Worldskills 2026 Deutscher Kfz-Mechatroniker und Fahrzeuglackierer punkten bei Berufs-WM

Von Edgar Schmidt 4 min Lesedauer

Kfz-Mechatroniker Hannes Wirsing und Fahrzeuglackierer Noah Seiler haben bei den Berufsweltmeisterschaften „World Skills Shanghai 2026“ je eine Exzellenz-Medaille gewonnen. Am Ende trennten sie nur wenige Punkte vom Podium.

Glückliche Gesichter nach der Schlusssirene: Hannes Wirsing mit seinem Trainer, Stefan Mißbach (2. V. li.), sowie Claudia Kefferpütz und René Gavendyk vom BIV.(Bild:  Edgar Schmidt - VCG)
Glückliche Gesichter nach der Schlusssirene: Hannes Wirsing mit seinem Trainer, Stefan Mißbach (2. V. li.), sowie Claudia Kefferpütz und René Gavendyk vom BIV.
(Bild: Edgar Schmidt - VCG)

Eigentlich sehen sie ganz harmlos aus, die Autos von VW, Audi und MG, die auf der Wettbewerbsfläche im National Exibition & Convention Center in Shanghai stehen. Sie haben es jedoch in sich. Denn sie sind gespickt mit verschiedenen Fehlern, die die 36 Kfz-Mechatroniker und Kfz-Mechatronikerinnen während der vier Wettkampftage bei den Berufsweltmeisterschaften „World Skills Shanghai 2026“ aufspüren mussten.

Das Spektrum reichte von Motorelektronik und -mechanik über Fahrwerk, Lenkung und Getriebe bis hin zu den Assistenzsystemen. Auch die Arbeit an einem Hochvoltfahrzeug mussten die Teilnehmenden beherrschen.

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Organisierte Störung

Eine neue Variante hatten sich die Veranstalter für die Aufgabe an der Bremsanlage ausgedacht. Hier kam jeweils ein Experte in der Rolle eines „Kollegen“ während der regulären Arbeitszeit an die Station und bat den Teilnehmer darum, ihm kurz bei einem anderen Problem mit einer Bremse zu helfen. Erst danach konnte er mit der eigentlichen Aufgabe weiter machen.

An den insgesamt neun Stationen hatten die Pkw-Spezialisten jeweils 1,5 bis 2 Stunden Zeit für ihre Arbeit. Für das Deutsche Kfz-Gewerbe war der amtierende Deutsche Meister Hannes Wirsing angetreten. Ihn hat die organisierte Unterbrechung bei der Bremsaufgabe zum Glück nicht aus dem Konzept gebracht. Im Gegenteil, sie hat ihm sogar Spaß gemacht, denn das sei eine interessante Abwechslung gewesen.

76 Jahre Internationale Wettbewerbe

Der erste internationale Berufswettbewerb fand 1950 auf die Initiative von Spanien in Madrid statt. Einzige Gäste waren hier allerdings nur junge Fachkräfte aus Portugal. Doch schon 1953 hatten sich mit Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Marokko und der Schweiz fünf weitere Länder der Initiative angeschlossen. Heute sind 90 Länder und Regionen Mitglied bei WorldSkills International. Die Organisation richtet nicht nur die Wettbewerbe im Zweijahres-Rhythmus aus, sie hilft auch jungen Menschen auf der ganzen Welt, ihr Leben durch berufliche Fähigkeiten zu verändern.

Die internationalen Berufswettbewerbe finden bereits seit 1950 statt. Anfangs jährlich und später denn im Zweijahres-Rhythmus.(Bild:  Schmidt - VCG)
Die internationalen Berufswettbewerbe finden bereits seit 1950 statt. Anfangs jährlich und später denn im Zweijahres-Rhythmus.
(Bild: Schmidt - VCG)

China hat in Schanghai im September 2026 die größten Weltmeisterschaften der Geschichte ausgerichtet. Hier traten mehr als 1400 Teilnehmende aus über 70 Ländern und Regionen in insgesamt 64 Berufen an. Darunter sind Handwerksberufe wie Kfz-Mechatroniker, Maurer, Fliesenleger, Tischler sowie Bäcker und Koch genauso, wie Industrieberufe wie CNC-Fräser und -Dreher und Industriemechatroniker. Aber auch Dienstleitungsberufe aus dem Gesundheitswesen sowie aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe und verschiedenste IT-Berufe gehören zu den Wettbewerbsdisziplinen.

