren konnte; das ist heute ja nicht mehr so.
Bredol: Es ist nach wie vor ein guter Zwischenschritt, weil die Berufsspezialisten beispielsweise lernen, mit Kunden zu kommunizieren, und das wird mit den zunehmend komplexer werdenden Fahrzeugsystemen immer wichtiger. Ich habe dann einen Diagnosespezialisten in der Werkstatt, der zudem den Kunden erläutern kann, was am Auto gemacht werden musste. Insofern ist es nach wie vor eine wichtige Karrierestufe.

Stichwort komplizierte Technik. Sehen Sie Bedarf für neue Inhalte in der Berufsausbildung, zum Beispiel beim Thema Car-IT?
Bredol: Den Bedarf sehe ich aktuell nicht. Wir haben bereits viele Inhalte in der Ausbildung, die wichtig sind, zum Beispiel Fahrerassistenzsysteme und Hochvolttechnik sowie Klimatechnik. Bei der Car-It werden Kfz-Mechatroniker wahrscheinlich ohnehin kaum Möglichkeiten haben, selbst einzugreifen. Und wenn der Bedarf kommen sollte, ist die Ausbildungsordnung so formuliert, dass wir das gut integrieren können. Hier brauchen die Betriebe vielleicht noch etwas Unterstützung, um die notwendigen Inhalte auch auszubilden.

Berg: Deshalb ist es wichtig, dass wir die Ausbildungsordung auch weiterhin möglichst technologieoffen formulieren. Die Ausbildungsordnung von 2013 beinhaltet ja auch schon die heute aktuellen Themen, wie etwa Fahrerassistenzsysteme und Hochvolttechnik. Das soll auch künftig so bleiben. Man kann im Zuge einer Überarbeitung vielleicht überlegen, ob die Akzentuierung der Themen noch so richtig ist oder ob dem ein oder anderen Thema mehr Raum gegeben werden muss. Eine zu starre Regelung würde aber verhindern, dass der Beruf noch in allen Betrieben ausgebildet werden kann. Auch darum ist die Technologieoffenheit im Ausbildungsrahmenplan wichtig.

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