Die Deutsche Berufe-Nationalmannschaft ging mit 36 Fachkräften in 31 Disziplinen an den Start. Sie holten sich insgesamt 22 Medaillen darunter zwei goldene (Möbelschreiner und Stahlbetonbauer), eine silberne (Zimmerer), drei bronzene (Cyber Security, Landschaftsgärtner, Water Technology), 15 Medallion for Excellence und eine Silbermedaille im Sonderwettbewerb Speed Programming.

Zusätzlich zu den WorldSkills finden seit 20 Jahren ebenfalls im Zweijahres-Rhythmus Berufe Europameisterschaft EuroSkills statt. Die zehnte Jubiläumsveranstaltung läuft 2027 vom 22. bis 26. September in Düsseldorf.

Hohe Leistungsdichte

Bei Wirsing reichte es zwar am Ende nicht auf das Podium, er konnte sich aber über eine Medallion for Excellence freuen, die alle Teilnehmer bekommen, die mit mehr als 700 von 800 möglichen Punkten eine sehr gute Leistung gezeigt haben. Mit 711 Punkten landete er zwar letztlich auf Platz 12, doch er hatte nur 48 Punkte weniger als der Sieger, der Chinese Jiale Li. Lediglich 16 Punkte trennten ihn vom Platz 3, den sich der Kanadier Carter Kokot und Yenfu Liu aus Taiwan erkämpften. Platz zwei holte sich Martin Albrecht aus Ungarn. Das Ergebnis zeigt die enorme Leistungsdichte, die inzwischen im Skill 33 „Automobile Technology“ herrscht.

„Die Medallion for Excellence hat sich Hannes Wirsing wirklich verdient, er macht mich unendlich Stolz und glücklich“, lobte René Gravendyk, Leiter des Ausschusses für Berufsbildung und Fachkräftesicherung im BIV, der Hannes Wirsing nach Shangai begleitet hatte. „Ich danke zudem allen Menschen, die Hannes auf die World Skills 2026 in Shanghai vorbereitet haben.“

Wirsing hat der Wettbewerb viel Spaß gemacht: „Ich habe während der Trainings sehr viel gelernt und konnte viele neue und interessante Kontakte knüpfen“, resümiert er. „Ich konnte mir zwar kaum vorstellen, was mit der Teilnahme alles auf mich zukommt, aber es hat sich absolut gelohnt. Ich kann nur jedem raten, dem sich die Gelegenheit zu einer Teilnahme an einem der Wettbewerbe bietet, diese auch zu nutzen.“

Überraschung bei den Fahrzeuglackieren

Ein umfangreiches Aufgabenspektrum hatte auch Fahrzeuglackierer Noah Seiler zu bewältigen. Er hatte 23 Mitstreiter und musste in den vier Wettbewerbstagen unter anderem Schäden an Karosserieteilen beseitigen, einen Kotflügel für eine Lackierung vorbereiten und diesen anschließend lackieren, bei einer Teillackierung die Farbe angleichen, Spot-Repair-Arbeiten durchführen und eine Stoßstange polieren. Zudem musten die Teilnehmenden einen Heckspoiler mit einer Designlackierung versehen.

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Für den Abschluss hatten sich die Experten noch eine Überraschungsaufgabe ausgedacht. Hierbei mussten die Teilnehmenden einen Farbton anmischen. Dafür bekamen sie eine Farbkarte mit dem Zielfarbton sowie eine Karte und das Farbrezept von einem Farbton, bei dem ein Bestandteil zu gering ausgefallen war. Innerhalb einer Stunde mussten sie rein per Augenschein diesen Bestandteil herausfinden und in der richtigen Menge in den Lack mischen. Um zwischendurch auszuprobieren, ob sie den Zielfarbton schon getroffen hatten, durften sie zudem lediglich drei Musterkarten lackieren.

Auch Seiler holte 711 Punkte und bekam dafür eine Medallion for Excellence. Bei ihm reichte diese Punktzahl für einen 10. Platz. Ebenso wie bei den Kfz-Mechatronikern ist die Leistungsdichte bei den Fahrzeuglackierern sehr hoch. Gold erkämpfte sich hier der Chinese Libdo Duan mit 774 Punkten, Silber erhielt Pawaret Wohanluek aus Thailand mit 730 Punkten und Bronze ging an Oisin McKerr aus Großbritannien mit 725 Punkten.

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